Lache-See: vor dem Lachensee
Beleg
Standard-Flurname
Lache-See
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
19. Jahrhundert, kopial 20. Jahrhundert
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1. · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys
Weitere Belege
- 1730: Vorm Lachen See [Acker]
Staatsarchiv Darmstadt, C 4, Babenhausen 50., S. 381
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lache
Lache kann sich in FlN auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: Lache 1: Zu ahd. lah st. M., lahha sw. F. ‚Lache, Sumpf, Wassergraben‘, mhd. lâ st. F., lache sw. st. F. ‚Lache, Pfütze, Sumpf, Sumpfwiese‘, nhd. Lache, ‚stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl; sumpfige Wiese; niedrig gelegener, oft überschwemmter Landstrich; flache Geländevertiefung; stehendes Wasser in einem alten Flussbett‘. Lache 2: Zu mhd. lâche, lâchene sw. F., nhd. Lache ‚Einschnitt, Kerbe in den Grenzbaum oder -stein; Grenzzeichen‘. Zur Grenzmarkierung dienten im Mittelalter Einkerbungen in bestimmten, meist auffälligen und hochwüchsigen Bäumen (mhd. lâchboum st. M. ‚Grenzbaum‘) oder Steinen (mhd. lâchstein st. M. ‚Grenzstein‘). Im Untersuchungsgebiet scheint durchweg die Bedeutung Lache 1 namengebend zu sein. Dabei bezieht sich der Name in Einzelfällen sogar auf ein fließendes Gewässer wie im Falle der Oberlache in Gießen-Wieseck. Nur in einigen Namen mit Lache als BT könnte auch eine Grenzmarkierung Anlass zum Namen gegeben haben.
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer heutigen landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s.d.) (Garbenteich).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s. d.).
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lache f.
- 1
Das Wort Lache, ahd lacha f. (Graff 2, 100f.), mhd lache st.sw.f. (Lexer 1, 1808), mnd. lâke (lacke) f. (Lasch/Borchling 2, 723), ist umstrittener Herkunft: Teils wird Entlehnung aus dem Romanischen (< lat. lacus ,See‘) angenommen, teils germ. oder gall. Ursprung vermutet (Müller/Frings 295-298; DWB 12 [VI], 13; Kluge/Mitzka 417; Weigand/Hirt 2, 3; Dittmaier 175f.). Lache/Lake ist im größten Teil des dt. Sprachgebiets verbreitet und bezeichnet „ein stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl, mundartlich mit mancherlei Nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heißt Lache gern eine sumpfige Wiese oder ein niedrig gelegener, der Überschwemmung häufig ausgesetzter Landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende Feldvertiefung, in der einmal Wasser stand (KehreinWb 253), oder auch das stehende Wasser in einem alten oder durch Austreten erbreiterten Flußbette“ (DWB ebd.).
Das Wort ist in Hessen, erweitert um die Bedeutungskomponente ‚flache Einsenkung im Gelände‘ (HNassWb 2, 2; SHessWb 4, 74; Crecelius 530), bis heute gebräuchlich, wenngleich, soweit es sich um Wasserstellen handelt, Pfütze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110) und Pfuhl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111) üblicher sind.
In hessischen FlN haftet der Name heute natürlich vielfach an trockengelegten Geländevertiefungen. Gerade die heutige Verteilung des Namens belegt darüber hinaus, daß es sich meist um ehemalige Nebenarme von Flüssen und Bächen handelt, eine Tatsache, auf die übrigens schon Arnold 523 hingewiesen hat. „Lache“ tritt als GewN im nördlichen Südhessen auf als Bach links zur Gersprenz, „Schifflache“ als Altmainarm südl. Hanau und zweimal als Altrheinarme „Großlache“ westl. Groß-Gerau auf.
Die unverschobene Form Lake erscheint resthaft auch im Oberdt., Lache ist gelegentlich auch mask. belegt (DWB ebd.).
- 2
Nicht zugehörige Namen wie Li-lach und Bett-Laken können leicht ausgesondert werden.
l. Problematisch ist die Abgrenzung gegen mhd. lâche sw.f. ‚Einschnitt- Kerbe in den Grenzbaum od. -stein‚ überh. Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807), wenn der Name als Simplex oder BT auftritt. Fälle wie „Lachelinde“ (5320b2 Ober-Ohmen VBK), „Lachgang“ (5118b3 Wehrda MBK, 6018c1 Urberach OFK), „Lachstein“ (5614b5 Nauheim LIW) sind einfach zugunsten von ,Grenz(zeichen)‘ zu entscheiden, aber bei den nicht ganz seltenen Lach(en)graben könnte z. B. bestenfalls die Sachprobe eine Klärung herbeiführen; dennoch wurde der letztere Kombinationstyp hier aufgenommen.
2. Vermengungen bestehen u. U. mit Loh (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123) ,Gehölz‘, die mithilfe des Genus (z.B. /a:m dsi:lox/ ,Ziegen-loh‘ in 5517a4 Cleeberg GIE) oder der phonologischen Abweichung (z.B. A: hinter der Lachwiese – D:/luxvis/ ,Lohwiese‘ in 5517d1 Oberwetz LDK) bis auf einige unklare Fälle entschieden werden konnten.
3. Salzla(:)k(e) ,Salzlecke‘ wurde nicht aufgenommen, wohl aber Salzlache.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 108
Seien m. f.; Siegen m.
- 1
Die Namen der oder die Seie(n) (meist der Seien, die Seie) und der Siegen gehören etymologisch und in der Sachbedeutung zusammen. Beide gehen auf germ. *sîhwan zurück, wobei durch grammatischen Wechsel Kluge/Mitzka 699) einerseits ahd. sîhan ,(heraus) seihen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîhen ‚trans. seihen, intrans. tröpfelnd durch etwas sickern, fließen‘ (Lexer 2, 919), andererseits ahd. sîgan, sîgen ‚sinken, wanken, sich neigen, sich niedersenken; herabfließen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîgen (Lexer 2, 916) entstehen. Die daraus gebildeten Substantivierungen mhd. sîhe st.sw.f. und sîgen st. n. ‚das Sinken, das Tröpfeln, Fließen‘ (Lexer 2, 919, 917) beziehen sich in FlN auf eine ‚Vertiefung auf dem Felde, wohin das Regenwasser seinen allmählichen Ablauf nimmt, Vertiefung, tiefere Stelle der Flur überhaupt‘ (Vilmar 383; ähnlich Kehrein Wb 374) und entsprechen deshalb in der Sache nicht immer Seife(n) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 120), wie Dittmaier 287, 29l angibt.
Aus den Angaben bei Kehrein ebd. geht nicht klar hervor, ob Seich f., Seihen m. in Nassau im 19. Jh. noch als Wort bekannt war; Vilmar ebd. hingegen berichtet, daß Siegen im „nördlichen Niederhessen“ noch verstanden, aber als Wort nicht mehr verwendet werde (vgl. Arnold 516). Heute ist hier nur noch vereinzelt ein Siegplatz ‚nasse Stelle im Acker‘ belegt (HNassWb 3, 597; vgl. ebd. 558). Gleicher etymologischer Herkunft und in FlN von Siegen kaum zu trennen ist der, das Siech, Sich, Sech u. ä. bzw. unverschoben nd. Siek, Sik, Sege ‚feuchte Niederung, feuchte sumpfige Stelle‘ (Bach 2 § 309), mnd. sîk (sieck, zyk) m.n. ‚wasserhaltiger Grund, sumpfige Niederung, Tümpel‘ (Lasch/Borchling 3, 230). Schließlich scheint es in hessischen FlN noch eine /(e)l/-Ableitung zu den Hauptvarianten zu geben, so daß auch Namen wie Seiel, Seigel, Segel, Sichel u.ä. hierher gestellt werden.
Durch Monophthongierung und Diphthongierung, durch Spirantisierung des /g/ und verschiedenartige Kontrahierungen entsteht dialektal eine Fülle von Nebenvarianten zu den beiden Hauptvarianten des Namentyps.
- 2
Während die Identifizierung der Hauptvarianten Seie(n) und Siegen ziemlich unproblematisch ist, ist die Ein- und Ausgrenzung der seltener vorkommenden Varianten mit großen Unsicherheiten behaftet, so daß nur eine erste Annäherung an die tatsächliche Verbreitung der Seie(n)-Siegen-Namen in Hessen erfolgen kann, die durch Realproben und historische Belege im einzelnen gesichert werden müßte. Das gilt besonders
l. für die gesamte Gruppe der Namen mit der vermuteten /(e)l/-Ableitung, für die bisher außer durch Kombinationstypen nur gelegentlich eine Sachbestätigung gefunden werden konnte (Henn 1977, 75 für 4925c1 Sontra WMK);
2. für das Vorkommen der Nebenvarianten als BT von FlN, wo zahlreiche Vermengungen mit anderen Namen vorliegen. So sind die Secken-‚ Sicken-Belege aufgenommen, obwohl sie sicher z. T. auf PN (Förstemann 1, 1317ff.), im Einzelfall vielleicht auch auf mnd. segge ,Riedgras‘ (Bach 2 § 323) zurückgehen. Ausgesondert wurden nur die Belege für den „Siegbach“ (links zur Dill) und für die Wüstung „Seckbach“ (in 5219d2 Wittelsberg MBK: 831/850 „Sigibach“; Reuling 1979, 282).
3. Der mehrfach belegte FlN Sechling gehört nicht hierher: ,Gebund, Garbe‘ (Crecelius 785; HNassWb 3, 589).
Unberücksichtigt blieben auch Belege mit genitivischem /-s/ im BT wie Sichels-‚ Siegels-‚ weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen PN oder FamN zurückgehen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 119
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Lache-See: vor dem Lachensee (Altheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/322091_vor-dem-lachensee> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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