Schlüssel-Morgen: DIE SCHLUESSELMORGEN [die schlesselmorje]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Schlüssel
Zu ahd. sluz(z)il, sluzzel, mhd. slüzzel st. M. ‚Schlüssel‘. Schlüssel heißt die rechteckige Grundstücksform, deren eines Ende durch einen ebenfalls rechteckig vorstehenden Geländeteil wie durch einen Schlüsselbart erweitert ist. Meistens handelt es sich um Äcker. Die Form kommt so häufig vor, dass sie auch als Wort verwendet wird. In historischen Belegen sind Wort und Name nicht immer eindeutig zu trennen.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Morgen
Zu ahd. morgan, mhd. morgen st. M. ‚Morgen; Ackermaß‘, eigentlich ‚so viel Land, wie an einem Vormittag mit einem Gespann umgepflügt werden kann‘. Der Umfang des alten Morgens schwankt vor der Vereinheitlichung zu Beginn des 19. Jh.s im Großherzogtum Hessen von Ort zu Ort, zwischen ca. 2 000 qm und ca. 4 000 qm
Schlüssel
Zu ahd. sluz(z)il, sluzzel, mhd. slüʒʒel st. M. ‚Schlüssel‘. Schlüssel heißt die rechteckige Grundstücksform, deren eines Ende durch einen ebenfalls rechteckig vorstehenden Geländeteil wie durch einen Schlüsselbart erweitert ist. Meistens handelt es sich um Äcker. Die Form kommt so häufig vor, dass sie auch als Wort und gelegentlich adjektivisch, etwa mit eht-/-oht-Suffix in Lampertheim, verwendet wird. In historischen Belegen sind Wort und Name nicht immer eindeutig zu trennen. Nur dem Schlüsselsbrunnen in Steinbuch wird ein anderes Benennungsmotiv zu Grunde liegen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Morgen m.
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Der Morgen, schon ahd. morgan u. ä. ,iugerum, iurnalis‘ 1 (Graff 2, 854) als Ackermaß belegt, mhd. morgen st.m. bedeutet ‚eig. so viel Landes als an einem Vormittage mit einem Gespanne umgepflügt werden kann‘ (Lexer 1, 2200). Während ein Morgen heute ¼ ha = 2500 m² umfaßt, schwankt der Umfang des alten Morgens vor der Vereinheitlichung zu Beginn des 19. Jh.s (im Großherzogtum Hessen 1818), oft von Ort zu Ort, zwischen knapp 2000 und weit über 4000 m² (Krause 11-46). Der Gebrauch des „veraltenden Ackermaßes“ ist heute auf Süd-‚ West-, Mittelhessen und WFK westlich einer Linie etwa Wolfhagen-Fritzlar-Ziegenhain-Alsfeld-Herbstein-Salmünster (HNassWb 2, 367; SHessWb 4, 767) beschränkt. Morgen ist „nhd. vornehmlich in Mittel- und Norddeutschland“ verbreitet (DWB 12 [VI], 2563; Flechsig 1959a, 46f.). Im Ostmitteldt. ist Morgen als Wort nicht ungebräuchlich, hat sich aber anscheinend kaum in FlN niedergeschlagen (Schrickel 45; vgl. ThürWb 4, 712).
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Die Identifizierung der sprachlichen Form ist unproblematisch. Wegen der Homophonie mit der Tageszeit Morgen (und den davon abhängigen Komposita) wird aufgrund des Kombinationstyps entschieden. So scheiden sicher aus: Morgengabe, Morgensonne, Morgenfrüh, Morgenstern, Morgenhutweide u. ä. Unsicher und deshalb ausgeschieden ist der Morgenbach in 4819a1 Ederbringhausen WFK, 5216c6 Hülshof MBK. Beim einen oder anderen Morgenweg, Morgenland, Morgenacker u. ä. könnte auch nach der Richtung, d. h. nach östlicher Ausrichtung benannt worden sein.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 52
Schlüssel m.
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Der FlN Schlüssel bezieht sich bildlich auf die Grundstücksform: ahd. sluzzel st.m. (Schützeichel 175), mhd. slüʒʒel st.m. (Lexer 2, 993) ,Schlüssel‘, gehört etymologisch zu schließen (Weigand/Hirt 2, 740; Kluge/Mitzka 660). Das Wort ist in der standardsprachlichen Bedeutung in Hessen allgemein verbreitet (HNassWb 3, 262), im hessisch-niederdt. Sprachgebiet in der unverschobenen Form /ʃlütel/ (WaldWb 94), <mnd. slôtel m. (Lasch/Borchling 3, 279), ist regional - so in Nassau - zu /ʃlösel/ gesenkt (KehreinWb 355), sonst zu /ʃlisel/ entrundet und weit verbreitet weiter zu /ʃlesel/ gesenkt.
Als FlN bezeichnet Schlüssel keinesfalls „ein spitz zulaufendes Geländestück“ (so Bach 2 § 291), sondern in der Regel Flurstücke mit einer abknickenden rechteckigen Ausbuchtung, vergleichbar mit einem Schlüsselbart, auf die eine parallel laufende Parzelle mit dem Kopfende stößt, so daß der Zugang zu dieser mitunter über den Schlüssel erfolgen muß (Dittmaier 274). Schlüssel ist als Wort für derart geformte Flurstücke in Mittelalter und Neuzeit häufig belegt, noch heute als Schlüsselacker in Mittelhessen gebräuchlich (DWB 15 [IX], 859; Crecelius 744; Kehrein ebd.) und konkurriert hier mit gleichbedeutendem Krappenacker (Wenzel 29 und K. 27; → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 60).
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Die Belege werfen keine Identifizierungsschwierigkeiten auf. Auszuscheiden sind die gelegentlich belegten Schlüsselblumen, der Schlüsselstrauch und der Schlüsselkorb, ebenfalls ein Formname nach „einem kleinen Korb zur Aufbewahrung von Schlüsseln“ (DWB 15 [IX], 862). Fraglich ist „Schlössel“ in 65l9a6 Hirschhorn (Neckar) BGS (eher Diminutiv zu Schloß).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 61
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Schlüssel-Morgen: DIE SCHLUESSELMORGEN (Wehrda)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/313922_die-schluesselmorgen> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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