Schell-Lache: IM SCHELLACH [scherloch]

Rezenter Beleg aus Sterzhausen  
Gemeinde
Lahntal
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Schell-Lache

Belegort

Belegtyp

rezent

Weitere Belege

  • im schelloch
    Staatsarchiv Marburg, Kataster und Flurbuch, 1787

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Lache

Lache kann sich in FlN auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: Lache 1: Zu ahd. lah st. M., lahha sw. F. ‚Lache, Sumpf, Wassergraben‘, mhd. lâ st. F., lache sw. st. F. ‚Lache, Pfütze, Sumpf, Sumpfwiese‘, nhd. Lache, ‚stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl; sumpfige Wiese; niedrig gelegener, oft überschwemmter Landstrich; flache Geländevertiefung; stehendes Wasser in einem alten Flussbett‘. Lache 2: Zu mhd. lâche, lâchene sw. F., nhd. Lache ‚Einschnitt, Kerbe in den Grenzbaum oder -stein; Grenzzeichen‘. Zur Grenzmarkierung dienten im Mittelalter Einkerbungen in bestimmten, meist auffälligen und hochwüchsigen Bäumen (mhd. lâchboum st. M. ‚Grenzbaum‘) oder Steinen (mhd. lâchstein st. M. ‚Grenzstein‘). Im Untersuchungsgebiet scheint durchweg die Bedeutung Lache 1 namengebend zu sein. Dabei bezieht sich der Name in Einzelfällen sogar auf ein fließendes Gewässer wie im Falle der Oberlache in Gießen-Wieseck. Nur in einigen Namen mit Lache als BT könnte auch eine Grenzmarkierung Anlass zum Namen gegeben haben.

Schell

Im Lemma vermengen sich verschiedene Benennungsmotive: (1) Die meisten Belege mit Schell(en)- als BT führen auf ahd. skelo, schel, mhd. schele, schel sw. M. ‚Zuchthengst‘ zurück und verweisen auf Orte, wo der Hengst gehalten wurde, oder die dem Halter als Nutzungsstücke zur Verfügung standen. (2) Nicht auszuschließen ist auch eine Verbindung mit mhd. Schülle sw. M. ‚Scholle‘. (3) Einige Kombinationsformen, so vor allem die mit -driesch oder mit -rod, legen die Herleitung von einem BesitzerN Schell nahe. - Mehrere Belegreihen zeigen Vermengung mit Schild (s.d.).

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schell

Im Lemma vermengen sich (mindestens) drei verschiedene Benennungsmotive: Die meisten Belege mit Schell(en)- als BT führen auf ahd. skelo, schel, mhd. schele, schel sw. M. ‚Zuchthengst‘ und verweisen auf Orte, wo der Hengst gehalten wurde, oder die dem Halter als Nutzungsstücke zur Verfügung standen. Das Wort ist resthaft in südhess. Schellei ‚Hoden‘, Schellenbarg ‚kastrierter Eber‘ erhalten. Entsprechend geht der Schellert (Crumstadt) wohl auf *schel-hart ‚Waldstück, wo der Hengst gehalten wird‘ zurück. Einige Kombinationsformen, so vor allem die mit Hube, legen die Herleitung von einem BesitzerN Schell, Schöll nahe (auch Arheilgen, vgl. aber auch die Belegreihe in Wald-Michelbach). Andere, besonders die im Simplex (Münster, Radheim, Ober-Scharbach (kollektiviert?)), führen auf mhd. schelle st. M., eine Nebenform von mhd. scholle sw. M. ‚Scholle‘, zurück und beziehen sich auf klumpigen (?) Boden. Vereinzelt mag auch das Schöllkraut, mhd. schelkrût st. N. (Chelidonium majus), namengebend sein, so vielleicht in Urberach; auch ein FamN (Arheilgen) kommt als BT vor.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Lache f.

1

Das Wort Lache, ahd lacha f. (Graff 2, 100f.), mhd lache st.sw.f. (Lexer 1, 1808), mnd. lâke (lacke) f. (Lasch/Borchling 2, 723), ist umstrittener Herkunft: Teils wird Entlehnung aus dem Romanischen (< lat. lacus ,See‘) angenommen, teils germ. oder gall. Ursprung vermutet (Müller/Frings 295-298; DWB 12 [VI], 13; Kluge/Mitzka 417; Weigand/Hirt 2, 3; Dittmaier 175f.). Lache/Lake ist im größten Teil des dt. Sprachgebiets verbreitet und bezeichnet „ein stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl, mundartlich mit mancherlei Nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heißt Lache gern eine sumpfige Wiese oder ein niedrig gelegener, der Überschwemmung häufig ausgesetzter Landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende Feldvertiefung, in der einmal Wasser stand (KehreinWb 253), oder auch das stehende Wasser in einem alten oder durch Austreten erbreiterten Flußbette“ (DWB ebd.).

Das Wort ist in Hessen, erweitert um die Bedeutungskomponente ‚flache Einsenkung im Gelände‘ (HNassWb 2, 2; SHessWb 4, 74; Crecelius 530), bis heute gebräuchlich, wenngleich, soweit es sich um Wasserstellen handelt, Pfütze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110) und Pfuhl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111) üblicher sind.

In hessischen FlN haftet der Name heute natürlich vielfach an trockengelegten Geländevertiefungen. Gerade die heutige Verteilung des Namens belegt darüber hinaus, daß es sich meist um ehemalige Nebenarme von Flüssen und Bächen handelt, eine Tatsache, auf die übrigens schon Arnold 523 hingewiesen hat. „Lache“ tritt als GewN im nördlichen Südhessen auf als Bach links zur Gersprenz, „Schifflache“ als Altmainarm südl. Hanau und zweimal als Altrheinarme „Großlache“ westl. Groß-Gerau auf.

Die unverschobene Form Lake erscheint resthaft auch im Oberdt., Lache ist gelegentlich auch mask. belegt (DWB ebd.).

2

Nicht zugehörige Namen wie Li-lach und Bett-Laken können leicht ausgesondert werden.

l. Problematisch ist die Abgrenzung gegen mhd. lâche sw.f. ‚Einschnitt- Kerbe in den Grenzbaum od. -stein‚ überh. Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807), wenn der Name als Simplex oder BT auftritt. Fälle wie „Lachelinde“ (5320b2 Ober-Ohmen VBK), „Lachgang“ (5118b3 Wehrda MBK, 6018c1 Urberach OFK), „Lachstein“ (5614b5 Nauheim LIW) sind einfach zugunsten von ,Grenz(zeichen)‘ zu entscheiden, aber bei den nicht ganz seltenen Lach(en)graben könnte z. B. bestenfalls die Sachprobe eine Klärung herbeiführen; dennoch wurde der letztere Kombinationstyp hier aufgenommen.

2. Vermengungen bestehen u. U. mit Loh (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123) ,Gehölz‘, die mithilfe des Genus (z.B. /a:m dsi:lox/ ,Ziegen-loh‘ in 5517a4 Cleeberg GIE) oder der phonologischen Abweichung (z.B. A: hinter der Lachwiese – D:/luxvis/ ,Lohwiese‘ in 5517d1 Oberwetz LDK) bis auf einige unklare Fälle entschieden werden konnten.

3. Salzla(:)k(e) ,Salzlecke‘ wurde nicht aufgenommen, wohl aber Salzlache.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 108

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schell-Lache: IM SCHELLACH (Sterzhausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/311693_im-schellach> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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