Ried-Meste: Ried-Meste [of dar riedsmest]
Weitere Belege
- auf der rieds meste
Staatsarchiv Marburg Bestand Kat. I Nr. Speckswinkel B 7
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Meste
Mhd. meste sw. F. ‚ein Fruchtmaß‘, in Hessen gebräuchlich und 25-40 Pfund fassend.
Ried
Überwiegend zu ahd. riot, hriot, riod, mhd. frühnhd. riet st.N. ‚Ried, Schilfrohr, Sumpfgras; mit Sumpfgras bewachsener Ort‘. Die FlN beziehen sich auf Sumpf- und Wasserstellen mit verschiedenartigem Sumpfpflanzenbewuchs, von der Binse über das Riedgras bis zum Schilfrohr. Daneben ist mitunter auch eine Ableitung von mhd. riet st.N. ‚ausgereuteter Grund, Rodeland; kleine Ansiedlung auf einer Rodungsstelle‘ denkbar; eine Abgrenzung ist sprachlich nicht möglich.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Ried
Überwiegend zu ahd. riot, hriot, riod, mhd. fnhd. riet st. N. ‚Ried, Schilfrohr, Sumpfgras; mit Sumpfgras bewachsener Ort‘, in Südhessen auch mit der Bedeutung ‚feuchter Wiesengrund‘ und als Name für die weite Ebene zwischen Bergstraße und Rhein. Die FlN beziehen sich mithin „auf Sumpf- und Wasserstellen mit verschiedenartigem Sumpfpflanzenbewuchs, von der Binse über das Riedgras bis zum Schilfrohr.“
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Satel f. (m./n.) / Meste f. / Metze f.
- 1A
Das Wort Satel, ahd. sâtila sw.f. ‚(Getreide-)Maß‘ (Schützeichel 159),mhd. sâtel, sâtele st.m.n. ‚ein bestimmtes Ackermaß‘ (Lexer 2, 613), wird - trotz Bedenken - meist von mlat. satellum, einem Diminutiv zu lat. satum ,Gesätes‘ abgeleitet (DWB 14 [VIII], 1809; Weigand/Hirt 2, 653; Post 119). Alternativ wird eine Ableitung zu dt. Saat erwogen (Müller/Frings 451ff.; Vollmann 41). Als Ackermaß bedeutet es ursprünglich ‚soviel man mit einer Sattel Getreide besäen kann‘ (Kluge/Mitzka 626). Als Wort ist Satel noch heute in hessischen und thüringischen Dialekten lebendig (HNassWb 3, 2f.; Vilmar 338; Crecelius 709; KehreinWb 335; Bech XVIIIf.; ThürWb 5, 368), aber auch im west- und südwestdt. Sprachraum (Post ebd.). Die Größe einer Satel betrug „etwa ¼ Morgen“ (Kehrein ebd.), im Eichsfeld war eine Satel doppelt so breit wie eine Rute und halb so breit wie ein → Gelänge (K. 55) (E. Müller 1966, 62). Im 19. Jh. scheint aber die Vorstellung des Ackermaßes abgelöst zu sein zugunsten der Vorstellung ‚schmale Ackerstreifen, die durch aufgeworfene Furchen voneinander getrennt sind‘ (Vilmar ebd.), so breit wie bei einem Gang die Saat gestreut wird.
Die FlN beziehen sich deshalb entweder auf das den Grundstücken ursprünglich zugrunde liegende Ackermaß (Dittmaier 256) oder auf die Bewirtschaftung in schmalen Ackerstreifen allgemein. In hessischen FlN ist Satel meist fem., hat fast immer Kurzvokal und tritt oft im Plural als Sateln u.ä. auf. Eine umgelautete Nebenform Setel ist belegt.
- 1B
Die Meste, mhd. mëste sw.f. (Lexer 1, 2123), gehört etymologisch vermutlich zu messen (Weigand/Hirt 2, 173; so auch Vilmar 269; Crecelius 590; anders DWB 12 [VI], 2134, das Meste von → Mast (K. 37) ableitet). Die Verbreitung des Worts ist auf das Mitteldt. beschränkt; es bezeichnet im Westmitteldt. vorwiegend ein Fruchtmaß von ⅛ Malter, d. h. regional verschieden 25-40 Pfund, im Ostmitteldt. hingegen verschiedene Arten von Behältern (DWB ebd.; ThürWb 4, 617f.), aber auch im Siegerland ein Maßgefäß (SiegWb 170f. mit Abb.; Reichmann Abb. 16). Im Hessischen ist oder war Meste als Fruchtmaß weit verbreitet und reicht südlich bis knapp über den Main (HNassWb 2, 3l7f.; WaldWb 71, 160; SHessWb 4, 643). KehreinWb 278 nennt das Wort als „rheinisch nicht gebräuchlich, wohl aber westerwäldisch“.
In hessischen FlN bezieht sich Meste in der Regel auf die Grundstücksgröße und gibt die Menge Mesten an, die zur Bestellung des Landes an Saatgetreide benötigt werden.
- 1C
Die Metze, ahd. mezzo m. (Graff 2, 898), mhd. metze, mezze sw.m. (Lexer 1, 2127), etymologisch ebenfalls mit messen verwandt (Kluge/Mitzka 477), ist - wie Meste - ein Trockenmaß, und zwar ½ Meste oder 1/16 Malter, d. h. auch wieder in regionaler Verschiedenheit 8-20 Pfund umfassend. Das Wort ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet; im Oberdt. mask., im Mittel- und Niederdt. meist fem. (DWB 12 [VI], 2152). In Hessen kommt die Metze als Maßeinheit vorwiegend im Nordosten und Osten, aber historisch auch im Waldeckischen und in Südhessen vor (Vilmar 269; HNassWb 2, 318f.; WaldWb 160; SHessWb 4, 645); bei Alberus Metz.
In FlN bezieht sich Metze auf die Grundstücksgröße, für die eine Metze Saat benötigt wird, woraus vereinzelt wohl sogar ein Feldmaß von 4 ar geworden ist (HNassWb ebd.).
- 2A
Eine Reihe möglicher Vermengungen macht die sichere Identifizierung vieler Satel-Namen problematisch:
1. Vermengung mit nhd. Sattel m. mag vereinzelt vorliegen und könnte nur durch eine Sachprobe entschieden werden. Doch scheint Sattel nur ganz vereinzelt in hessischen FlN vorzukommen (z. B. „Sattelrück“), so daß hier nur wenige, vom Kombinationstyp her klare Fälle auszusondern waren.
2. Vereinzelt könnte Vermengung mit Sodel f. ,Wassergraben, Quelle, Sumpf‘ vorliegen (→ Sod K. 115).
3. Am unsichersten sind die kontrahierten Belege (/sal‚ sol/ u.ä.), weil diese Formen auch auf Sal ‚Herrenland‘ und Sohl ‚Lache u.ä.‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 116) zurückgehen können. Hier wurde aufgrund der amtlichen Form Sattel o. ä. unter Berücksichtigung des Kombinationstyps entschieden.
- 2B
Von Mist-Namen (dial. gesenkt oft /mesd/) ist Meste als GT leicht durch das fem. Genus zu unterscheiden, als BT durch den Kombinationstyp. Fraglich ist nur „Mestgarten“ in 5120a1 Stadtallendorf MBK. In der Hugenottensiedlung 4918b1 Wiesenfeld WFK wird amtliches Meste mündlich durch /
/ wiedergegeben. - 2C
Wo Metze(n) als BT erscheint, liegt offensichtlich sehr oft der PN oder FamN zugrunde. Deshalb blieben diese recht häufigen, aber diffus gestreuten Belege außer Betracht, und es verblieben nur die wenigen mit Metze als Simplex oder GT gebildeten FlN.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 54
Ried n.
- 1
Das Ried, ahd. hriod n. (Graff 4, 1152), eigentlich hriot, riot 1 (DWB 14 [VIII], 913; Weigand/Hirt 2, 586; Kluge/Mitzka 599), mhd. riet st.n. (Lexer 2, 426) ,Schilfrohr, Sumpf-‚ Riedgras, damit bewachsener Grund‘ bezieht sich - ebenso wie das daraus gebildete Kollektivum Redich (< *rietich), ahd. riotahi n. (Graff 4, 1153), mhd. rietahe u. ä. st.n. (Lexer 2, 426) - in FlN auf Sumpf- und Wasserstellen mit verschiedenartigem Sumpfpflanzenbewuchs, von der Binse über das Riedgras bis zum Schilfrohr (SHessWb 4, 1396f.; HNassWb 2, 862f.; Crecelius 694; vgl. Dittmaier 246). Die Waldecker Wörterbücher führen Ried allerdings nicht an. Neben Ried ist auch das Kollektivum Riedich, wenn auch seltener, im Wortgebrauch belegt. „Ried“ ist darüber hinaus die Bezeichnung für die südhessische Ebene zwischen Bergstraße und Rhein.
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Ried, vor allem als BT und in Belegen mit Kurzvokal, kann in Einzelfällen mit umgelauteten Rad-Namen vermengt sein. Auszuscheiden waren die Belege mit fem. Genus. Sie gehören nach ihrem Vorkommensraum (in 5117d5 Eckelshausen MBK, 5118d1 Sterzhausen MBK, 5119a4 Schönbach MBK, 5119b1 Kirchhain MBK, 5124b1 Landershausen HRK, 5218b5 Ebsdorf MBK, 5318d7 Sichertshausen MBK) nicht zu mnd. rîde f. ‚kleiner Bach, Wasserlauf‘ (Schiller/ Lübben 3, 477; DWB l4 [VIII], 918; Dittmaier 247), aber auch kaum zu Reide ‚Stock zum Reinigen der Pflugschar und des Streichbretts‘ (Vilmar 325).
Da das ziemlich seltene Kollektivum Redich fast immer kurzvokalisch ist, ist es lautlich gleich mit Rettich. Dieses Wort scheint aber nicht namengebend zu sein, so daß alle Belege aufgenommen wurden.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 129
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Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Ried-Meste: Ried-Meste (Speckswinkel)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/310790_ried-meste> (aufgerufen am 07.11.2026)
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