Warte-Hügel: WARTHUEGEL
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hügel
Hügel ist eine ostmitteldt. Weiterbildung von ahd. houg, mhd. houc st. N: ‚Hügel, Hauk‘ mit Diminutivsuffix /-el/, die im 16. Jahrhundert durch Luther schriftsprachlich geworden ist.
Warte
Zu ahd. warta ‚Warte; Ausschauen‘, mhd. warte, wart st. F. ‚spähendes Ausschauen; Platz oder Gebäude, von dem aus gespäht, gelauert wird‘. Es handelt sich um eine Substantivbildung zu warten in der älteren Bedeutung ‚ausschauen‘. Die FlN beziehen sich teils auf Warttürme, von denen aus die umliegende Landschaft überblickt werden konnte, teils aber auch allgemein auf höher gelegene Orte, die als Ausschauplatz dienten. Wartbäume gelten daher als Wacht- oder Schlagbäume, doch es ist nicht klar, ob es sich hier ebenfalls um Aussichtspunkte oder eher um Grenzpunkte handelt.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hügel
Hügel ist eine ostmitteldt. Weiterbildung von ahd. houg, mhd. houc st. N. ‚Hügel‘ mit Diminutivsuffix -el, die im 16. Jh. durch Luther schriftsprachlich geworden ist. Obwohl auch in die Mundart eingewandert, konkurriert das Wort in Südhessen mit dem gleichbedeutenden, weiter verbreiteten Hübel und vor allem mit Buckel (s. d.). In FlN tritt Hügel seit der Mitte des 17. Jh.s auf, doch scheinen nicht wenige rezente Namen erst durch amtliche Verschriftung von älterem Hübel (s. d.) entstanden zu sein (vgl. Biebesheim am Rhein, Langen, Walldorf, Wolfskehlen). FlN mit Fugen-s gehen vielleicht auch auf den FamN Hügel zurück (Ober-Kinzig, Rod(BGS)?).
Warte
Zu ahd. warta ‚Warte; Ausschauen‘, mhd. warte, wart st. F. ‚spähendes Ausschauen; Platz oder Gebäude, von dem aus gespäht, gelauert wird‘. Es handelt sich um eine Substantivbildung zu warten in der älteren Bedeutung ‚ausschauen‘. Die FlN beziehen sich teils auf Warttürme, von denen aus die umliegende Landschaft überblickt werden konnte, teils aber auch allgemein auf höher gelegene Orte, die als Ausschauplatz dienten. Wartbäume gelten daher als Wacht- oder Schlagbäume, doch es ist nicht klar, ob es sich hier ebenfalls um Aussichtspunkte oder eher um Grenzpunkte handelte.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Hübel m. / Hügel m.
- 1A
Hübel, mhd. hübel st.m. ‚Hügel‘, md. hubel (Lexer 1, 1372), mnd. hövel m. (Lasch/Borchling 2, 368) gilt als „die alte und jetzt noch ober- und teils mitteldeutsche Form für Hügel“ (DWB 10 [IV], 1849).
Als Wort ist Hübel den hessischen Mundartwörterbüchern in der Bedeutung ‚Hügel, kleine Unebenheit‘ (KehreinWb 203) bekannt (ähnlich Vilmar 179; SHessWb 3, 754; WaldWb 50). Nach einer Fragebogenaktion des HNassWb (es handelt sich hierbei um eine 1920 erfolgte, unveröffentlichte Umfrage, in der unter anderem die Bezeichnung für ‚Hügel‘ in der Feldflur abgefragt wurde) meldeten rund ein Drittel von 104 befragten Orten Hübel.
In FlN bezieht sich Hübel meist auf kleinere Bodenerhebungen (Stroh 18).
- 1B
Hügel steht als Ablaut zu ahd. houg st.n. ,Hügel‘ (Schützeichel 87), mhd. houc st.n. ,Hügel‘ (Lexer 1, 1355) (→K. 72) mit verkleinerndem -el (Kluge/Mitzka 319).
Ursprünglich in Thüringen beheimatet, ist Hügel durch Luther schriftsprachlich geworden (DWB 10 [IV], 1873).
Im südhessischen Gebiet ist Hügel der Mundart als Bezeichnung für eine mäßig große Bodenerhebung bekannt (SHessWb 3, 769). Die übrigen hessischen Mundartwörterbücher nennen Hügel nicht.
- 2A
Die Namen sind leicht zu identifizieren.
Einige Namen haben neben der dial. Form Hübel ein amtliches Hügel. Diese Formen sind auf den Einfluß des schriftsprachlichen Hügel zurückzuführen (Dittmaier 117).
- 2B
Die Namen sind leicht identifizierbar.
In einigen Fällen ist eine Überschneidung mit mhd. hachel, hechel st.f. (Lexer 1, 1137) ‚Gerät zur Reinigung des Flachses‘ möglich.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 73
Warte f.
Die Warte, ahd. warta st.f. (Schützeichel 223), mhd. warte, wart st.f. u.a. ‚Platz oder Gebäude, von dem aus gespäht, gelauert wird‘ (Lexer 3, 696f.) ist Substantivierung zu warten ,aufpassen‘. Heute bezieht sich Warte vorzugsweise auf Warttürme, „entweder einzeln stehend auf einer Höhe oder mit sich anschließenden Burggebäuden ...“ (DWB 27 [XIII], 2116; vgl. Weigand/Hirt 2, 1213). Auch FlN beziehen sich oft auf solche Anlagen (am Wartturm u. ä.), häufiger jedoch allgemein auf einen ,hochgelegenen Ort, als Ausschauplatz dienend, Spähort‘ (Dittmaier 33l). In der allgemeinen Bedeutung entspricht der Name Wacht (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 140).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 141
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Warte-Hügel: WARTHUEGEL (Rüdigheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/306665_warthuegel> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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