Anspann-Driesch: ANSPANDRISCHER
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anspann
Anspann ‚Gespann, Spanndienst, Frohne, Tagwerk‘ ist eine Substantivbildung zum Verb mhd. anspannen sw. V. ‚befestigen, anspannen‘. In mittelhessischen FlN sind die Bedeutungen ‚steiler Weg, wo zur Überwindung der Steigung Zugtiere eingesetzt werden müssen‘ (Lardenbach) ‚Anspann für Zehntfuhren nach Laubach‘ (Gonterskirchen) bezeugt.
Driesch
Driesch ‚erschöpfter Acker, der brach liegen bleibt; Weide‘, mhd. driesch st. M.N. ‚unangebautes Land, ungepflügter Acker‘ ist in OrtsN bereits seit dem 8. Jahrhundert bezeugt. Das ursprünglich niederdt. Wort zählt vermutlich mit den Adjektiven mittelniederländ. und alem. driesch ‚brach‘ zu einer sk-Erweiterung von germ. *preuta- ‚ermüden, erschöpfen‘. Der in Hessen nördlich des Mains sehr häufig belegte FlN gehört in einen nördlichen Sprachzusammenhang. Da aus mhd. /ie/ im Untersuchungsgebiet steigender Diphthong /ei/ wird, finden sich häufiger Formen mit /ei/ (oder gerundet /oi/), die mit Dreis (s.d.) zusammenfallen können. Bei älteren Belegen ist deshalb eine klare Scheidung nur möglich, solange die Diphthongierung noch nicht eingetreten war. - Driesch hat in Cleeberg die Sonderbedeutung ‚einschürige Wiesen und Schafweiden‘ (Jäger).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anspann
Anspann ‚Gespann, Spanndienst, Frohne, Tagwerk‘ ist eine Substantivbildung zum Verb mhd. anspannen sw. V. ‚befestigen, anspannen‘. In FlN sind die Bedeutungen ‚steiler Weg, wo zur Überwindung der Steigung Zugtiere eingesetzt werden müssen‘ (so in Rüsselsheim) und ‚Wiesengrundstück, oft in Bachnähe‘ bezeugt. Der Name kann damit auf Nutzungsrechte der Anspänner genannten fronpflichtigen Bauern bezogen sein, aber auch auf das Zusammenbinden der Vorderläufe des Großviehs deuten, das damit am Fortlaufen gehindert wird. Für das Pfälzische wird auch auf eine Bedeutung ‚freier Platz in einer Flur, der zur Viehweide benutzt wird‘ verwiesen. Die Zugehörigkeit der Anspar-Belege ist nicht sicher.
Driesch
Driesch ‚erschöpfter Acker, der brach liegen bleibt; Weide‘, mhd. driesch st. M. N. ‚unangebautes Land, ungepflügter Acker‘ ist in ON bereits seit dem 8. Jh. bezeugt. Das ursprünglich niederdt. Wort zählt vermutlich mit den Adjektiven mittelniederländ. und alem. driesch ‚brach‘ zu einer sk-Erweiterung von germ. *þreuta- ‚ermüden, erschöpfen‘. Der in Hessen nördlich des Mains sehr häufig belegte FlN gehört in einen nördlichen Sprachzusammenhang und ist daher in Südhessen verhältnismäßig selten. An Varianten begegnen - falls die Belege sicher hierher gehören - Drays (zur Variante mhd. treis), Dreit-sand (aus *Traitz-sand
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Anspann m./n. / Auf-; Ab-; Aus-; Zechspann m./n. f.
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Anspann m. ‚jugum, Gespann, dann auch Spanndienst, Frohne‘ (DWB 1 [I], 464), Substantivierung zum Verb anspannen, ist als Wort in älterer und neuerer Zeit schlecht bezeugt. Der Anspanner oder Anspänner war ein fronpflichtiger ‚Bauer, der Zugvieh hält‘ (DWB 1 [I], 464; 26, 710; vgl. WaldWb 36). Auch die Deutung des FlNs Anspann, historisch seit dem 14./15. Jh. am Mittelrhein (Dittmaier 15) und in Thüringen (Gerbing 150; Genzel 123) belegt, ist unklar und umstritten. Die Deutung von Schnetz 66f., der Anspann als Entstellung aus Espan (< *ê-span) ‚Viehweide‘ erklärt, wird von Dittmaier 15 für das Rheinland zu Recht abgelehnt. Die in den mündlichen Formen der hessischen FlN vorherrschende Form /o(:)ʃban/ u.ä.‚ im Osthessischen mit weitergehender Hebung zu /unsbe(n)/ u. ä., setzt ein altes *an-spann voraus.
Dieses *an-spann kann sich in FlN aber auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: 1. Wo der Name an Steilwegen haftet, bezieht er sich auf die Stelle, an der „zur Überwindung der Steigung Zugtiere vor- oder beigespannt werden mußten bzw. müssen“ (Dittmaier ebd.; DRWb 1, 730). Das betrifft in Hessen manchmal auch Steigungen an Fernwegen. (Ein - hier nicht aufgenommener - Name wie „Spannstation“ in 4724b5 Laudenbach WMK drückt diese Funktion aus.)
2. Da der Name in Thüringen (vgl. die Einzelangaben bei Gerbing) und auch in Hessen öfter auf Wiesengrundstücke, häufig in der Nähe von Bachläufen, bezogen ist, scheidet die Deutung für diese Fälle aus, sofern nicht die Bachüberquerung zusätzliche Bespannung erforderlich machte. Bei solchen Grundstücken dürfte es sich entweder um Nutzungswiesen der Anspänner (so Gerbing) gehandelt haben oder aber tatsächlich um einen Verweis auf das Spannen des Großviehs (i.S. von Schnetz) d.h. das Zusammenbinden der Vorderfüße auf der Weide, um die Fortbewegung zu hindern. Dieser Vorgang könnte mit *an-spann(en) bezeichnet worden sein, ohne daß an Umdeutung zu denken ist.
Die als Ergänzung aufgenommenen FlN Aufspann, Abspann, Ausspann und Zechspann dürften sich in der Regel auf den ersten Sachverhalt, das An- und das spätere Abspannen bei Steigungen beziehen, wobei Zechspann vermutlich zu ziehen gehört. Abspann kann sich aber auch auf das Ausspannen der Zugtiere beziehen (2DWB 1, 976f.).
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Anspann ist mündlich oft stark zersprochen, besonders im unbetonten Endungsteil /onsbe, ansber/ usw.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 143
Driesch n.m.
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Driesch, mhd. driesch st.m.n. ,unangebautes Land, ungepflügter Acker’ (Lexer 1, 462), mnd. drêsch, drîsch (dreys) m. (Lasch/Borchling l, 475), gilt etymologisch als unklar (Weigand/Hirt l, 378; Kluge/Mitzka 143; DWB 2 [2], 1408). Im Gegensatz zu Dittmaier, der Driesch zu germ. *preu(t) ,ermüden, mangeln, untauglich werden’ stellt und ein westgerm. *priutisk als Adj. annimmt (Dittmaier 1960, 726 danach auch ²DWB 6, 1391), führt Förste 63 in Anlehnung an v. Pfister 54f. und DWB 22 [XI‚ I, 2], 486 das Wort auf ein Adj. germ. *preuska ,zerrieben, morsch’ zurück, so daß sich das Wort ursprünglich darauf bezogen habe, brachliegendes Land durch mehrfaches Pflügen mürbe und locker zu machen. „Diese ursprüngliche Bedeutung wird sich jedoch früh auf das noch ungepflügte, grasbewachsene Ruheland ausgeweitet haben“ (ebd. 68). In der alten Feld-Gras- Wirtschaft sind Driesche erschöpfte Äcker, die jahrelang brachliegen, sich mit Gras bewachsen und dann als Weide dienen, bevor sie wieder in Ackerland umgebrochen werden (ebd. 57; Dittmaier 54). In der Bedeutung ‚unbebautes, als Viehweide dienendes Land’ wurde das Wort auch in Hessen verwendet (Vilmar 416; v. Pfister 54; Crecelius 296f.; KehreinNb 185, 372; Knöpp 15; SHessWb 1, 1728), woraus sich allerdings auch eine Reihe von Sonderbedeutungen entwickelt haben, z.B. ,einschürige Wiesen und Schafweiden’ in 5517a4 Cleeberg GIE (Jäger = HFB 13, 51) oder ‚regelmäßig bestelltes Ackerland, welches sich von anderen Äckern allein dadurch unterscheidet, daß es erst vor nicht allzulanger Zeit angerodet bzw. anbaufähig gemacht worden ist’ in 5813c5 Langschied RTK (Köster 82).
Charakteristisch für den überaus häufigen hessischen FlN ist die Fülle an Namenvarianten. Neben den Leitformen /dri:ʃ/ und im Waldeckischen /dre:sk/ (WaldWb 23) sind vor allem die Varianten mit rekonstruierbarem Diphthong /ie/ (/dri:ʃ/, /dreiʃ/‚ /dre:ʃ/ usw.) und mit anzusetzendem Monophthong /i/ (/driʃ/, /dridʃ/) von Interesse. Auf die gebietsweise verbreitete Variante /druʃ/ ist unter sprachhistorischem Aspekt besonders hinzuweisen, weil hier wohl eine alte Nebenform mit Schwundstufe westgerm. *prusk- (zu *priosk-) erhalten ist, die sonst hauptsächlich auf das nördliche Niederdt. beschränkt ist (Förste 61). Als Genus herrscht in den hessischen Belegen neutr. vor, daneben vielfach mask. (vgl. Crecelius 296f.).
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Am problematischsten ist die häufige Form Dreis, Treis (dialektal oft zu /dra:s/ monophthongiert), vielfach als Bachname Treisbach. Soweit es sich um auf Siedlungsnamen bezogene Belege handelt („Treysa“ usw.), blieben sie unberücksichtigt. Im übrigen aber wurden sie aufgenommen, weil es kein formales Kriterium gibt, um zu entscheiden, ob diphthongiertes Driesch (ggf. sekundär monophthongiert) zugrunde liegt oder, wahrscheinlich meist bei den Gewässernamen, im BT eine Bedeutung ‚drehen, sprudeln, wallen’ anzusetzen ist (Dittmaier 53). Dieser Namentyp bedarf einer gesonderten Untersuchung. Unsicher ist /ufem dra:sliŋ/ (5717c2 Köppern HTK) (< Träuschling?).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 32
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„Anspann-Driesch: ANSPANDRISCHER (Rüdigheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/306378_anspandrischer> (aufgerufen am 04.11.2026)
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