Pferch-Seite: PFERCHSEITE [perchsait]

Rezenter Beleg aus Oberwalgern  
Gemeinde
Fronhausen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Pferch-Seite

Belegort

Belegtyp

rezent

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Pferch

Zu ahd. pfarrih, pferrih ‚Gehege, Hürde‘, mhd. pherrich st. M. ‚Einfriedung‘, einer Entlehnung aus mittellat. parricus ‚eingeschlossener Raum, Gehege‘. Dabei handelt es sich meist um Einfriedungen, die an wechselnden Stellen eingerichtet werden, um eine Herde aufzunehmen.

Seite

Der Name geht auf ahd. sîta, mhd. sîte, sît sw. st. F. ‚Seite, Fläche‘ zurück und bezeichnet in FlN Bergseiten oder auch Begrenzendes im Sinne von ‚an der Seite liegend‘.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Pferch

Zu ahd. pfarrih, pferrih ‚Gehege, Hürde‘, mhd. pherrich st. M. ‚Einfriedung‘, einer Entlehnung aus mittellat. parricus ‚eingeschlossener Raum, Gehege‘. Die amtlichen Namenbelege zeigen entgegen den in der Mundart gültigen Varianten Perch, Persch, Pirch gemäß der Standardsprache fast ausschließlich Formen mit verschobenem /pf/. Wegen der vereinzelten Vermengung mit pirschen ist die Zugehörigkeit der Belege aus Gundernhausen unsicher. Meist waren die Pferche Wiesenbereiche, auf denen Kleinvieh, insbesondere Schafe, in einer Umzäunung gehalten wurde.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Pferch m.

1

Pferch, ahd. pharrich, pferrich (Graff 3, 346, 349), mhd. pherrich, md. perich (Lexer 2, 241) ist aus mlat. parricus ‚eingeschlossener Raum, Gehege‘ entlehnt (Kluge/Mitzka 543; Weigand/Hirt 2, 408), „ohne daß sich eine besondere Wortgeographie abzeichnet“ (Müller/Frings 359), und bezeichnet „eine Umhegung, Umzäunung, besonders zur Aufnahme von Vieh im Freien“ (DWB 13 [VII], 1673).

In den Dialekten Hessens ist das Wort in den Formen Perch, Pirch (diese auch bei E. Alberus; vgl. DWB ebd.)‚ gelegentlich auch Perich allgemein verbreitet (SHessWb 1, 792; HNassWb 2, 592f.; WaldWb 80; Crecelius 656). Das Wort bezieht sich heute meist auf Schafpferche, die als bewegliche Einzäunung auf Äckern immer weiter gerückt werden können, sowie auch auf den dadurch zur Düngung anfallenden Mist.

In hessischen Flurnamen muß jedoch von der allgemeinen Bedeutung ,eingezäunter Aufenthaltsplatz für Haustiere‘ (Dittmaier 227) ausgegangen werden, wie die Kombinationstypen Saupferch, Kuhpferch u. a. Zeigen.

2

Die Identifizierung ist in der Regel unproblematisch. In Einzelfällen ist Vermengung mit Pfirsich (/perʃbaum/) und pirschen („Pirschweg“) möglich; diese Belege blieben unberücksichtigt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 39

Seite f.

1

Die Seite, ahd. sîta, sîtta st.sw.f. ‚Seite, Hüfte‘ (Schützeichel 166), mhd. sîte, sît st.sw.f. (Lexer 2, 942), „ursprünglich von der menschlichen Flanke“ (Kluge/Mitzka 700), bezeichnet „in freierem Gebrauche“, doch in Übereinstimmung mit der Etymologie des Wortes, eine ‚abfallende, sich abdachende Fläche‘ (DWB 16 [X, I], 379, 383) und herrscht in dieser Bedeutungskomponente ,Bergseite, Hangseite‘ in der FlN-Gebung vor (vgl. Leite K. 86), wozu teilweise wohl noch die Bedeutung ‚Grenze, an der Seite der Grenze liegend‘ hinzukommt (Dittmaier 287).

Das auch in Hessen allgemein und in verschiedener Bedeutung gebrauchte Wort (HNassWb 3, 571) tritt regional in hessischen FlN außerordentlich häufig auf: ca. 1700 rezente FlN enthalten diesen Namen, wobei allerdings ein erheblicher Teil offensichtlich auf ziemlich junge Katasterbildungen zurückgeht.

2

Keine Identifizierungsschwierigkeiten. Unsicher sind einige /sid/-Belege am westlichen Taunusrand. Die wenigen hessischen Seiters/Sitters-Namen sind nicht aufgenommen, da die Zugehörigkeit zu Seite umstritten ist (E. Christmann 1938, 12-14; Dittmaier 287-289).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 87

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Pferch-Seite: PFERCHSEITE (Oberwalgern)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/301835_pferchseite> (aufgerufen am 07.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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