Farren-Stück: geforch am Farnstucke
Beleg
Standard-Flurname
Farren-Stück
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1419
Quelle
Demandt, Karl E.: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060-1486. Bd. 1-4. Wiesbaden 1953/1954/1956/1957.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Stück
Im FlN Stück, ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ schwingt meist die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Im Unterschied zu Südhessen, wo zahlreiche Vermengungen mit Stock (s. d.) und Stecken (s. d.) die Identifizierung erschweren, sind die mittelhessischen Vorkommen eindeutig.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Farren
Meist zu ahd. far, farro, mhd. var, varre st. M. ‚Zuchtstier‘. Die Leitform in Südhessen ist Farren, in Langen-Brombach, Messel, Rimbach, Seligenstadt, Ueberau, Unter-Flockenbach, Wald-Michelbach hat sich das ältere starke Maskulinum far erhalten. Die Namen beziehen sich entweder auf den Ort bzw. die Weide, wo der Stier gehalten wurde, oder auf Grundstücke, deren Ertrag dem Stierhalter zugute kam. Vereinzelt kann allerdings auch nhd. Farn, so vielleicht in Eberstadt, häufiger auch Fahr, mhd. var st. N. ‚Platz, wo man überfährt; Fähre‘ zu Grunde liegen.
Stück
In Stück haben sich offensichtlich drei verschiedene Namen vermengt: Stück N., ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ einerseits und Stock (s. d.) und Steck(en) (s. d.) andererseits. -stück als GT bezieht sich meist auf Grundstücke, die durch den BT spezifiziert werden; es schwingt hier, wie bei anderen Stück-Namen, auch die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Verschiedentlich begegnet in den FlN das Diminutiv Stückel. - Andere Stück-Namen sind hyperkorrekt aus den beiden anderen Namen entstanden, die ihrerseits zahlreiche Übergänge und Vermischungen aufweisen. Hierhin gehören wohl vor allem die Belege mit schwacher Flexion (Stücken) sowie diejenigen, deren Endung als Kollektivierungsanzeiger verstanden werden kann (Bieber, Dieburg, Froschhausen, Klein-Krotzenburg). Umgekehrt können über Senkung und Entrundung auch in diesen Lemmata einzelne Stück-Namen aufgegangen sein.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Farren m. / Brüll-; Brummel-; Fasel-; Reitochse m. / Bulle m. / Stier m.
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Die zahlreichen Bezeichnungen für den Zuchtstier beziehen sich entweder auf den Ort oder die Weide, wo der Stier gehalten wurde, oder auf Grundstücke, deren Ertrag dem Stierhalter zugute kam.
Am häufigsten ist der Farr(en) belegt, ahd. far, st.m. farro sw.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 567,630), mhd. var st.m., varre sw.m. (Lexer 3, 20, 24). Während das Wort im Ahd. nur selten schwach flektiert wird, ist dies im Nhd. die Regel (Weigand/Hirt 1, 501; Kluge/Mitzka 185; DWB 3 [III], 1333). Im Hessischen ist Farr(en) südlich des Mains noch als Wort gebräuchlich, wird auch von E. Alberus (ein farr / steigfarr) genannt (SHessWb 1, 356f.). KehreinWb 133 verzeichnet als rhein. Faremschwanz ,Ochsenziemer‘, stellt aber keine FlN zu Farren (Nb 383).
Mehrfach wird die allgemeine Bezeichnung Ochse spezifiziert, um das Faseltier zu bezeichnen:
Brüllochse (zu brüllen) ist oder war anscheinend als Wort in ganz Hessen verbreitet (SHessWb 1, 1169; WaldWb 16; KehreinWb 98; Crecelius 214). Vilmar 289 nennt es „die üblichste Bezeichnung des Zuchtochsen“; v. Pfister 37 ergänzt, daß es „zumal auch kindlichem Munde“ angehöre. Jedoch nur Crecelius 214 erwähnt auch die Substantivierung der Brüller, die in hessischen FlN häufiger vorkommt.
Brummelochse (zu brummen) war wohl ein weniger gebräuchliches Synonym, besonders in Süd- und Mittelhessen (SHessWb 1, 1172; KehreinWb 98; Crecelius 214; Vilmar 289), wird aber von v. Pfister 37 als „eine weit im Lande verbreitete Benennung“ angeführt.
„Hier und da“ (KehreinWb 327), „nicht viel gebräuchlich“ (Crecelius 690), hauptsächlich anscheinend im Westhessischen (HNassWb 2, 838), ist die Bezeichnung Reitochse (mhd. rît-ohse sw.m.; Lexer 2, 467) verbreitet (DWB l4 [VIII], 789).
Vereinzelt schließlich kommt in hessischen FlN der Faselochse vor, zu ahd. fasal st.m.n. ‚Same, Frucht; Nachkomme‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 640f.), mhd. vasel st.m. ‚der Fortpflanzung dienendes männliches Vieh, Zuchtstier ...‘ (Lexer 3, 28), bei Alberus Fasel ‚semen‘ (Crecelius 365). Fasel bezieht sich auch auf weibliche Zuchttiere und Jungtiere (Faselschwein, Fasellamm; WaldWb 28; vgl. Weigand/Hirt l, 502; Kluge/ Mitzka 185; DWB 3 [III], 1337). Im Hessischen war Fasel, zumindest in bezug auf den Zuchtstier, anscheinend nicht sonderlich verbreitet (vgl. v. Pfister 311) und überlagert in Südhessen erst in jüngerer Zeit die alten Synonyme (SHessWb 2, 360). In FlN tritt die Bezeichnung selten auf; deshalb wurden neben Faselochse die wenigen weiteren mit Fasel- gebildeten Namen aufgenommen.
Die Bezeichnung der Bulle stammt aus dem Niederdt.‚ mnd. bulle (Schiller/Lübben 1, 449). Sie wird von J. Grimm (DWB 2 [II], 514) mit bellen in der Bedeutung ,brüllen‘ in Verbindung gebracht, während Weigand/Hirt 1, 306 und Kluge/Mitzka 110 etymologische Urverwandtschaft mit griech. phallos ,Glied‘ annehmen (mit Verweis auf hess. bille, biller ‚Penis‘; Vilmar 37). Im Mitteldt. ist Bulle erst in der Neuzeit belegt, im Hessischen zuerst 1613 (SHessWb 1, 1213). Als Wort wird Bulle außerdem bei KehreinWb 100 als Bullochs und im WaldWb 17 aufgeführt.
Der Stier, ahd. stior m. (Graff 6, 702), mhd. stier st.m. (Lexer 2, 1190) ist ein gemeingerm. Wort (Kluge/Mitzka 749; Weigand/Hirt 2, 971) für das männliche Rind, in der speziellen Bedeutung ,Zuchtstier‘ dialektal aber wohl nur im Alemannischen üblich, sonst „durch andere Wörter, z. B. bulle und farre, stark beschränkt“ (DWB 18 [X,II,2]‚ 2845, 2847). Als Wort ist Stier in Hessen ‚nur spärlich bezeugt‘ (HNassWb 3, 786) und wird von den älteren Wörterbüchern nicht erwähnt.
Wieweit einzelne Ochsen-FIN sich auf den Zuchtstier beziehen, läßt sich nicht feststellen. Ochsen-FlN sind gleichmäßig und dicht über ganz Hessen verbreitet. Eine kartographische Darstellung erübrigt sich, da auch die Verteilung der Hauptvarianten /ogse/ und /o(:)se/ nicht erkennbar von der dialektalen Verbreitung abweicht.
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1. Bei den Farren-Namen ist Vermengung mit nhd. Farn nicht auszuschließen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 44
Stück n.
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Stück, ahd. stuki, stu(c)che st.n. ‚Stück, Teil‘ (Schützeichel 186) mhd. stücke, stück; stucke, stuck (Lexer 2, 1259) ist „seit dem 13. Jh. im Sinne von Acker, Feld, Grundstück, zuerst besonders in Flurbeschreibungen bezeugt“ (DWB 20 [X,IV], 212). In dieser Bedeutung ist Stück auch für das Hessische (HNassWb 3, 872) belegt. Als FlN bezieht sich Stück darauf oder auf ein „Teilstück eines Ganzen, also auch von Wald und Wiese“ (Dittmaier 307).
Da ca. 3500 rezente FlN mit Stück gebildet sind, mußte eine Auswahl getroffen werden, damit ein aussagefähiges Bild zustandekommt. Ausgewählt wurden solche Namentypen, in denen sich das Merkmal des Feldteils, des größeren Flurstücks besonders deutlich widerspiegelt: Neben dem Simplex Stück die Typen, die auf ein verhältnismäßig großes Stück hindeuten (großes, langes, breites Stück), sowie diejenigen, die im BT auf Besitzstücke geistlicher oder weltlicher Herren hinweisen. Damit wird auch der agrargenetische Gesichtspunkt berücksichtigt, daß viele Stück-Fluren besonders groß sind und anscheinend oft erst verhältnismäßig spät in die Vergewannung einbezogen wurden, also nicht nur „kleinere Teile des Restlandes“ darstellen (Flechsig 1959a, 44). Darauf deuten auch die aufgenommenen Kombinationstypen mit Stück als BT (Stück(s)acker‚ Stück( s)feld) hin.
Diese Namentypen dürften zudem die älteren Schichten der Stück-Namen repräsentieren, denen die zahlreichen, oft wohl jungen Wiesen-‚ Kraut-‚ Erlenstücke usw. gegenüber stehen.
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1. Etwas fraglich ist die Zugehörigkeit der wenigen stuck-Namen, doch scheint es sich um Reste nichtumgelauteter Formen zu handeln.
2. Abweichend vom sonstigen Verfahren wurde bei Stück auf die Kennzeichnung vom Mehrfachvorkommen am Ort verzichtet, weil es auf die speziellen Namentypen ankam.
3. Baumstück (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 12) ist nicht aufgenommen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 48
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Farren-Stück: geforch am Farnstucke (Wallerstädten)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/300058_geforch-am-farnstucke> (aufgerufen am 03.11.2026)
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