Bleuel-Acker: Plaul Acker
Beleg
Standard-Flurname
Bleuel-Acker
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1752
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, E 14, A, Nr. 309/14.
Weitere Belege
- 1733: den blauel Acker genant
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 100/2., fol. 17'
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker im Untersuchungsraum über zweitausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (z.B. Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (z.B. Steinacker), nach der Größe und Form des Geländes (z.B. Langacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (z.B. Mühlacker) usw. In den frühen Belegen ist die Grenze zwischen Appellativ und Name manchmal noch fließend. Selten taucht Acker als BT oder Simplex auf.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker in Südhessen über sechstausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (Wigantsacker, Schultheisenacker, Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (Steinacker, Rübenacker), nach der Größe und Form des Geländes (Langacker, Krummacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (Ackher beym drey dorn) usw. Die ältesten historischen Belege reichen bis ins 12. Jh. zurück (ad Langenacker, ad Obernacker CodLaur, Nr. 38 14), doch ist die Grenze zwischen Appellativ und Name in manchen frühen Belegen noch fließend (Raunheim 14. Jh. an der Herren Ackir). Relativ selten taucht Acker als BT, noch seltener als Simplex oder Diminutiv auf. Crumstadt weist die Kombination Acker + Furche auf; der GT in Groß-Bieberau/Ueberau (zusammengehörig) geht auf zersprochenes Rain (s. d.) zurück, da Au immer fem. ist.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Blauel m. / Schwingstock m.
- 1A
Der Blauel, standardsprachlich der Bleuel, ist ahd. als bliuuuil, st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1221f.), mhd. als bliuwel st.m. blûel u. ä. (Lexer 1, 310) belegt und bezeichnet ein Holz zum Klopfen, mit dem man blaut oder bleut (Kluge/Mitzka 84; Weigand/Hirt 1, 252f.; DWB 2 [II], 111; DWB 13 [VII], 1934). Vilmar 42 beschreibt die hauptsächlichen hessischen Blauel: „Der Flachs wird … im Freien mit dem Flachsblauel geblaut; der Flachsblauel ist ein dickes mit einem gekrümmten Stiel versehenes Bret, auf dessen unterer Fläche tiefe Kerben in die Quere gezogen sind. Wäsche und Garn werden mit dem Wasch- (Garn-) Blauel geblaut; dies ist ein länglich viereckiges unten ganz glatt gehobeltes schweres Bret mit Griff.“ (Ähnlich Crecelius 175f.; KehreinWb 82). Das heute in Hessen untergegangene, im 19. Jh. veraltende Wort (DWB 27 [XIII], 2215) bezeichnet als Formname in FlN entsprechend ein „kleines Stückchen Feld oder Wiese von nahezu quadratischer Form“ oder einen „(großen) breiten, fast quadratischen Acker“ (SHessWb 1, 939; vgl. Dittmaier 34).
Vilmar ebd. hebt hervor: „Der Waschblauel ist nicht überall, vorzugsweise nur in Niederhessen, gebräuchlich.“
Das Nebeneinander von vorherrschendem Blauel und seltenerem Bleuel, entrundet Bleiel‚ in den FlN erklärt sich daraus, daß der Diphthong des ahd. bliuwel im Mitteldt. vor /v/ weithin nicht zu /ü:/, sondern zu /u:/ monophthongiert wurde und dann im Nhd. zu /au/ diphthongierte (Paul/Moser/Schröbler § 46 A.1‚ § 116.2.8.). Auch E. Alberus hat ein blawel‚ wesch blawel (vgl. Kammer 36, 51). Im Einzelfall (4825a6 Mäckelsdorf WMK) ist /v/ bis heute in FlN erhalten; vereinzelt erfolgte Kürzung und Senkung zu /o/, wenn /v/ durch ein intervokalisches /h,x/ ersetzt wurde: blohe (4823d3 Körle SEK), blochel (4722a2 Großenritte KSK).
- 1B
Der Schwingstock ist „ein hohes, aufrecht stehendes Brett mit einem Ausschnitte, worein der Flachs beim Schwingen gelegt wird“ (DWB 15 [IX], 2710); zu mhd. swinge f. ,Schwinge‘ (Lexer 2, 1377). Im Schwingstock wurden die letzten Stengelteile des Flachses entfernt. Die Bezeichnung Schwingstock (neben synonymen Schwingstuhl, Schwingbock, Schwingeisen) war vor allem in Hessen, Thüringen und im Rheinischen verbreitet (Crecelius 777; HNassWb 3, 541 und Abb. 20; WaldWb 102; Hertel 225; RheinWb 7, 2078), aber auch im Schwäbischen (SchwäbWb 5, 1292) bekannt.
- 2A
Problematisch sind nur die Namen mit Blauels-‚ Bleiels- als BT, (in 5324b2 Rimmels FUL, 5423c1 Neuenburg FUL, 5423c6 Horas FUL, 5424d4 Lehnerz FUL, 5616d3 Heinzenberg HTK, 5616d4 Winden HTK), weil diese auch auf den FamN Blaul, Bleil o. ä. zurückgehen können. In einzelnen Fällen kann Vermengung mit blau erfolgt sein.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 59
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bleuel-Acker: Plaul Acker (Wallerstädten)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/300017_plaul-acker> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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