Bieber-Sohl: IM BIEBERSSOHL
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bieber
GewN und OrtsN. Der Bach, rechts > Lahn, hat seinen Namen ebenso wie der danach benannte Ort Bieber nach dem Vorkommen des Bibers (s.d.). Der älteste Beleg aus dem Codex Eberhardi bezieht sich auf den Ort, zeigt aber noch den GT <aha> für Ach ‚Wasser, Fluss‘ (s.d.), der sonst nur noch in dem Beleg von 1361 für den Bach (<a>) erkennbar ist. Der Name bedeutet also ursprünglich ‚Biberfluss‘, der OrtsN das gleiche. Die FlN beziehen sich alle auf das Gewässer.
Sohl
Hauptsächlich zu Grunde liegt den Namen ahd. sol N. ‚sumpfige Stelle, Suhle, Lache‘, mhd. sol, söl st. N. M. ‚Kotlache, worin sich das Wild zu wälzen pflegt‘; dazu mhd. sul, sol st. F. ‚Salzwasser, -brühe‘. In diesen Fällen beziehen sich die Namen auf sumpfige Stellen. Bei manchen Vorkommen kann jedoch auch Sal, Sel ‚Salweide‘ (s. d.) zu Grunde liegen. Die Entwicklung in Lehnheim zeigt, dass auch Sadel (s. d.) die Grundlage für heutiges Sohl sein kann.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bieber
Meist zu ahd. bibar, mhd. biber st. M. ‚Biber‘. Die Belege erinnern an die einst weite Verbreitung des Nagetiers. Die Bieberwoog-Belege in Frankenhausen, Nieder-Beerbach, Neutsch und Ober-Beerbach beziehen sich auf den Namen des Staatsforstes Bieberwoog bei Nieder- und Oberbeerbach. Die Belege aus Bürgel und Mühlheim am Main beziehen sich auf den GewN Bieber, links zur Rodau, links zum Main: *biber-ach ‚Biberbach‘. Vereinzelt, etwa in Schlierbach, kann allerdings der FamN Bieber vorliegen.
Sohl
In den FlN haben sich Wörter unterschiedlicher Herkunft, aber mit ähnlicher Bedeutung so niedergeschlagen, dass eine klare Trennung nicht möglich ist: Hauptsächlich zu Grunde liegt den Namen ahd. sol N. ‚sumpfige Stelle, Suhle, Lache‘, mhd. sol, söl st. N. M. ‚Kotlache, worin sich das Wild zu wälzen pflegt‘; dazu mhd. sul, sol st. F. ‚Salzwasser, -brühe‘. In diesen Fällen beziehen sich die Namen auf sumpfige Stellen. Bei den umgelauteten Formen (Dietzenbach/Götzenhain, Hammelbach, Kleestadt) kann jedoch auch Sal, Seligenstadt ‚Salweide‘ (s. d.) zu Grunde liegen. Der Beleg aus Hirschhorn zeigt Kollektivierung.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Sohl n. m. (f.) / Suhle f.
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Hierunter sind zwei Namen mit gleichem Sachbezug, aber unterschiedlicher Etymologie abgebildet, die wegen ihrer lautlichen Ähnlichkeit im Gesamtbestand nicht sauber voneinander getrennt werden können.
Sohl, in allen Genera vertreten, doch vorwiegend mask. und neutr., ist bereits ahd. belegt: sol st.n. ,sumpfige Stelle, Suhle, Lache‘ (Schützeichel 177), mhd. sol, söl st.n.m. ,Kotlache, worin sich das Wild zu wälzen pflegt‘ (Lexer 2, 1051); in Namen faktisch nicht zu trennen von Sole, mhd. sul, sol st.f. (Lexer 2, 1292; vgl. Weigand/Hirt 2, 884; Kluge/Mitzka 714) ‚Salzwasser, -brühe‘, das aber in hessischen FlN kaum vorzukommen scheint.
Die Suhle, auch „Sühle f., auch suhl m.f.n. ,Kotlache, sumpfige Stelle im Walde, in der sich das Wild, besonders das Wildschwein, zur Kühlung wälzt‘ zum Verb suhlen, sühlen ist erst im Nhd. bezeugt“ (DWB 20 [X, VI], 1007; vgl. Weigand/Hirt 2, 1007; Kluge/Mitzka 763). In FlN bezieht sich der Name auf solche Bodenstellen, aber auch auf stehende Gewässer ohne Abfluß (Dittmaier 308; Leithaeuser 151).
Für Hessen weist Vilmar 387 eigens darauf hin, daß Sol „jetzt nur noch als Eigenname bruchiger, sumpfiger Waldorte vorhanden, aber sehr häufig“ sei und daß im Wortgebrauch die Suhle üblich sei, nur selten das Suhl (vgl. Crecelius 789). KehreinWb 400 erwähnt nur Sulch m. ,Morast‘ (vgl. KehreinNb 555; v. Pfister 293). Heute scheint Sohl im Sprachgebrauch nicht mehr vorzukommen. In den dialektalen Formen der Namen ist die Vokaldehnung oft unterblieben, so daß /so:l/, /sol/, /su:l/, /sul/ als Hauptvarianten nebeneinander bestehen, im Diminutiv und Plural umgelautet.
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Die Eingrenzung der Namenmenge weist Unsicherheitsfaktoren auf:
1. Problematisch ist insbesondere die Ausgrenzung der Sale(n)-Namen und deren umgelauteter Varianten, die vorwiegend zu mhd. salhe ‚Salweide, salix‘ (Lexer 2, 583), vereinzelt wohl auch zu Sal ,Herr-‘ zu stellen sind (anders Arnold 521), manchmal aber auf Sohl zurückgehen könnten. Namen mit /a/ und /e, ä/ blieben deshalb unberücksichtigt.
2. Schwierig ist die Abgrenzung gegen Alen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 58), wenn der Name als GT auftritt, der BT ein genitivisches /s/ enthält und die Dialektform nicht vereindeutigt. In diesen Fällen mußte aufgrund des Kombinationstyps nach Wahrscheinlichkeit entschieden werden.
3. Im Einzelfall sind Vermengungen mit kontrahierten Formen anderer Namen (z. B. Sadel (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 54)) nicht auszuschließen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 116
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bieber-Sohl: IM BIEBERSSOHL (Kernbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/286823_im-bieberssohl> (aufgerufen am 03.11.2026)
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