Kraut-Löser: DIE KRAUTLOESSER
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Kraut
Zu ahd. krût ‚Kraut, Gras, Pflanze‘, mhd. krût st.N. ‚Kraut, Kohl‘. In den FlN kommt dabei insbesondere die Bedeutung ‚Kohlkraut, Weißkraut‘ in Betracht. In den Krautäckern und -gärten wurde das Gemüse gezogen, das keiner intensiven Pflege bedurfte. Die Gärten konnten daher auch etwas weiter von der Siedlung entfernt angelegt werden. Als Krautwiesen wurden bestimmte zu einem Hof gehörige Wiesen benannt, die über den Sommer hinweg kleinere Mengen Frischfutter liefern.
Löser
Der Name bezieht sich durch Los verteilte Grundstücke: Plural von Los (s.d.).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Kraut
Zu ahd. krût ‚Kraut, Gras, Pflanze‘, mhd. krût st. N. ‚Kraut, Kohl‘. In den FlN kommt dabei insbesondere die Bedeutung ‚Kohlkraut, Weißkraut‘ in Betracht. In den Krautäckern und -gärten wurde das Obst und Gemüse gezogen, das keiner intensiven Pflege bedurfte. Die Gärten konnten daher auch etwas weiter von der Siedlung entfernt angelegt werden. Als Krautwiesen wurden auch bestimmte zu einem Hof gehörige Wiesen benannt, die über den Sommer hinweg kleinere Mengen Frischfutter liefern. Ob diese Bedeutung auch in Südhessen vorliegt, ist aber unklar.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Kraut n.
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Von den vielfältigen Bedeutungen von nhd. Kraut, ahd. c(h)rût‚ chruit, chruot st.n. ‚Kraut, Gras, Pflanze‘ (Schützeichel 101), mhd. krût st.n. (Lexer 1, 1758) mit unklarer Etymologie (Weigand/Hirt l, 1142; Kluge/Mitzka 402) kommt für die FlN-Gebung insbesondere die Bedeutung ,Kohlkraut‘, ,Weißkraut‘ (DWB 11 [V], 2106) in Betracht. In dieser Bedeutung ist das Wort auch in ganz Hessen verbreitet (SHessWb 3, 1788ff.; WaldWb 62), wobei Vilmar 224 anmerkt, daß Kraut in Nordhessen üblicher sei als in Oberhessen, wo man eher Kohl als Bezeichnung verwende. KehreinWb 245 verweist nur auf ‚Feld- und Küchenkräuter‘.
Die meisten hessischen Kraut-FlN beziehen sich auf den ,(Weiß)-kraut‘-Anbau und sind insoweit synonym mit Kappes (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 24). Wieweit Kraut darüber hinaus mit Kohl konkurriert, kann nur abgeschätzt werden, da die rezenten Kohl-FlN die Herleitung von ‚Kraut‘ und ,Kohle(n)‘ so vermengen, daß keine formalen Trennungskriterien möglich sind.
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Um die Bedeutung ,(Weiß)-kraut‘-Anbau auszusondern, blieben alle Namen unberücksichtigt, in denen ein bestimmtes Kraut namengebend war (häufig Bärenkraut). Unsicher ist nur die Zugehörigkeit der Krautwiesen. Denn diese bezeichnen nach Dittmaier 166 eine zum Hof gehörige Wiese, die den Sommer über kleinere Mengen Frischfutter liefert. Da diese Bedeutung einerseits in Hessen nicht belegt ist (HNassWb mündl.)‚ andererseits eine ganze Reihe Kappeswiesen (übrigens auch Kohlwiesen) zu vergleichen sind, so daß der Kombinationstyp wohl auf eine Nutzungsänderung hinweist, wurden die Krautwiesen hier aufgenommen. Die Belegorte sind: 5124b4 Konrode HRK, 5223b1 Großenmoor FUL, 53l9b2 Stangenrod GIE, 5322b1 Landenhausen VBK (vgl. Hilbig 79), 5323b2 Lüdermünd FUL, 5324b3 Silges FUL, 5324c3 Molzbach FUL, 5324d5 Hünhan FUL, 5422a3 Heisters VBK, 5422a5 Steinfurt VBK, 5423c4 Malkes FUL, 5423d2 Bimbach FUL, 5424a6 Kohlhaus FUL, 5424c8 Traisbach FUL, 5424d2 Petersberg FUL, 5424d4 Lehnerts FUL, 5425c8 Neuschwambach FUL, 5522c3 Reichlos VBK, 5522c7 Jossa FUL, 5621d2 Wenings WET, 5623a2 Hohenzell MKK, 5623c1 Gundhelm MKK, 5715c1 Esch RTK, 5817a5 Sulzbach (Taunus) MTK, 6218b2 Winterkasten BGS, 6218b4 Laudenau ODW. Der Schwerpunkt des Krautwiesen-Vorkommens liegt im Raum Fulda.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 25
Los n.
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Los in FlN bezieht sich in aller Regel auf ein Stück ehemaligen Gemeinlandes, das aufgeteilt und durch Los an die berechtigten Dorfgenossen ausgegeben wurde (Dittmaier 190), teils auf Dauer, teils auf Pacht (Stroh 37f.), manchmal auch auf den ‚dem Ortsbürger zufallende(n) Anteil Brennholz aus dem Gemeindewald‘ (SHessWb 4, 383) oder einen bei der Erbteilung durch Los gewonnenen Anteil (HNassWb 2, 166).
In den Los-Namen haben sich zwei etymologisch verwandte Varianten vermengt: l. ahd. lôz st.m.n. ‚Los, Schicksal; Spruch; Anteil; Stand‘ (Schützeichel 118), mhd. lôʒ (Lexer 1, 1973), das - im Hinblick auf die Namenentwicklung - stärker den Prozeß des Zuteilens betont; 2. ahd. hluz m. ‚Los, durch Los zugefallenes Grundstück‘ (Graff 4, 1124), mhd. luʒ st.m. (Lexer 1, 1999), das sich auf das Ergebnis der Zuteilung, das Landstück, bezieht (vgl. DWB 12 [VI], 1153-1155; Weigand/ Hirt 2, 83; Vollmann 70; Zink 138).
In den älteren hessischen Wörterbüchern wird Los nicht erwähnt, ist jedoch noch heute gebräuchlich (SHessWb, HNassWb ebd.).
Die beiden sprachhistorischen Formen haben sich durch die Senkung von mhd. /u/ > /o/ sowie durch die Hebung von mhd. /o:/ > /u:/, verbunden mit dem osthessischen Quantitätengesetz und mit hochsprachlichen Einflüssen, in den FlN so vermischt, daß eine Trennung von den heutigen Belegen her nicht mehr möglich ist. Nur die in Südhessen vorkommende Form /lise/ Lüssen (=Pl.) weist eindeutig auf mhd. luʒ, die die ältere Form zu sein scheint und die erst später durch /lo:s/ überlagert wurde (vgl. Ramge 1967, 201).
Sachentsprechend tritt Los in hessischen FlN, wenn nicht BT, meist im Plural auf.
Den gleichen Sachverhalt bezeichnet Teil, ein jüngerer Name, der gleichmäßig über ganz Hessen verteilt in FlN erscheint, nur in Südhessen selten ist, dort aber häufiger in der Form Teilung belegt ist.
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1. Der in Nordhessen mehrfach belegte FlN Liese ist nicht berücksichtigt, da er, bei unklarer Bedeutung, ersichtlich nicht mit Los/Lüssen in Verbindung zu bringen ist.
2. Auszuschließen sind ferner die -los-Namen, die auf den in Mittelund Osthessen verbreiteten SN-Typus zurückgehen, sowie die FlN, die mit den GewN der „Losse“ (re. der Fulda östl. Kassel) und der „Lusse“ (Zufluß zur Bieber bei 5425d6 Hofbieber FUL) zusammenhängen.
3. Umdeutungen und Zersprechungen scheinen nicht vorzuliegen, höchstens in der Büdinger „Luxweide“ (Stroh 37; Corvinus = HFB 22, 86).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 4
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
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„Kraut-Löser: DIE KRAUTLOESSER (Ginseldorf)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/278330_die-krautloesser> (aufgerufen am 03.11.2026)
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