Bitze-Bett: Bitze-Bett
Weitere Belege
- das bitzenbett
Staatsarchiv Marburg Bestand Kat. I Nr. Brungershausen B 3
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bett
Zu ahd. betti ‚Lager, Bett; Beet‘, mhd. bette, bet st.N. auch ‚Feld-, Gartenbeet‘. Nhd. Bett und Beet gehen daher auf das gleiche Wort zurück und wurden erst in frühnhd. Zeit geschieden. In Bezug auf die Bedeutung ‚Acker-, Gartenbeet‘ tritt in den FlN ausschließlich Bett auf, und zwar -abweichend vom üblichen Gebrauch - mit femininem Genus. Als Plural erscheint gelegentlich /-er/.
Bitze
Zu ahd. bizûna st.w. F. ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st. F. ‚Baumgarten‘. Daneben steht die seltenere Variante Betzen M. (N.?), die ahd. bizûni, mhd. bizûne, bîzune st. N. fortsetzt. Vergleichbar den Beunden beziehen sich Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes und Sonderrecht unterliegendes Sonderland. Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein. Unsicher sind nur wenige Belege, die mit Pfütze (s.d.) vermischt oder umgedeutet worden sind.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bett
Zu ahd. betti ‚Lager, Bett; Beet‘, mhd. bette, bet st. N. auch ‚Feld-, Gartenbeet‘. Nhd. Bett und Beet gehen daher auf das gleiche Wort zurück und wurden erst in fnhd. Zeit geschieden. Beide Formen beziehen sich gleichermaßen auf die Bedeutung ‚Acker-, Gartenbeet‘. Sie beziehen sich auf die Nutzung, manchmal auf die Form, so gelegentlich auch für Terrassen, Weinberge und stufenförmige Felder. Die Beet-Variante, die in Südhessen selten ist, ist nicht immer sicher von mhd. bete st. F. ‚Abgabe‘ (s. Bede) zu trennen. Betz Wißen und Betzäcker aus Offenbach am Main sind in Anlehnung an den Namen des Pächters von a. 1481 aus Betten umgedeutet worden
Bitze
Zu ahd. bizûna st. sw. F. ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st. F. ‚Baumgarten‘. Daneben steht die in Südhessen nur noch resthaft bezeugte Variante Betzen M. (N.?), die ahd. bizûni, mhd. bizûne, bîziune st. N. fortsetzt. Vergleichbar den Beunden beziehen sich Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes und Sonderrecht unterliegendes Sonderland. Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein. Unsicher sind nur wenige Belege, die mit Pfütze vermischt oder umgedeutet worden sind.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Bett n.f. / Beet n.f.
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Der in Hessen häufige FlN geht mit seinen beiden Hauptvarianten auf ahd. betti u. ä. st.n. ‚Lager, Bett‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 935ff.), auch ,Beet‘, mhd. bette, bet(t) st.n.‚ auch ,Feld-‚ Gartenbeet‘ (Lexer 1, 242) zurück. Die Wörter Beet und Bett haben also die gleiche Ausgangsform und wurden erst frühnhd. geschieden, wobei Beet wohl aus dem apokopierten mhd. bet entstanden ist (Weigand/Hirt 1, 176f.). „Die schriftsprachliche Scheidung von Beet und Bett scheint aus Mitteldeutschland zu stammen.“ (Kluge/Mitzka 59; vgl. DWB 1 [I], 1245). Daraus ergibt sich die Frage, ob die heutige Verteilung von Bett und Beet in hessischen FlN etwas zur Erhellung dieses (verhältnismäßig unklaren) sprachgeschichtlichen Befunds beitragen kann.
Als Wörter sind Beet und Bett in Hessen mit dem standardsprachlichen Bedeutungsunterschied natürlich allgemein gebräuchlich (SHessWb 1, 646, 738ff.). Als Maßeinheit von ¼ Juchart (DRWb 1, 1364) ist Bett/ Beet in Hessen nicht belegt.
In FlN beziehen sich Beet und Bett gleichermaßen auf ,Acker-, Gartenbeet‘ (Crecelius 154), nach H. Jäger 32f. auch auf Einheiten der Hochäcker. Von der Mitte nach Norden fortschreitend, tritt eine in den Wörterbüchern nicht belegte fem. Genusvariante die bette häufiger auf (ein historischer Beleg dafür E. 14. Jh.: Dittmaier 27). Es gibt jedoch keine sprachlichen und sachlichen Anhaltspunkte, daß diese fem. Form zu dem im nordöstlichen Niedersachsen vorkommenden die Beete ‚sumpfige Weide‘ gehört (Scheuermann 27; Hessmann 193f.).
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1. Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber Bett ,Bett‘ ergeben sich nicht, da Bett in dieser Bedeutung charakteristische Kombinationstypen (Bettzieche u. ä.) aufweist. Nicht berücksichtigt wurden Bett-FlN in der Bedeutung ,Bach-‚ Flußbett‘ (z. B. „Ohmbett“ 5118b4 Ginseldorf MBK), auch nicht die unsicheren Wasserbett, Flutbett.
2. Bei der Beet-Variante kann mhd. bëte ,Abgabe‘ (Lexer 1, 235) insbesondere bei Vorkommen im BT vorliegen. Sichere sprachliche Abgrenzungskriterien gibt es nicht; die Zahl der Zweifelsfälle ist aber gering und betrifft hauptsächlich die wenigen südhessischen Beet-Belege. Batten-(BD)-Namen wurden nicht aufgenommen, da nur ein Belegort (5426d2 Hilders FUL) im osthessischen Gebiet der Senkung /e/ > /a/ liegt.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 49
Bitze f.
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Der FlN Bitze geht auf ahd. bizûna st.sw.? f. ,Beizaun, eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st.f. ‚Baumgarten‘ zurück; gleichbedeutendes Betzen m. (n.?) auf ahd. bizûni st.n., mhd. bi-ziune, bi-zûne st.n. (Karg-Gasterstädt/Frings l, 1163f.; Lexer 1, 288, 293). Als Wort bezogen sich also Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes, damit gehegtes und Sonderrechten unterliegendes Sonderland, vergleichbar den Beunden (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15). Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein, da sich im Hessischen als Hauptbedeutung von Bitze ,Baumgarten‘ entwickelte (Vilmar 38f.; Crecelius 168; DWB 2 [II], 58); so auch im Rheinland, wo jedoch das Bedeutungsspektrum von ,Grasgarten, fette Wiese unterhalb des Dorfes‘ über ‚(gutes) Ackerland‘ bis zu ‚schlechtem Boden‘ reicht (RheinWb 1, 729f.; Dittmaier 30 und K. 7b; Westphal l33ff.; Bach 2 § 658). Auch KehreinWb 79 hebt die Bedeutung ,Grasgarten, Wiesenort beim Hause, gewöhnlich mit einem Zaun umgeben; übh. Krautfeld‘ für das Nassauische hervor (vgl. SHessWb 1, 880). Als Wort ist Bitze in Hessen längst untergegangen.
Bitzen gibt es hauptsächlich im Westmitteldt., ohne daß es sich ausschließlich um „ein westmd. Wort“ handelt (Kluge/Mitzka 80), denn der Name ist auch im Oberdt. verbreitet (Buck 29; vgl. SchwäbWb l, 1146f.; Kunze 173-175; Oeller 72).
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Schwierigkeiten gibt es sowohl bei der Abgrenzung der beiden 2 Hauptvarianten Bitze und Betzen gegeneinander wie gegenüber ähnlich lautenden anderen Namen.
l. Da im BT flektiertes und im Stammvokal gesenktes Bitze (> Betzen-) mit der Variante Betzen zusammenfällt, kann bei diesen Namen nicht entschieden werden, welche Variante ursprünglich zugrunde lag. Entschieden wurde in diesen Fällen zugunsten von Bitze, weil Betzen insgesamt in Hessen die seltenere Nebenvariante ist.
2. Das Hauptproblem besteht in der Abgrenzung gegenüber dialektal /peds, pids/ ,Pfütze‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110). Zwar scheint die Minimalunterscheidung im Anlaut zwischen /b/ und /p/ in der Regel hinreichendes Trennungskriterium zu sein: Die Zuordnung wurde deshalb danach entschieden. Aber gelegentlich sind historische Übergänge vom einem Namen zum anderen nachweisbar (z. B. für 5017a2 Biedenkopf MBK vgl. Fuhr; für 5517c7 Lang-Göns GIE vgl. Hofmann = HFB 29, 60), so daß insgesamt eine gewisse Unsicherheit bestehen bleibt, ob nicht eine Reihe Bitzen in das als Wort bis heute gebräuchliche Pitze u.ä. umgedeutet wurden.
3. Ausgesondert wurden Namen wie Betzenloch‚ Betzenkammer u. ä.‚ die sich auf ein Gefängnis beziehen (vgl. SHessWb 1, 754f.) sowie Namen, deren Betzen-BT mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen PN zurückzuführen ist wie z. B. „Betzenrode“. Unberücksichtigt blieben schließlich -el-Formen (z. B. „Betzelgarten“), die wohl, wenn nicht aus einem Besitzernamen entstanden, als Formnamen mit hess. Betzel ‚Mütze, Haube‘ (KehreinWb 74; Vilmar 35; Crecelius 155; SHessWb l, 753) zusammenhängen. Auszusondern ist schließlich der „Betzelbirnbaum“ (6117b1 Pfungstadt DAD), dessen Name sich „auf eine Art Winterbirne“ (Crecelius 155) bezieht.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 11
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bitze-Bett: Bitze-Bett (Brungershausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/267681_bitze-bett> (aufgerufen am 03.11.2026)
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