Vorder-Grind: aufm grindt
Beleg
Standard-Flurname
Vorder-Grind
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg Bestand Kat. I Nr. Albshausen Kreis Witzenhausen B 2 · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Grind
Zu ahd. grint ‚Grind, Sand‘, mhd. grint st. M. ‚Grind, Schorf‘. In den FlN hat sich die ältere Bedeutung ‚Sand, Kies‘ gehalten.
Vorder
Zum Adjektiv ahd. fordaro, mhd. vorder ‚der vordere, erste, räumlich vorausliegende‘. Vorder markiert die relative Lage der Flurstücke.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Grind
Meist zu ahd. grint ‚Grind, Sand‘, mhd. grint st. M. ‚Grind, Schorf‘. In den FlN hat sich die ältere Bedeutung ‚Sand, Kies‘ gehalten. Da Grind- besonders im Plural nicht immer deutlich von den Grund-Namen zu trennen ist, erscheinen hier nur die sicheren Belege.
Vorder
Zum Adjektiv ahd. fordaro, mhd. vorder ‚der vordere, erste, räumlich vorausliegende‘. Vorder markiert die relative Lage der Flurstücke. Der BergN in Heppenheim gehört nach Ausweis der ältesten Belege zum PN Waderich
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Grind m. (n. ?) / Grien m./n. / Knatz m.
- 1A
Grind, ahd. grind, grint (Graff 4, 330), mhd. grint st.m. (Lexer 1, 1087) hat neben der nhd. Bedeutung ‚Schorf, Ausschlag‘ die ältere Bedeutung ‚Sand, Kies‘, die nach DWB 9 [IV, I, 6), 368 außerhalb des Niederfränkischen „nur in Spuren zu belegen“ ist. Das Verhältnis zu oberdt. Grind m. ,Kopf‘ ist unklar (DWB ebd.; Kluge/ Mitzka 271; Weigand/Hirt 1, 769; SchwäbWb 3, 839). Im Wortgebrauch herrscht in Hessen die Bedeutung ‚Schorf, Ausschlag‘, auch ‚Krätze‘ (Crecelius 437) vor, aber auch die Bedeutung ‚Kopf‘ ist nicht unbekannt (KehreinWb 174; SHessWb 2, 1466; WaldWb 41).
In hessischen FlN bezieht sich Grind meist auf ‚Kies, Sand‘ (Vilmar 137); vereinzelt bezeichnet der Name auch Bergkuppen (Einzelnachweise bei Stroh 9f.; Arnold 49); zu mhd. grinte sw.m. ‚Bergrücken‘ (Lexer 1, 1086).
- 1B
Grien „‚Sand, Kies‘; ein vorzugsweise alem. Wort, das erst in mhd. Zeit erscheint; selten im Md. als grîn und im Mnd. als grên“ (DWB 9 [IV, I, 6], 262); mhd. grien ‚Kiessand, sandiges Ufer‘ (Lexer 1, 1080). Als Wort ist Grien in Hessen heute unbekannt. Der FlN, „besonders häufig dem Oberrhein entlang“ (Buck 90; vgl. Zink 82f.‚ BadWb 2, 471), aber auch in den Rheinlanden nicht selten (Dittmaier 93), bezieht sich in Hessen wie dort auf sandig-kiesige Bodenbeschaffenheit (SHessWb 2, 1462; Stroh 8ff.).
- 1C
Knatz ist herzuleiten von mhd. gnaz st.m. ‚Schorf, Ausschlag‘ (Lexer 1, 1041), das seit dem ausgehenden 13. Jh. belegt und „ursprünglich wohl ein md. Wort (ist), das sich weithin über das nd. Sprachgebiet verbreitete. ... Das Ausgangsgebiet (vermutlich Hessen und Thüringen) kennt gnatz nur als Mask.“ (DWB 8 [IV, I, 5], 625; vgl. Hertel 108). Das mit ahd. gnîtan ‚reiben‘ etymologisch verbundene Wort (Weigand/Hirt 1, 746) ist bei Estor 1409 als „gnatz auf dem kopf, vom grinde flüsend“ für Hessen belegt. Vilmar 131, der die Bedeutungen ‚Krätze; Grind, besonders Kopfgrind; schmutziger Geiz‘ angibt, weist darauf hin, daß Gnatz im Hessischen im Anlaut mit stimmlosem Verschlußlaut /k/ gesprochen werde; diese Form ist auch meist in den FlN belegt.
Der in den gängigen Namenbüchern nirgendwo erwähnte FlN Knatz, Plur. Knätze scheint sich bildlich auf die sandig-kiesige- ,grindige‘ Beschaffenheit des Bodens zu beziehen, oft wohl auf der Kuppe größerer oder kleinerer Bodenerhebungen, wofür die vorherrschende Präpositionalfügung auf dem Knatz einerseits und der als einziger häufiger vorkommende Kombinationstyp Steinknatz andererseits sprechen. Das bei Leineweber 36 vereinzelt belegte Adjektiv knatzig in bezug auf ‚feuchte Stelle in der Wiese‘ ist deshalb eher mit Knatsch ‚Schmutz‘ zu verbinden. In Thüringen bezeichnet das Wort Gnatz neben ,Grind‘ allerdings auch ‚schweren, tonigen, unfruchtbaren Boden‘ (K. Spangenberg briefl.).
- 2A
Die Identifizierung der Grind- und Grien-Namen ist mit zahlreichen Unsicherheiten belastet. Wegen der phonetischen Ähnlichkeit, vor allem wegen des dialektal möglichen /d/- Ausfalls bei /grind/, lassen sich die rezenten Belege nur selten eindeutig sprachhistorisch einem der beiden Namentypen mit Bestimmtheit zuordnen, zumal Umdeutungen in historischen Belegreihen mehrfach bezeugt sind (Vilmar ebd.; Stroh ebd.; vgl. Dittmaier 93f.).
Deshalb kann im wesentlichen nur unterschieden werden, ob eine /d/-haltige rezente Form vorliegt oder nicht, wobei die /d/losen Belege in der Masse allerdings - schon wegen der vorherrschenden Vokallänge - zu /gri:n/ zu stellen sind.
Die Abgrenzungsprobleme gegen andere Namentypen sind vielfältig:
1. Grind vermengt sich im Plural und Diminutiv mit dem sehr häufigen FlN Grund (/grine, grinçe/ ; vgl. Ott 174), so daß diese Belege nicht berücksichtigt wurden.
2. Grien ist schwer von grün zu trennen, zumal der Name offensichtlich mehrfach in diese Bedeutung umgedeutet wurde (vgl. Arntz 15). Es wurde so verfahren, daß nur grün als Simplex oder GT als umgedeutetes /gri:n/ gewertet und deshalb aufgenommen wurden, obwohl im Einzelfall ein substantiviertes Grün ‚grüner Platz‘ (Dittmaier 95; Buck 91) nicht auszuschließen ist.
3. Die diphthongierte Form Grein, Krein (< mitteldt. /gri:n/) wurde aufgenommen, wenn die Herkunft von einem Besitzernamen (so in 5120b3 Gleimenhain VBK „Greinheinerswiese“) oder der zentralhessischen grün-Form mit steigendem Diphthong (/groin/) unwahrscheinlich ist. Entscheidend sind hier also nur die Grind- und Grien-Namen, die von der rezenten Form her mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den Namentypen gehören.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 102
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Vorder-Grind: aufm grindt (Albshausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/260578_aufm-grindt> (aufgerufen am 03.11.2026)
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