Anthaupt: DAS ANTHAUPT [das anthaupt]

Rezenter Beleg aus Ginsheim-Gustavsburg  
Landkreis
Groß-Gerau
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Anthaupt

Belegort

Belegtyp

rezent

Weitere Belege

Deutungen

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Anthaupt

Zu fnhd. anthaupt ‚Pflugwendestelle, Kopfende des Ackers zum Wenden des Pfluges‘. Das Wort gehört zu mhd. houbet st. N. ‚Kopf; das Oberste, Spitze‘ und dem Präfix ant-.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Anthaupt f.n. / Vorende n. / Vorred f.n.

1

In Ergänzung zu → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 8 werden hier die Namen Anthaupt und die mit Vor- gebildeten Bezeichnungen der Pflugwendestelle behandelt.

Anthaupt ist als Wort mit der Hauptbedeutung ‚Pflugwende‘ heute nur in einem kleinen Gebiet zwischen Worms, Heppenheim und Dreieich belegt, an das sich westlich - um Mainz - ein kleines Handhabe-Gebiet anschließt (SHessWb 1, 304 und SHessWb 11, K. ; DWA IV ,Pflugwende‘; H. Christmann 53). Das Wort geht auf mhd. *ant-houbet zurück, wobei houbet n. ,Haupt‘ mit dem Wortbildungspräfix ant ‚längs gegen‘ (Lexer 1, 79; Kluge/Mitzka 25; Weigand/Hirt 71; DWB 1 [I], 495) verbunden ist. Handhabe, nach KehreinWb 184 „rhein.“, ist volksetymologische Umbildung von Anthaupt. Als Wort ist Anthaupt 1490 in Worms-Herrnsheim belegt: „ein firtel als die anthaupt windet“ (Ramge 1967, 62).

Bei den mit Vor- gebildeten Bezeichnungen für die Pflugwendestelle ist mangels älterer Belege unklar, ob Vor als Präfix wie nhd. zu verstehen ist oder auf mhd. vurch, vorch st.f. ,Furche‘ (Lexer 3, 592) zurückgeht. Grundwort von Vorende ist mit Sicherheit mhd. ende st.n.m. ,Ende‘, auch ,Stirn‘ (Lexer 1, 549). Als Wort schließt sich Vorende heute östlich an das südhessische Anthaupt-Gebiet an und zieht sich, teils als Furende, bis in die Wetterau (SHessWb 11, K. ; DWA IV; H. Christmann 29) und begegnet dann hessisch noch einmal - gutturalisiert - als Vereng in Nordosthessen bis Kassel. Der teilweise bis zur Unkenntlichkeit zersprochene FlN Vorred, Vorrod, Verrat u. ä., in älteren Deutungen des Namens mit vielen Fragezeichen von sehr verschiedenen Wörtern hergeleitet (Vilmar 432; Bech XXIII; v. Pfister 322; H. Christmann 83), gehört zweifellos zu mnd. vörjârt f.n. ,Pflugwendestelle, Queracker‘ (Lasch/Borchling 1, 840; Schmidt-Wiegand 1983, 247). Im Einzelfall kann Vermengung durch Assimilation mit dem im Ostfälischen verbreiteten FlN Vorwet < *Vorwende vorliegen, ebenfalls eine Bezeichnung für die Pflugwende (Wiswe 123f.; Flechsig 1959b, 50).

2

Während die Identifizierung der Anthaupt-Namen trotz einer Reihe von Zersprechungen unproblematisch ist, sind die Vorrad-Namen teilweise kaum kenntlich, teilweise volksetymologisch zu Verrat und Vorrat umgedeutet, so daß bei diesen Namen nicht sicher ist, ob sie tatsächlich hierher gehören oder nicht doch auf ,Verrat‘ oder ,Vorrat‘ (wie nhd.) zurückgehen, insbesondere, wenn der Name als BT auftritt („Vorratswiesen“). Dennoch wurden auch diese Namen hier aufgenommen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 9

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Anthaupt: DAS ANTHAUPT (Ginsheim-Gustavsburg)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/247790_das-anthaupt> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/247790