Schäfer-Trift-Kamp: IM SCHAEFERTRIFTS KAMPE
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Kamp
Da nur der Typ Bohnenkamp belegt ist, scheint es sich im Untersuchungsgebiet um eine auf diese Komposition beschränkte Verwendung von Kamp zu handeln. Kamp geht auf mittelniederdt. kamp st. M. ‚Landstück, insbes. eingefriedetes Stück Landes, Weide- oder Ackerland‘, auch ‚gehegtes Waldstück‘ bzw. seine Varianten kämpe und kampf zurück. Dieses Appellativ wird als Entlehnung aus lat. campus ‚Feld‘ betrachtet, doch ist das bis etwa 1500 nicht im hochdt. Sprachraum bezeugte Wort mit lat. campus vielleicht doch eher nur urverwandt.
Schäfer
Zum FamN Schäfer oder der zu Grunde liegenden Berufsbezeichnung, ahd. scâfâri, mhd. <br /> schaefære st. M. ‚Schäfer‘ Soweit der FlN auf den Beruf zurückgeht, bezieht er sich meist auf bevorzugte Aufenthaltsorte oder Nutzungsrechte des Schäfers. In Lützellinden ist der PN Heinz Schäfer auch historisch belegt: Heyncze schefirn (1406) u.ö.
Trift
Zu mhd. trift st. F. in der Bedeutung ‚das Treiben, Weide‘, einer ablautenden Substantivbildung mit /-t/-Suffix zu ahd. trîban, mhd. trîben ‚treiben‘. Wie Trieb (s.d.) steht Trift sowohl für den Weg zur Viehweide als auch für die Viehweide selbst. Im mittelhessischen Untersuchungsraum stehen beide Varianten nebeneinander.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Kamp
Die Namen gehen teilweise auf mittelniederdt. kamp st. M. ‚Landstück, insbes. eingefriedetes Stück Landes, Weide- oder Ackerland‘, auch ‚gehegtes Waldstück‘ bzw. seine Varianten kämpe und kampf zurück. Dieses Appellativ wird als Entlehnung aus lat. campus ‚Feld‘ betrachtet, doch ist das bis etwa 1500 nicht im hochdt. Sprachraum bezeugte Wort vielleicht doch eher nur mit lat. campus urverwandt. Allerdings können die älteren Belege in Gernsheim und Seligenstadt, die wie die übrigen südhess. Kamp-Namen weitab vom nördlichen Hauptverbreitungsgebiet liegen, vereinzelte Entlehnungen nach lateinischem Vorbild sein. In Jugenheim a. d. Bergstraße liegt BesitzerN nach der dort im 17. Jh. nachgewiesenen Familie Kempff vor
Schäfer
Zum FamN Schäfer oder der zu Grunde liegenden Berufsbezeichnung, ahd. scâfâri, mhd. schæfære st. M. Soweit der FlN auf den Beruf zurückgeht, bezieht er sich meist auf bevorzugte Aufenthaltsorte oder Nutzungsrechte des Schäfers.
Trift
Zu mhd. trift st. F. in der Bedeutung ‚das Treiben, Weide‘, einer ablautenden Substantivbildung mit -t-Suffix zu ahd. trîban, mhd. trîben ‚treiben‘. Wie Trieb steht Trift sowohl für den Weg zur Viehweide als auch für die Viehweide selbst. Während im Oberdt. Trift bereits durch Trieb ersetzt wurde und das südliche Trieb sich weiter nach Norden ausbreitet, stehen sich im südhess. Namenraum beide Varianten etwa gleich stark gegenüber.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Kamp m.
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Kamp, mnd. kamp m. ,Landstück, insbes. eingefriedigtes Stück Landes, Weide- oder Ackerland, auch gehegtes Waldstück‘ (Lasch/Borchling 2, 511), wird als Lehnwort aus lat. campus ‚Feld‘ betrachtet (Müller/Frings 147f.; Post 114; Bach 2 § 375 u.ö.; Dittmaier 128; Kluge/Mitzka 344; Weigand/Hirt 1, 974; Bedenken erheben DWB 11 [V], 135f.; auch v. Pfister 124). Das Wort ist im Norden und Osten des niederländischen Sprachgebiets und im Ripuarischen erhalten (Gysseling 169; Westphal 156f.), aber auch im Waldeckischen (WaldWb 54; B. Martin 1925, 230). Hier „waren es im Feuchtland oder im Walde liegende Rodeflächen, die in Grünland umgewandelt, umzäunt und als Weide, insbesondere für das Jungvieh, genutzt wurden“ (Engelhard 88; ähnlich Vilmar 191).
Die Kombinationstypen der hessischen Kamp-Namen spiegeln ein breites Bedeutungsspektrum, das neben ,Weideland‘ auch ,Ackerbau‘ und ,Waldbau‘ umfaßt, wie es sich in den Rheinlanden in der räumlichen Verteilung als Reflex zeitlicher Schichtungen niederschlägt (Westphal 168; danach Bach 2 § 658 und Dittmaier 129f.).
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Im nordhessischen Hauptverbreitungsgebiet bereitet die Identifizierung der Kamp-Namen nur in den Randzonen in wenigen Fällen Schwierigkeiten. Die Kamp-Namen im übrigen Hessen haben aber seit langem keine Stütze mehr im Wortgebrauch und sind deshalb nur in wenigen Fällen mit Sicherheit als Kamp-Namen anzusprechen. Vermengungen liegen hier vor mit
- Kamm, mhd. kamp, kambe ,Kamm‘ (Lexer 1, 1505), dessen plosives /b,p/ früher dialektal auch in Hessen galt (SHessWb 3, 1072), insbesondere mit der Bedeutung ,Hügel-, Bergkamm‘; es wurden nur die Kam(b)- Namen aufgenommen, deren Kombinationstyp (z.B. „Essigkamm“ in 6317b1 Heppenheim BGS) die Zugehörigkeit zu Kamp wahrscheinlich macht:
- Kumpf, Kump ,Wasserstelle‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 114), dial. auch komp; hier wurde bei den /o/-Formen ebenfalls nach dem Kombinationstyp entschieden. So klare Fälle wie „Kumpenkamp“ in 4622d2 Fürstenwald KSK sind selten.
Die zahlreichen Kampf-Belege sind meist als hyperkritische Formen von Kamp zu werten (anders jedoch in 5219b3 Homberg (Ohm) VBK, vgl. Ramge 1984, 199). Die im Streugebiet liegenden Kemp(f)-Namen sind teils mit Kamp (so in 6118a1 Nieder-Modau DAD; vgl. v. d. Au = HFB 27, 30), teils mit einem Besitzernamen (so in 6217c2 Jugenheim a. d. B. DAD; vgl. Kunz 1978, 75) in Verbindung zu bringen. Mitunter sind die Namen so umgedeutet, daß die Zugehörigkeit sehr unsicher ist (vgl, „im Naßkännchen“ in 63l7dl Lorsch BGS: Fecher =HFB 21, 98). Die Daten im Streugebiet sind deshalb verhältnismäßig unklar und bedürfen weiterer historischer Untersuchung.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 13
Trift f.
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Trift ist - wie Trieb und Treibe (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 34) - Substantivierung zu treiben und mit diesen bedeutungsgleich. Obwohl älter als Trieb, ist auch Trift erst seit dem 12./13. Jh. belegt (DWB 22 [XI, I, 2], 496), mhd. trift st.f., st.m. (Lexer 2, 1513). In der Bedeutung ‚Weg für das Vieh‘ ist Trift „obd. nur spärlich belegt … nd. ganz geläufig“ (DWB 22 [XI‚ I, 2], 499); mnd. drift f. ,Viehtrift, Weide‘ (Schiller/Lübben 1, 578).
In den älteren hessischen Wörterbüchern wird Trift nicht genannt, obwohl oder weil es üblich war wie heute noch (SHessWb 1, 1729; HNassWb 4, 129f; WaldWb 23). Als FlN war und ist Trift im Niederdt. allgemein, im Westmitteldt. weit verbreitet (Dittmaier 319; Zink 150f.), kommt aber auch in Südostwürttemberg (Keinath 104) und - neben beherrschendem Trieb - auch manchmal im Ostfränkischen vor (Oeller 85f.). In Thüringen begegnet Trift als FlN neben Treibe (Danz 374; Genzel 112; Hänse 169), wobei gebietsweise eine Bedeutungsdifferenzierung auftritt, so daß Trift den ,Weideplatz‘ und Treibe den ‚Weg zur Weide‘ bezeichnet (Schrickel 62, 92f.).
Die Weidewege waren meist sehr breit, und das Vieh weidete auch auf ihnen. Umgekehrt hat Trift in kleineren Gebieten des Siegerlandes die Bedeutung ,Viehpfade im Hauberg‘ angenommen (Reichmann K. 121), was in der Sache Vilmars Angabe über Trip (Vilmar 417) entspricht.
Da im Oberdt. Trift durch Trieb ersetzt wurde, stellt sich die Frage, wie sich dieser Verdrängungsprozeß in der heutigen Verteilung der hessischen FlN spiegelt, wobei die Konkurrenz mit Treibe zu berücksichtigen ist.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 35
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Schäfer-Trift-Kamp: IM SCHAEFERTRIFTS KAMPE (Gottstreu)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/235893_im-schaefertrifts-kampe> (aufgerufen am 05.11.2026)
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