Geiß-Klamm: Geiß-Klamm [in də 'gɑsgloːm]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Geiß
Zu ahd. mhd. geiz st. F. ‚Ziege‘. Die FlN erinnern an bevorzugte Weideplätze der Ziegen. - Häufig begegnet die monophthongierte Form /ga:s/, oft erweitert durch ein unorganisches /t/ am Wortende. Durch den /-er/-Plural kommt es mitunter zu Umdeutungen wie im Geisterköppel in Königsberg.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Klamm
Zu ahd. klamma st. F. ‚Klemme‘ mhd. klam st. M. klamme st. F. ‚Bergspalte, Schlucht‘. Die Wörter lassen sich an das Adjektiv mhd. klam ‚eng, dicht‘ anschließen. So sind die südhess. Klamm-Namen auf die Bedeutung ‚Felsspalte, Schlucht, schmale enge Täler und Höhen‘ zurückzuführen. Ihre Verbreitung ist in Südhessen auf den südwestlichen Teil des Odenwalds beschränkt. Daher wird in Nieder-Roden ein FamN vorliegen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Geiß f.
- 1
Die Geiß, ahd. geiz st.f. (Schützeichel 67), mhd. geiʒ st.f. ‚Ziege‘ (Lexer 1, 800), etymologisch verwandt mit lat. haedus ‚Ziegenbock‘, gilt heute im Oberdt. und dem größten Teil des Mitteldt., war früher aber auch im Niederdt. verbreitet (Kluge/Mitzka 242; DWB 5 [IV,I,2], 2796ff.). In FlN bezieht sich Geiß in der Regel auf die Ziegenhaltung, manchmal metaphorisch als Formname auf Körperteile der Ziege (Geißbart, Geißrück, Geißhals u. ä.).
Die Verbreitung in hessischen FlN ist vor allem wegen der komplizierten Wortgeschichte und -geographie von Geiß und Ziege interessant. Denn (mögliche) Bedeutungsunterscheidungen innerhalb der Bezeichnungen (Artbezeichnung, Muttertier, Jungtier) können von den Namen her nicht rekonstruiert werden.
Die Wortgrenze zwischen südlichem Geiß und nördlichem Ziege verläuft in Hessen heute auf einer Linie nördl. Biedenkopf - südl. Homberg/Efze - nördl. Sontra (DWA 5). Doch stehen und standen offenbar in weiten Teilen beide Bezeichnungen nebeneinander im Gebrauch. So sagt Vilmar 120, Geiß sei „in ganz Hessen üblich, indes in Niederhessen nicht ganz so gebräuchlich, wie Ziege (gespr. Zêge)“; (vgl. auch Vilmar 468; v. Pfister 344). Historisch ist Geiß auch im Waldeckischen belegt, während dort heute als Wort nur Ziege gilt (WaldWb 106, 143). Namentlich im Mittelhessischen standen in der frühen Neuzeit beide Formen nebeneinander, wie ein Beleg von 1532 aus Homberg/Ohm VBK zeigt: „man soll an gehegten welden, da man jungholtz ofzuhet, die geiß oder Ziegen abschaffen“ (Immel 201). Auch E. Alberus nennt beide Wörter (DWB 31 [XV], 899), während heute in der Wetterau allein Geiß gesagt wird (Crecelius 417, 934), wie auch in Südhessen (SHessWb 2, 1189ff.). Von den dialektalen Varianten von Geiß ist vor allem auf die in der Wetterau und im Vogelsberg verbreitete Form mit unorganisch angehängtem /d/ (Crecelius 417) hinzuweisen. Die niederdt. Form Geit mit unverschobenem Verschlußlaut ist nur einmal belegt.
Neben Geiß und Ziege steht im Mittelhessischen stellenweise Heppe, Hattel, Hitte, Hettel, Hetz u.ä. (DWA 5). Diese sind jedoch in FlN nur unsicher zu identifizieren, und die versuchsweisen Auswertungen ergeben ein so diffuses Verbreitungsbild, daß auf die Kartierung dieser Namentypen verzichtet werden mußte.
- 2
1. Bei Geiß(en)-Namen mit einem auf Gewässer hinweisenden 2 GT ist im zentralhessischen Gebiet mit steigender Diphthongierung Vermengung mit mhd. gieʒe ‚fließendes Wasser‘ (Lexer 1, 1011) nicht auszuschließen.
2. Von den Geist-Namen wurden nur diejenigen aufgenommen, deren Kombinationstyp Herleitung von Geiß wahrscheinlich macht und nicht auf Kirchenbesitz schließen läßt (Heiliger Geist). Geest-Namen kommen in Hessen anscheinend nicht vor.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 45
Schlucht, Schluft f. / Klamm f.
- 1A
Die Schlucht/Schluft-FlN lassen sich auf ahd. sluht (Graff 6, 792), mhd. sluft st.f. ‚das Schlüpfen, die Schlucht‘ und sluoche f. ‚Graben, Schlucht‘ (Lexer 2, 990, 992) zurückführen. Dabei haben sich mehrere Bedeutungsvarianten vermischt. Schlucht/Schluft benennt sowohl ‚eine schmale Tiefe zwischen Felsen‘ (Kluge/Mitzka 659; Weigand/Hirt 2, 737) als auch allgemein ,Wasser(abzugs)gräben, Rinnen‘, vgl. mhd. wazzersluoht st.f. ,Wassergraben‘ (Lexer 3, 713).
Beim Lautwandel von -ft- > -ht-, -cht- hat sich aus Schluft im Moselfränkischen und westlichen Niederdt. das schriftdeutsche Schlucht entwickelt, das die ältere Form langsam verdrängt (Paul/Moser/Schröbler § 116, 2a, 4.).
Eine Weiterbildung ist das in Thüringen übliche Schlufter/Schluchter m., das einen Graben bezeichnet, der durch Gewitterregen oder Schneewasser entstanden ist (DWB 15 (IX), 795, 812f.), aber ebenso einen ‚Einschnitt im Gelände, Hohlweg‘ benennt (ThürWb 5, 706). Auch sonst ist die Bedeutung außerhalb Hessens ähnlich (vgl. RheinWb 7, 1383, 1393; SiegWb 267).
Als Wort ist Schluft in Mittel- und Nordhessen für ‚Senke im Acker, Waldschneise‘ und als Bezeichnung für einen ‚tief liegenden Waldwiesendistrikt‘ bekannt (HNassWb 3, 253). Während Kehrein Schlufter als Bezeichnung für ,Schlucht‘ nennt (KehreinWb 354), finden sich bei Crecelius und Vilmar keine Hinweise.
Die FlN Schlucht/Schluft benennen in Hessen enge Täler und Hohlwege (KehreinNb 544; vgl. auch Dittmaier 273), können aber auch Pässe benennen, so in: 4624c2 Ziegenhagen WMK „auf der Schluft“ ,Paß über den First des Kaufunger Waldes‘ (Kaerger/Sauer 24, 29).
- 1B
Die südhessischen Klamm-FlN lassen sich ableiten von ahd. klammjan ,klemmen‘ (Graff 4, 557), mhd. klamme st.f.‚ klam st.m. allgemein ‚Einengung, Klemmung‘, auch ,Bergspalte, Schlucht, enges Tal‘ (Lexer 1, 1603; DWB 11 (V), 935). Speziell im Oberdt. hat sich die Bedeutung ,Felsspalte mit Wildwasser‘ eingestellt (Kluge/Mitzka 373; Weigand/Hirt l, 1045).
Klamm ist auch als FlN hauptsächlich im oberdt. Sprachraum verbreitet und bezeichnet dort ,Bergspalten, Schluchten‘ u. ä. (Buck 138; Zink 138; Keinath 56).
Hessisch ist Klamm als FlN in geringer Anzahl nur für den südwestlichen Teil des Odenwaldes belegt und benennt auch hier ,Felsspalten oder Schluchten, schmale, enge Täler, und Hohlen‘ (SHessWb 3, 1363)
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 92
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Geiß-Klamm: Geiß-Klamm (Albersbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/233793_geiss-klamm> (aufgerufen am 02.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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