Leimen-Kugel: auf der leimenkugell

Historischer Beleg aus Deisel  
Gemeinde
Trendelburg
Landkreis
Kassel
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Leimen-Kugel

Belegort

Belegtyp

historisch

Quelle

Staatsarchiv Marburg, Mess- und Stueckbuch, 1728

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Kugel

Teils zu mhd. kugele sw. F. ‚Kugel‘ einschließlich der Kugel in Schießanlagen (Gießen, Hattenrod); teils zu mhd. gugel(e), kugel, kogel sw. st. F. ‚Kapuze‘, sei es als pars-pro-toto-Bezeichnung für Angehörige des Deutschen Ordens (Leihgestern) oder nach der Form eines Kapuzenzipfels (Oppenrod).

Leimen

Zu ahd. leim, leimo, mhd. leim st. M., leime sw. M.‚Lehm‘. Die FlN beziehen sich in den allermeisten Fällen auf Orte, an denen man den Lehm abbaute, der beim Hausbau zum Füllen des Fachwerks und zum Backofenbau verwendet wurde (Leimkaute, -grube). Manchmal war die Bodenbeschaffenheit namengebendes Motiv. - Meistens liegt im Untersuchungsraum die schwach flektierende Variante vor; einige Belege deuten auf eine Variante mit /au-/-Diphthong hin.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Kugel

Zu mhd. kugele sw. F. ‚Kugel‘, in Eppertshausen und Weiskirchen zu mhd. gugelzipf st. M. ‚Zipfel der Kapuze‘. Es handelt sich um einen FormN, wie etwa in Eppertshausen, wo ein schmaler Wiesenstreifen mit halbkreisförmigem Bogen namengebend gewesen sein soll. In Ober-Roden kann auch der FamN Kugel vorliegen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Leimen m.

1

Der Leimen, ahd. leim st.m.‚ leimo m. ‚Lehm, Schlamm‘ 1 (Schützeichel 109), mhd. leim st.m.‚ leime sw.m. (Lexer l, 1867), mnd. lêm m. (Schiller/Lübben 2, 661), urverwandt mit lat. limus ,Schlamm‘, ist die oberdt. Form der standardsprachlichen Bezeichnung Lehm für die Bodenart. Erst um 1800 ist Leim(en) durch das aus dem (Ost)Mitteldt. und Niederdt. stammende Lehm aus der Schriftsprache verdrängt worden (DWB 12 [VI], 544f., 697f.; Kluge/Mitzka 431; Weigand/Hirt 2, 40; zur Etymologie: Trier 1951, 10-16).

Als Wort ist Leimen in Hessen allgemein verbreitet (SHessWb 4, 275; HNassWb 2, 82; WaldWb 65; Crecelius 554), wobei entsprechend der dialektalen Monophthongierung von mhd. /ei/ nördlich /le:m/(-)‚ manchmal zu /li:m/(-) gehoben, und südlich /la:m/(-)‚ häufig weiter zu /lo:m/(-) gehoben und im Zentralhessischen zu /loam/(-) diphthongiert, gelten, während Osthessen /laim/(-) erhalten hat.

In FlN bezieht sich Leimen entweder auf lehmhaltigen Boden oder - häufiger - auf Örtlichkeiten, wo der Lehm in Leimengruben, -kauten‚ -kaulen‚ -löchern für den örtlichen Baubedarf, besonders des Fachwerkbaus, abgebaut wurde (Dittmaier 184); entsprechend den Abbaugruben für Letten, Aul(erde) und Ton (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105-107).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 104

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Leimen-Kugel: auf der leimenkugell (Deisel)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/230781_auf-der-leimenkugell> (aufgerufen am 06.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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