Anspann-Seite: ANSPANNSEITE [ɒonspannsitt]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anspann
Anspann ‚Gespann, Spanndienst, Frohne, Tagwerk‘ ist eine Substantivbildung zum Verb mhd. anspannen sw. V. ‚befestigen, anspannen‘. In mittelhessischen FlN sind die Bedeutungen ‚steiler Weg, wo zur Überwindung der Steigung Zugtiere eingesetzt werden müssen‘ (Lardenbach) ‚Anspann für Zehntfuhren nach Laubach‘ (Gonterskirchen) bezeugt.
Seite
Der Name geht auf ahd. sîta, mhd. sîte, sît sw. st. F. ‚Seite, Fläche‘ zurück und bezeichnet in FlN Bergseiten oder auch Begrenzendes im Sinne von ‚an der Seite liegend‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anspann
Anspann ‚Gespann, Spanndienst, Frohne, Tagwerk‘ ist eine Substantivbildung zum Verb mhd. anspannen sw. V. ‚befestigen, anspannen‘. In FlN sind die Bedeutungen ‚steiler Weg, wo zur Überwindung der Steigung Zugtiere eingesetzt werden müssen‘ (so in Rüsselsheim) und ‚Wiesengrundstück, oft in Bachnähe‘ bezeugt. Der Name kann damit auf Nutzungsrechte der Anspänner genannten fronpflichtigen Bauern bezogen sein, aber auch auf das Zusammenbinden der Vorderläufe des Großviehs deuten, das damit am Fortlaufen gehindert wird. Für das Pfälzische wird auch auf eine Bedeutung ‚freier Platz in einer Flur, der zur Viehweide benutzt wird‘ verwiesen. Die Zugehörigkeit der Anspar-Belege ist nicht sicher.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Anspann m./n. / Auf-; Ab-; Aus-; Zechspann m./n. f.
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Anspann m. ‚jugum, Gespann, dann auch Spanndienst, Frohne‘ (DWB 1 [I], 464), Substantivierung zum Verb anspannen, ist als Wort in älterer und neuerer Zeit schlecht bezeugt. Der Anspanner oder Anspänner war ein fronpflichtiger ‚Bauer, der Zugvieh hält‘ (DWB 1 [I], 464; 26, 710; vgl. WaldWb 36). Auch die Deutung des FlNs Anspann, historisch seit dem 14./15. Jh. am Mittelrhein (Dittmaier 15) und in Thüringen (Gerbing 150; Genzel 123) belegt, ist unklar und umstritten. Die Deutung von Schnetz 66f., der Anspann als Entstellung aus Espan (< *ê-span) ‚Viehweide‘ erklärt, wird von Dittmaier 15 für das Rheinland zu Recht abgelehnt. Die in den mündlichen Formen der hessischen FlN vorherrschende Form /o(:)ʃban/ u.ä.‚ im Osthessischen mit weitergehender Hebung zu /unsbe(n)/ u. ä., setzt ein altes *an-spann voraus.
Dieses *an-spann kann sich in FlN aber auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: 1. Wo der Name an Steilwegen haftet, bezieht er sich auf die Stelle, an der „zur Überwindung der Steigung Zugtiere vor- oder beigespannt werden mußten bzw. müssen“ (Dittmaier ebd.; DRWb 1, 730). Das betrifft in Hessen manchmal auch Steigungen an Fernwegen. (Ein - hier nicht aufgenommener - Name wie „Spannstation“ in 4724b5 Laudenbach WMK drückt diese Funktion aus.)
2. Da der Name in Thüringen (vgl. die Einzelangaben bei Gerbing) und auch in Hessen öfter auf Wiesengrundstücke, häufig in der Nähe von Bachläufen, bezogen ist, scheidet die Deutung für diese Fälle aus, sofern nicht die Bachüberquerung zusätzliche Bespannung erforderlich machte. Bei solchen Grundstücken dürfte es sich entweder um Nutzungswiesen der Anspänner (so Gerbing) gehandelt haben oder aber tatsächlich um einen Verweis auf das Spannen des Großviehs (i.S. von Schnetz) d.h. das Zusammenbinden der Vorderfüße auf der Weide, um die Fortbewegung zu hindern. Dieser Vorgang könnte mit *an-spann(en) bezeichnet worden sein, ohne daß an Umdeutung zu denken ist.
Die als Ergänzung aufgenommenen FlN Aufspann, Abspann, Ausspann und Zechspann dürften sich in der Regel auf den ersten Sachverhalt, das An- und das spätere Abspannen bei Steigungen beziehen, wobei Zechspann vermutlich zu ziehen gehört. Abspann kann sich aber auch auf das Ausspannen der Zugtiere beziehen (2DWB 1, 976f.).
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Anspann ist mündlich oft stark zersprochen, besonders im unbetonten Endungsteil /onsbe, ansber/ usw.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 143
Seite f.
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Die Seite, ahd. sîta, sîtta st.sw.f. ‚Seite, Hüfte‘ (Schützeichel 166), mhd. sîte, sît st.sw.f. (Lexer 2, 942), „ursprünglich von der menschlichen Flanke“ (Kluge/Mitzka 700), bezeichnet „in freierem Gebrauche“, doch in Übereinstimmung mit der Etymologie des Wortes, eine ‚abfallende, sich abdachende Fläche‘ (DWB 16 [X, I], 379, 383) und herrscht in dieser Bedeutungskomponente ,Bergseite, Hangseite‘ in der FlN-Gebung vor (vgl. Leite K. 86), wozu teilweise wohl noch die Bedeutung ‚Grenze, an der Seite der Grenze liegend‘ hinzukommt (Dittmaier 287).
Das auch in Hessen allgemein und in verschiedener Bedeutung gebrauchte Wort (HNassWb 3, 571) tritt regional in hessischen FlN außerordentlich häufig auf: ca. 1700 rezente FlN enthalten diesen Namen, wobei allerdings ein erheblicher Teil offensichtlich auf ziemlich junge Katasterbildungen zurückgeht.
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Keine Identifizierungsschwierigkeiten. Unsicher sind einige /sid/-Belege am westlichen Taunusrand. Die wenigen hessischen Seiters/Sitters-Namen sind nicht aufgenommen, da die Zugehörigkeit zu Seite umstritten ist (E. Christmann 1938, 12-14; Dittmaier 287-289).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 87
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Anspann-Seite: ANSPANNSEITE (Weißenhasel)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/225346_anspannseite> (aufgerufen am 07.11.2026)
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