Bleuel-See: aufs Plaulsee

Historischer Beleg aus Bauschheim  
Landkreis
Groß-Gerau
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Bleuel-See

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

19. Jahrhundert, kopial 20. Jahrhundert

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1. · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys

Weitere Belege

  • 1520: Im bluweß sehe [Acker]
    Staatsarchiv Darmstadt, A 1 (Die Urkunden werden nach Ortsnamen bzw. Provenienz und Jahr zitiert).

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

See

Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer heutigen landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s.d.) (Garbenteich).

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

See

Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s. d.).

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Blauel m. / Schwingstock m.

1A

Der Blauel, standardsprachlich der Bleuel, ist ahd. als bliuuuil, st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1221f.), mhd. als bliuwel st.m. blûel u. ä. (Lexer 1, 310) belegt und bezeichnet ein Holz zum Klopfen, mit dem man blaut oder bleut (Kluge/Mitzka 84; Weigand/Hirt 1, 252f.; DWB 2 [II], 111; DWB 13 [VII], 1934). Vilmar 42 beschreibt die hauptsächlichen hessischen Blauel: „Der Flachs wird … im Freien mit dem Flachsblauel geblaut; der Flachsblauel ist ein dickes mit einem gekrümmten Stiel versehenes Bret, auf dessen unterer Fläche tiefe Kerben in die Quere gezogen sind. Wäsche und Garn werden mit dem Wasch- (Garn-) Blauel geblaut; dies ist ein länglich viereckiges unten ganz glatt gehobeltes schweres Bret mit Griff.“ (Ähnlich Crecelius 175f.; KehreinWb 82). Das heute in Hessen untergegangene, im 19. Jh. veraltende Wort (DWB 27 [XIII], 2215) bezeichnet als Formname in FlN entsprechend ein „kleines Stückchen Feld oder Wiese von nahezu quadratischer Form“ oder einen „(großen) breiten, fast quadratischen Acker“ (SHessWb 1, 939; vgl. Dittmaier 34).

Vilmar ebd. hebt hervor: „Der Waschblauel ist nicht überall, vorzugsweise nur in Niederhessen, gebräuchlich.“

Das Nebeneinander von vorherrschendem Blauel und seltenerem Bleuel, entrundet Bleiel‚ in den FlN erklärt sich daraus, daß der Diphthong des ahd. bliuwel im Mitteldt. vor /v/ weithin nicht zu /ü:/, sondern zu /u:/ monophthongiert wurde und dann im Nhd. zu /au/ diphthongierte (Paul/Moser/Schröbler § 46 A.1‚ § 116.2.8.). Auch E. Alberus hat ein blawel‚ wesch blawel (vgl. Kammer 36, 51). Im Einzelfall (4825a6 Mäckelsdorf WMK) ist /v/ bis heute in FlN erhalten; vereinzelt erfolgte Kürzung und Senkung zu /o/, wenn /v/ durch ein intervokalisches /h,x/ ersetzt wurde: blohe (4823d3 Körle SEK), blochel (4722a2 Großenritte KSK).

1B

Der Schwingstock ist „ein hohes, aufrecht stehendes Brett mit einem Ausschnitte, worein der Flachs beim Schwingen gelegt wird“ (DWB 15 [IX], 2710); zu mhd. swinge f. ,Schwinge‘ (Lexer 2, 1377). Im Schwingstock wurden die letzten Stengelteile des Flachses entfernt. Die Bezeichnung Schwingstock (neben synonymen Schwingstuhl, Schwingbock, Schwingeisen) war vor allem in Hessen, Thüringen und im Rheinischen verbreitet (Crecelius 777; HNassWb 3, 541 und Abb. 20; WaldWb 102; Hertel 225; RheinWb 7, 2078), aber auch im Schwäbischen (SchwäbWb 5, 1292) bekannt.

2A

Problematisch sind nur die Namen mit Blauels-‚ Bleiels- als BT, (in 5324b2 Rimmels FUL, 5423c1 Neuenburg FUL, 5423c6 Horas FUL, 5424d4 Lehnerz FUL, 5616d3 Heinzenberg HTK, 5616d4 Winden HTK), weil diese auch auf den FamN Blaul, Bleil o. ä. zurückgehen können. In einzelnen Fällen kann Vermengung mit blau erfolgt sein.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 59

Seien m. f.; Siegen m.

1

Die Namen der oder die Seie(n) (meist der Seien, die Seie) und der Siegen gehören etymologisch und in der Sachbedeutung zusammen. Beide gehen auf germ. *sîhwan zurück, wobei durch grammatischen Wechsel Kluge/Mitzka 699) einerseits ahd. sîhan ,(heraus) seihen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîhen ‚trans. seihen, intrans. tröpfelnd durch etwas sickern, fließen‘ (Lexer 2, 919), andererseits ahd. sîgan, sîgen ‚sinken, wanken, sich neigen, sich niedersenken; herabfließen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîgen (Lexer 2, 916) entstehen. Die daraus gebildeten Substantivierungen mhd. sîhe st.sw.f. und sîgen st. n. ‚das Sinken, das Tröpfeln, Fließen‘ (Lexer 2, 919, 917) beziehen sich in FlN auf eine ‚Vertiefung auf dem Felde, wohin das Regenwasser seinen allmählichen Ablauf nimmt, Vertiefung, tiefere Stelle der Flur überhaupt‘ (Vilmar 383; ähnlich Kehrein Wb 374) und entsprechen deshalb in der Sache nicht immer Seife(n) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 120), wie Dittmaier 287, 29l angibt.

Aus den Angaben bei Kehrein ebd. geht nicht klar hervor, ob Seich f., Seihen m. in Nassau im 19. Jh. noch als Wort bekannt war; Vilmar ebd. hingegen berichtet, daß Siegen im „nördlichen Niederhessen“ noch verstanden, aber als Wort nicht mehr verwendet werde (vgl. Arnold 516). Heute ist hier nur noch vereinzelt ein Siegplatz ‚nasse Stelle im Acker‘ belegt (HNassWb 3, 597; vgl. ebd. 558). Gleicher etymologischer Herkunft und in FlN von Siegen kaum zu trennen ist der, das Siech, Sich, Sech u. ä. bzw. unverschoben nd. Siek, Sik, Sege ‚feuchte Niederung, feuchte sumpfige Stelle‘ (Bach 2 § 309), mnd. sîk (sieck, zyk) m.n. ‚wasserhaltiger Grund, sumpfige Niederung, Tümpel‘ (Lasch/Borchling 3, 230). Schließlich scheint es in hessischen FlN noch eine /(e)l/-Ableitung zu den Hauptvarianten zu geben, so daß auch Namen wie Seiel, Seigel, Segel, Sichel u.ä. hierher gestellt werden.

Durch Monophthongierung und Diphthongierung, durch Spirantisierung des /g/ und verschiedenartige Kontrahierungen entsteht dialektal eine Fülle von Nebenvarianten zu den beiden Hauptvarianten des Namentyps.

2

Während die Identifizierung der Hauptvarianten Seie(n) und Siegen ziemlich unproblematisch ist, ist die Ein- und Ausgrenzung der seltener vorkommenden Varianten mit großen Unsicherheiten behaftet, so daß nur eine erste Annäherung an die tatsächliche Verbreitung der Seie(n)-Siegen-Namen in Hessen erfolgen kann, die durch Realproben und historische Belege im einzelnen gesichert werden müßte. Das gilt besonders

l. für die gesamte Gruppe der Namen mit der vermuteten /(e)l/-Ableitung, für die bisher außer durch Kombinationstypen nur gelegentlich eine Sachbestätigung gefunden werden konnte (Henn 1977, 75 für 4925c1 Sontra WMK);

2. für das Vorkommen der Nebenvarianten als BT von FlN, wo zahlreiche Vermengungen mit anderen Namen vorliegen. So sind die Secken-‚ Sicken-Belege aufgenommen, obwohl sie sicher z. T. auf PN (Förstemann 1, 1317ff.), im Einzelfall vielleicht auch auf mnd. segge ,Riedgras‘ (Bach 2 § 323) zurückgehen. Ausgesondert wurden nur die Belege für den „Siegbach“ (links zur Dill) und für die Wüstung „Seckbach“ (in 5219d2 Wittelsberg MBK: 831/850 „Sigibach“; Reuling 1979, 282).

3. Der mehrfach belegte FlN Sechling gehört nicht hierher: ,Gebund, Garbe‘ (Crecelius 785; HNassWb 3, 589).

Unberücksichtigt blieben auch Belege mit genitivischem /-s/ im BT wie Sichels-‚ Siegels-‚ weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen PN oder FamN zurückgehen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 119

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Bleuel-See: aufs Plaulsee (Bauschheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/224546_aufs-plaulsee> (aufgerufen am 05.11.2026)

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