Zwerch-Wiese: DIE QUERCHWIESEN
Weitere Belege
- die zwerch wiesen
Staatsarchiv Marburg Bestand Kat. I Nr. Oberjossa B 4
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Wiese
Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünfläche‘.
Zwerch
Zu ahd. thwerah ‚schräg‘, mhd. twerch ‚auf die Seite gerichtet, schräg, verkehrt‘, frühnhd. zwer, zwerch ‚quer‘. Ab dem 14. Jahrhundert entwickelt sich der Anlaut /tv/, /dv/ in den meisten Mundarten zu /tsv/ wie in zwerch. Die nur vereinzelt greifbare Variante zwer, zu der zwerch eine Erweiterung mit /k/-Suffix ist, geht auf ahd. thwer, mhd. twer ‚quer, schräg‘ zurück. Die Belegreihen zeigen gelegentlich Schwankungen zwischen zwer, zwerch und dem etymologisch verwandten quer, querch. Im Untersuchungsgebiet gilt dialektal die Variante Werch (s.d.). Mit zwerch wurden Gewanne bezeichnet, die quer zu den benachbarten Flurstücken verlaufen.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Wiese
Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünlandfläche‘. Neben das Simplex und die zahlreichen Komposita treten die Diminutivformen Wieschen, Wießgen und Wiesel. Die zusammengehörigen Belege aus Auerbach und Bensheim zeigen einen zersprochenen Namen, dessen Zugehörigkeit zu Wiese im BT unsicher ist. Den ältesten Belegen aus Rüsselsheim liegt ein FamN Wiese zu Grunde.
Zwerch
Zu ahd. thwerah ‚schräg‘, mhd. twerch ‚auf die Seite gerichtet, schräg, verkehrt‘, fnhd. zwer, zwerch ‚quer‘. Ab dem 14. Jh. entwickelt sich der Anlaut /tv/, /dv/, so wie er im Beleg aus Trebur noch vorliegt, in den meisten Mundarten zu /tsv/ wie in zwerch. Die nur vereinzelt greifbare Variante zwer, zu der zwerch eine Erweiterung mit k-Suffix ist, geht auf ahd. thwer, mhd. twer ‚quer, schräg‘ zurück. Die Belegreihen zeigen gelegentlich Schwankungen zwischen zwer, zwerch und dem etymologisch verwandten quer, querch, ohne dass eine deutliche räumliche oder zeitliche Verteilung zu erkennen wäre. Während sich in der Schriftsprache seit dem 18. Jh. die mitteldt. Variante quer durchsetzt, überwiegt in Südhessen zwerch. Schriftlich erscheint es vielfach in der Form zwerg, doch ist eine Verwechslung mit nhd. Zwerg eher unwahrscheinlich, da hierfür in Hessen Wichtel galt. Einige Belege wie Zwerggewännchen deuten auf eine jüngere Umdeutung. Mit zwerch wurden Gewanne bezeichnet, die quer zu den benachbarten Flurstücken verlaufen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Quer, Zwerch
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Bei den mit den Adjektiven Quer und Zwerch gebildeten hessischen FlN ist vor allem die Verteilung der mündlichen Varianten von Interesse; denn die Sachbedeutung ist allemal die gleiche wie nhd. quer ‚quer(-liegend), schräg‘: Sie bezieht sich auf querliegende, Anwendern (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 8) vergleichbare Grundstücke oder Gewanne.
Ausgangsformen sind ahd. twer (Schützeichel 36), dwerh, dwerah, twerah (Braune-Eggers § 167 A.8; DWB 32 [XVI], 1084), mhd. twer, twerch, dwerch (Lexer 2, 1598f.) mit der Substantivierung twerhe st.f. ‚Quere‘ (Lexer 2, 1600). Ab dem 14. Jh. entwickelt sich der /dw‚ tw/-Anlaut teils zu /tsv/, im Mitteldt. und Elsässischen zu /kv/ (DWB 13 [VII], 2355; DWB 32 [XVI], 1085; Paul-Moser-Schröbler § 106, § 116.2.b2; HSS K.172 und Textband 259). quer hat sich „vom Md. aus in der Schriftsprache seit dem 18. Jh. durchgesetzt ...; zwerch lebt nur noch in den Maa., und zwar in allen obd. Dialekten, im Westmitteldeutschen und vereinzelt im Schlesischen“ (DWB 32 [XVI], ebd.). Im Niederdt. wurde die Verschiebung des /dv, tv/-Anlauts nicht durchgeführt (Schiller/ Lübben 1, 614).
In den einschlägigen hessischen FlN spiegelt sich die Vielfalt der dialektalen Varianten. Neben „reich“ belegtem Adj. quer hat sich bis heute querch in der Bedeutung ‚verkehrt‘ erhalten (HNassWb 1, 730; Vilmar 309); aber noch im 19. Jh. ist „quer wenig gebraucht, dafür sagt man lieber querch, zwerch, zwerscht, wersch, werscht, die drei letzten mit lang und tief gesprochenem e; querch gehört hauptsächlich dem Vogelsberg an“ (Crecelius 669). Die Sonderform Wärsch f. ,Quere‘ mit plosivlosem /v/-Anlaut erscheint oft mit einem unorganisch angehängten /t/ : Wärscht, Werst, so schon bei Estor 1406: „der werst, zwerch über“ (Vilmar 442; vgl. v. Pfister 216f.). Für das Nassauische belegt KehreinWb 457 nur “Zwers, Zwersch, Dialektform von zwerch“.
Eine Sonderform zu zwerch stellt schließlich überzwerch, das ebenfalls mhd. belegt ist (Lexer 2, 1599), dar.
In der FlNgebung ist zu unterscheiden, ob das Adj. als BT des Namens auftritt oder ob eine Substantivierung, meist als Quere oder Querche(n)‚ vorliegt.
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Eine Verwechslung der /dsverç/-Formen mit Zwerg ist trotz dialektaler Gleichlautung unwahrscheinlich, weil für diesen in Hessen Wichtel gebräuchlich war (v. Pfister 216). Bei den /gv/- Formen mit /gve:ren/ als BT kann im Einzelfall Vermengung mit mhd. kürne, kürn, kurn st.f. ,Mühle‘ vorliegen (Lexer 1, 1794; vgl. Vilmar 309)
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 10
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Zwerch-Wiese: DIE QUERCHWIESEN (Oberjossa)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/217161_die-querchwiesen> (aufgerufen am 03.11.2026)
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