Ton-Wiese: die thon wiesen

Historischer Beleg aus Heringen (Werra)  
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Ton-Wiese

Belegort

Belegtyp

historisch

Quelle

Staatsarchiv Marburg, Flurbuch, 1769

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Ton

Zu ahd. thâha ‚Ton, Lehm, Scherbe‘, mhd. dahe, tahe sw. F. und auch mit Vokallänge dâhe, tâhe ‚Ton‘. Das /n/ ist wohl über die flektierte Form in den Nominativ gekommen, wodurch der Vokal im Mitteldt. vor /n/ zu /o:/ gehoben wurde. Das Wort ist ursprünglich westoberdt. und im Hess. nicht heimisch (dafür: Aul, s.d.).

Wiese

Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünfläche‘.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Ton

Zu ahd. thâha ‚Ton, Lehm, Scherbe‘, mhd. dahe, tahe sw. F. und auch mit Vokallänge dâhe, tâhe1 ‚Ton‘. Das /n/ ist wohl über die flektierten Formen in den Nominativ eingedrungen, wodurch der Vokal im Mitteldt. vor /n/ zu /oː/ gehoben wurde. Das Wort ist ursprünglich westoberdt. und im Hessischen nicht heimisch (dafür: Aul, s. d.).

Wiese

Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünlandfläche‘. Neben das Simplex und die zahlreichen Komposita treten die Diminutivformen Wieschen, Wießgen und Wiesel. Die zusammengehörigen Belege aus Auerbach und Bensheim zeigen einen zersprochenen Namen, dessen Zugehörigkeit zu Wiese im BT unsicher ist. Den ältesten Belegen aus Rüsselsheim liegt ein FamN Wiese zu Grunde.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Ton m.

1

Ton ist mhd. als dahe, tahe sw.f. (Lexer 2, 407), mit Vokallänge tâhe, dâhe (Kluge/Mitzka 781; Weigand/Hirt 2, 1051), < ahd. thâha sw.f. ‚Ton, Lehm, Scherbe‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 2, 23) belegt. Das /n/ ist wohl über die flektierten Formen in den Nominativ gekommen, das /a:/ ist dadurch im Mitteldt. zu /o:/ gesenkt worden; zugleich wechselte das Genus ins Mask. (DWB 21 [XI, I, 1], 389; Kluge/Mitzka ebd.; Trier 1951, 16). Ton ist in westoberdt. Dialekten „früh“ durch Letten (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105) und Lehm (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 104) verdrängt worden (Kluge/Mitzka ebd.) und hat sich in seiner heutigen sprachlichen Form weitgehend durch den Einfluß der Sprache Luthers durchgesetzt.

Für das Hessische wird Ton in den älteren Wörterbüchern nicht genannt, obwohl es zumindest in Nordhessen bekannt ist (HNassWb 4, 75), wohl weil das Wort als „hochdeutsch“ gewertet wurde. Dabei ist es, wie die FlN-Verteilung zeigt, zunächst durchaus dialektale Bezeichnung, die in Konkurrenz zu Letten und Leimen steht.

Wie diese bezeichnet Ton in hessischen FlN schweren, tonigen Boden, der bei möglichst reinem Vorkommen in Tongruben, -kauten‚ -löchern abgebaut und zum Abdichten, vor allem aber als Töpfererde verwendet wurde.

Es steht außer Frage, daß es sich bei den hessischen Vorkommen um alteinheimische FlN handelt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 107

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ton-Wiese: die thon wiesen (Heringen (Werra))“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/209983_die-thon-wiesen> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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