Lager-Rain: am lagerrein
Beleg
Standard-Flurname
Lager-Rain
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg, Kataster, 1750
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lager
Zu ahd. legar, leger, legir ‚Lager, das Liegen‘, mhd. leger, läger st.N. ‚Lager; Lager der Tiere‘, nhd. Lager ‚Stelle zum Liegen, Ruheort; Feldlager; Tierlager‘. Die FlN verweisen meist auf schattige Plätze in der Gemeindeweide, wo während der Mittagshitze das Vieh lagerte.
Rain
Zu ahd. rein ‚Schutzwehr; Rain, Ackergrenze‘, mhd. rein st. M. ‚begrenzende Bodenerhöhung, Rain‘, nhd. Rain ‚Grenzstreifen zwischen zwei Äckern oder Fluren, Bodenerhöhung als Grenze, Abhang‘. - Vereinzelt kann auch ein PN namengebend sein, so bei der Reynewiesen 1489 in Oppenrod, wo gleichzeitig eine Reyne Elsen als Eigentümerin genannt wird (Eckhardt).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lager
Zu ahd. legar, leger, legir ‚Lager, das Liegen‘, mhd. leger, läger st. N. ‚Lager; Lager der Tiere‘, nhd. Lager ‚Stelle zum Liegen, Ruheort; Feldlager; Tierlager‘. Die FlN verweisen meist auf schattige Plätze in der Gemeindeweide, wo während der Mittagshitze das Vieh lagerte. Der Name in Arheilgen dagegen erinnert an einen Ort, wo im frühen 18. Jh. vorübergehend Waldenser siedelten
Rain
Zu ahd. rein ‚Schutzwehr; Rain, Ackergrenze‘, mhd. rein st. M. ‚begrenzende Bodenerhöhung, Rain‘, nhd. Rain ‚Grenzstreifen zwischen zwei Äckern oder Fluren, Bodenerhöhung als Grenze, Abhang‘. Im Südhess. ist die Bedeutung ‚mit Gras bewachsener Abhang; steiler Abhang an der Längsseite von terrassenförmig am Hang liegenden Äckern‘ vorherrschend; mit ungefähr gleicher Bedeutung wird (in FlN seltener) das Wort Rech verwendet. Ein Wechsel von Rain und Rech in FlN kommt in Südhessen jedoch nur in Ausnahmefällen vor. Formen mit einfachem Stammvokal sind in der Mundart häufig, in schriftlichen Belegen selten (etwa in Götzenhain, Viernheim). Im Westen sind Vermischungen mit dem GewN Rhein möglich. In Babenhausen hat eine Umdeutung stattgefunden
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lager, Leger n.
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Nhd. Lager geht auf ahd. legar, Ieger, Iegir st.n. ‚Lager, das Liegen‘ (Schützeichel 108), mhd. lëger st.n. (Lexer 1, 1858) zurück. Die bis ins 16. Jh. übliche Form leger wird, wohl hauptsächlich unter dem Einfluß der Sprache Luthers, durch die im Ostmitteldt. seit dem E. 14. Jhs. belegte Form lager ersetzt, die seit dem 18. Jh. standardsprachlich allein gilt (DWB 12 [VI], 63; Weigand/Hirt 2, 7f.; Kluge/Mitzka 419).
Auch in den hessischen Dialekten ist heute allgemein lager verbreitet; leger hat sich in einigen Sonderbedeutungen wie ‚Stelle im Acker, wo sich das Getreide gelegt hat‘, ‚Knüppel, die eine Holzpritsche im Schweinestall bilden‘, ‚das nächtliche Schaflager auf dem Acker‘ erhalten (SHessWb 4, 91f.; HNassWb 2, ll; WaldWb 65).
In FlN bezieht sich Lager, Leger meist auf eine „Lagerstelle für Mensch und Tier; oft ein mit dichten Bäumen besetzter Platz in der Gemeindeweide, wo bei großer Mittagshitze die Viehherde lagert“ (Dittmaier 176; vgl. Buck 152; Bach 2 § 368).
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Die Eingrenzung der Namen ist schwierig:
l. Viele, aber durchaus nicht alle Lager-‚ Leger-Namen beziehen sich auf Lagerplätze für Vieh. Nur diese sollen aber herausgefiltert werden, um den einheitlichen Sachbezug zu gewährleisten. Es entfielen deshalb alle Kombinationstypen, die auf ein historisches (Menschen-)Lager im weitesten Sinne verweisen (z. B. „Römerlager“ in 5916c6 Hofheim am Taunus MTK, „Husarenlager“ in 5416c1 Oberbiel LDK, „Gefangenenlager“ in 6117d1 Griesheim DAD). Da auch die meisten Namen mit Lager als BT in dieser Hinsicht unsicher sind, bzw. eindeutig nicht hierher gehören (z. B. „Lagerhaus“ in 6317d1 Lorsch BGS), blieb dieser Strukturtyp unberücksichtigt, obwohl der eine oder andere Name sicher dazu gehört (z.B. „Lagerborn“ in 5523b1 Mittelkalbach FUL). Von den verbleibenden Namen mit Lager als GT sind weitaus die meisten sicher. Bei Lager, Leger als Simplex ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß sie sich auf einen Viehrastplatz beziehen. Es gibt allerdings Ausnahmen (vgl. für 63l7d1 Lorsch BGS: Fecher = HFB 21, 130; für 6017b2 Arheilgen DAS: Frey = HFB 17, 29; vgl. KehreinNb 489). Deshalb wurden nur alle Simplex- und alle sicheren GT-Belege aufgenommen.
2. Phonologisch bereiten die aus Leger kontrahierten /le(:)r/-Dialektvarianten Schwierigkeiten. Sie konkurrieren vor allem in Mittel- und Nordhessen mit einem FlN Leer, Lier (auch Löhr, Lühr) fem. mit bislang unklarer Bedeutung (vgl. Dittmaier 183; Vilmar 249f.; Wiswe 168), der keine auf Tiere bezogenen Kombinationstypen aufweist. Es wurden deshalb nur solche kontrahierten Formen aufgenommen, die durch Genus (m. oder n.) und Kombinationstyp als sicher angenommen werden können.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 42
Rain m.
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Rain, ahd. nur schwach in Namen bezeugt (Graff 2, 527; Förstemann 2, 2, 532), mhd. rein st.m. ,begrenzende Bodenerhöhung, Rain, limes‘ (Lexer 2, 388), mnd. rein ‚Rain, Grenze‘ (Schiller/Lübben 3, 451) ist ein gemeindt., „uraltes Wirtschaftswort ..., das den Streifen Landes bezeichnete, der ungebaut zwischen dem Ackerland zweier Gemarkungen gelassen wurde, sei es als ebenes Grasland oder als Bodenerhöhung“ (DWB 14 [VIII], 72; vgl. Kluge/Mitzka 579; Weigand/Hirt 2, 520; Dittmaier 239). Während im niederdt.-niederländischen Sprach- und Namengebrauch die Komponente ,Ackergrenze‘ vorherrschend wurde (vgl. für Limburg Goossens K. 11-13; Alpers/Barenscheer 127; Wiswe 344), gilt im Oberdt. daneben hauptsächlich die Bedeutung ,Abhang‘ (vgl. Valtavuo 120f.; Keinath 54, 114).
Rain bezieht sich im hessischen Sprachgebrauch heute fast ausschließlich auf kurze steile Abhänge, vor allem zwischen Ackerterrassen (SHessWb 4, 1193; HNassWb 2, 752), und ist deshalb synonym mit Rech im Südwesten und Ufer/Oiwer im Norden (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 84; zur Wortgrenze vgl. B. Martin 1925, 144).
In den mündlichen Formen der FlN herrschen entsprechend dem dialektalen Sprachgebrauch (Wiesinger K. 15 und 19) neben /rain/ die aus mhd. /ei/ entstandenen monophthongischen Formen /ra:/ und /re:/‚ teils weiter zu /ro:/ und /ri:/ gehoben, vor, wobei /ra:/ vereinzelt zu /rao, rou/ diphthongiert wurde. Wo das auslautende -/n/ erhalten ist, erfolgte mitunter Gutturalisierung zu -/ŋ/.
Die Raine sind teils natürlichen Ursprungs, teils aber auch erst durch terrassierende Pflugtechnik, durch Ablage von ausgelesenen Steinen oder durch Heckenpflanzungen entstanden (zur Heckenwirtschaft im Vogelsberg vgl. W. Kuhn). Insofern können u. U. bestimmte Kombinationstypen wie alter, langer, hoher, steinerner Rain Hinweise auf frühere Ackersysteme vor der Vergewannung enthalten (H. Jäger 33; Kroh 110).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 83
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Lager-Rain: am lagerrein (Friedlos)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/206606_am-lagerrein> (aufgerufen am 05.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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