Rohr-Lappe: Der Rohrlappen

Historischer Beleg aus Laudenau  
Landkreis
Odenwaldkreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Rohr-Lappe

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

19. Jahrhundert

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1. · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rohr

Zu ahd. mhd. rôr st.N. ‚Rohr, Schilfrohr‘. Die FlN beziehen sich in der Regel auf sumpfiges, mit Schilfrohr bestandenes Gelände. - Beim nur historisch belegten Rohrborn in Großen-Linden kann es sich auch um einen Röhrenbrunnen handeln.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rohr

Zu ahd. mhd. rôr st. N. ‚Rohr, Schilfrohr‘. Die FlN beziehen sich in der Regel auf sumpfiges, mit Schilfrohr bestandenes Gelände. Seit dem 16. Jh. ist, mit einem Verbreitungsschwerpunkt im Darmstädter Raum, eine umgelautete Nebenform Röhr(e) belegt; daneben gibt es die seltene Variante Ruhr, in der der Stammvokal /o/ > /u/ gehoben ist. In einigen Fällen kann es eine Vermischung mit Röhre ‚Wasserrohr‘ gegeben haben, aber auch mit Rod, dessen Dental in der Mundart oft zu /r/ wird.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Lappen m. / Placken m.

1A

Lappen, ahd. lappa (Graff 2, 38), mhd. lappe sw.f.m. ‚niederhängendes Stück Zeug, Lappen‘ (Lexer 1, 1834), auch ‚herabhängendes Hautstück‘ u. ä. (Kluge/Mitzka 423) wird bildlich auf Flurstücke, besonders Wiesenstücke übertragen und bedeutet dann ,(kleines) Stück Acker- oder Wiesenland‘ (Crecelius 536), und zwar zunächst durchaus ohne verächtlichen Nebensinn (Dittmaier 178). Das „wohl mehr md. als obd.“ (Weigand/Hirt 2, 18) Wort ist in seiner standardsprachlichen Bedeutung und einer Reihe von Spezialbedeutungen in Hessen allgemein verbreitet (Vilmar 237; v. Pfister 155; Crecelius ebd.; SHessWb 4, 133ff.; HNassWb 2, 34f.; KehreinWb 256; WaldWb 65): „Lappe, die gemeine pflanzenlappen: Kohlpflanzen darauf zu ziehen“ (Estor 1414). (DWB 12 [VI], l94f. führt die Bedeutungsvariante ‚kleines Landstück‘ nicht an.)

Eine umgelautete Nebenform Läppen m. bildet im Odenwald ein geschlossenes Verbreitungsgebiet; „das Nebeneinander führt zuweilen zu Differenzierungen: labe ,Stoffrest‘, lebe ‚kleines Stück Land‘“ (SHessWb 4, 136 und K. IV 15) und umgekehrt. Umlaut kommt aber auch sonst in Hessen vereinzelt vor.

1B

Placken, mhd. placke sw.m. ‚Fleck, Gegend‘ (Lexer 2, 275), dunklen etymologischen Ursprungs (vgl. Kluge/Mitzka 552; Weigand/Hirt 2, 432f.), ist wohl „aufgenommen“ aus mnd. plack, placke, placken (Schiller/Lübben 3, 334; DWB 13 [VII], 1872). Es bezieht sich, aus der allgemeinen Bedeutung ‚Fleck, Mal, andersfarbige Stelle‘ abgeleitet, bildlich auf kleinere Acker- und Wiesenstücke (DWB ebd.) und ist in dieser Bedeutung bis heute in Hessen allgemein verbreitet und bekannt (Vilmar 39; Crecelius 167f.; KehreinWb 307; SHessWb 1, 882f.; WaldWb 81 (?)). HNassWb 2, 642 weist außer der zusätzlichen Bedeutung ,Ackerstück (auf dem man Setzlinge zieht)‘ darauf hin, daß „Nassau nebst Nachbarschaft und Nordspitze der Provinz“ Verbreitungsraum des Worts seien.

In FlN bezieht sich Placken durchweg auf kleine Grundstücke (Dittmaier 230). Für die Angabe Bucks 207, „Fleck als Wiesenmaß ½ Morgen, als Ackerland ¼ Morgen“, gibt es für die hessischen Verhältnisse keine Anhaltspunkte.

2A

Vereinzelt könnte sich der FlN auch auf die Form beziehen:

Brustlappen (4922c1.Dickershausen SEK, 4926c3 Rittmannshausen WMK, 5125c8 Bengendorf HRK). Die „Lappenei“, eine Grenzflur zwischen 54l8dl Gießen und 5417c2 Kleinlinden GIE, ist wohl Kollektivum (Wilhelmi =HFB 18, 39; Weitershaus 93).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 51

Rohr n. / Schilf n.

1A

Rohr als Bezeichnung der Rohr-‚ Schilfpflanze ist als ahd. rôr st.n. (Schützeichel 154), mhd. rôr st.n. (Lexer 2, 486) belegt. Das dazu gehörige Kollektivum Röhrich, ahd. rorahi n. (Graff 2, 546), mhd. rôrach, rœrach u. a. st.n. (Lexer 2, 486) ist im Unterschied zu dem ursprünglich gemeindt. verbreiteten Rohr auf das Hochdt. beschränkt (Kluge/Mitzka 605; DWB l4 [VIII], 1121ff., 1131). Die Wörter sind im Hessischen allgemein verbreitet (SHessWb 4, 1442ff.; HNassWb 2, 886; WaldWb 86), wobei neben der Bedeutung ,Schilfrohr‘ auch die Bedeutung ‚Röhre‘ gilt. Das Nordhessische kennt eine umgelautete Form Röhr (HNassWb ebd.); als weitere Kollektivformen neben Röhrich treten in hessischen FlN (seltener) Röhres, Röhret u.ä. Auf.

1B

Schilf ist als ahd. sciluf m.? (Graff 6, 479), mhd. schilf st.m.n.? (Lexer 2, 736) nur spärlich belegt (DWB 15 [IX], 140), und „nur mitteldt. gilt es allgemein“ (Kluge/Mitzka 649). Gemeint ist damit wohl das Ostmitteldt. (vgl. ThürWb 5, 584); denn in Hessen ist Schilf nur vereinzelt nachgewiesen (HNassWb 3, 161), im Waldeckischen als /∫ilp/ mit unverschobenem /p/ (WaldWb 90) < mnd. schelp, schilp (Schiller/Lübben 4, 67, 91).

2A

Vermengungen mit Rohr ‚Röhre‘ und Röhre sind in einigen Fällen nicht auszuschließen. Unberücksichtigt blieben grundsätzlich die fem. Röhr(e)-Namen sowie Rohr-/Röhr-Brunnen‚ -born u. ä., weil diese Namen mit großer Sicherheit auf (Wasser-)Röhren hinweisen; Alberus: Canalis aqua, rhörborn (Kammer 81f.).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 130

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Rohr-Lappe: Der Rohrlappen (Laudenau)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/180450_der-rohrlappen> (aufgerufen am 06.11.2026)

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