Baumgarten: DER BAUMGARTEN [dr baumgotte]

Rezenter Beleg aus Melters  
Gemeinde
Eichenzell
Landkreis
Fulda
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Baumgarten

Belegort

Belegtyp

rezent

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Baumgarten

Name eines wüsten Hofs südöstlich Gießen. Vgl. Bangert.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Baumgarten

Die Namen gehen auf ahd. boumgarto ‚Obstgarten‘, mhd. boumgarte sw. M. ‚Baumgarten‘ zurück und stehen neben der regionalen Kurzform Bangert. Nicht selten gibt es einen Übergang von Baumgarten zu Bangert. Nur wo die Entwicklung umgekehrt verlaufen ist, wie etwa in Nieder-Modau, wird es sich um Katasterformen handeln. Bametchen in Mosbach ist wohl entstellt aus Baumgarten bzw. Baumgärtchen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Bangert m., Baumgarten m.

1

Die FlN Bangert und Baumgarten gehen auf das gleiche Wort zurück: ahd. boumgart(o) st.sw.m. ‚Obstgarten‘ (Karg-Gasterstädt/Frings l, 1301f.), mhd. boum-garte sw.m. ,Baumgarten‘ (Lexer l, 334f.). Der Typ Bangert entstand in Verbindung mit der Monophthongierung von boum zu /ba:m‚ bo:m/ durch Kürzung des Vokals, Teilassimilierung von /m-g/ > /n-g/ und weitergehender Velarisierung zu /ŋ/. Das im Nebenton stehende garte wurde zu -gert(e) abgeschwächt.

Als Wörter sind Bangert und Baumgarten in Hessen ungebräuchlich (vgl. SHessWb 1, 63l), außer in Nassau, wo mit Bangert u.ä. „gewöhnlich ein großer, schlecht umzäunter Grasplatz, der voller Bäume steht, Obstbaumgarten“ (KehreinWb 60) bezeichnet wird. Während Crecelius 89 Bangert für „in der Wetterau selten“ erklärt, nennt v. Pfister 337 Wingert und Bangert „zwei in großem Theile Hessens gar haüfig widerkehrende Örtlichkeits-Benennungen.“ In Waldeck konkurrieren Baumgarten und niederdt. Baumhof (NSächsWb 2, 542) als Bezeichnungen für (Obst-)Baumgärten (B. Martin 1925, l95f.; vgl. WaldWb 9), mnd. bômgârde, m. und bômhof (Lasch/Borchling 1, 314f.). Als FlN beziehen sich Bangert und Baumgarten ursprünglich auf ein gehegtes Grundstück mit Obstbäumen, meist in Ortsnähe gelegen und als privates Eigentum dem Gartenrecht unterworfen (Bader 3, 72-76). Das heute auch als Wort gebräuchliche Baumstück (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 22) enthält das Merkmal der Einfriedung ebensowenig wie die Bezeichnungen Baumacker, -feld‚ -wiese u. ä. (vgl. SHessWb ebd.).

2

Die Identifizierung von Baumgarten bereitet keine Schwierigkeiten. Ob hingegen alle Bangert-Namen zu mhd. boum-garte zu stellen sind, ist umstritten. Knöpp 21 erwägt Herleitung aus Banngarten ‚gebannter Garten‘. Da „bisweilen in verdächtiger Anlehnung an Bannvorstellungen“ (Bader 3, 72) gelegentliche Vermischung mit Banngarten nicht auszuschließen ist, wurden amtliche nur aufgenommen, wenn die mundartliche Form die Bedeutung ‚Bangert‘ nicht ausschließt (→ Bann K. l2).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 21

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Baumgarten: DER BAUMGARTEN (Melters)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/180273_der-baumgarten> (aufgerufen am 07.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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