Bi-Delle: Bi-Delle [en de bidall]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bi
Der Name gehört wohl nicht zu dialektal /bi:s/ ‚böse, schlecht‘, sondern ist eher gekürzt aus Biegen (s.d.).
Delle
Zu spätmhd. telle ‚Schlucht‘, frühnhd. dälle, delle ‚(leichte) Vertiefung, Bodensenke, Tal‘. Die FlN verweisen vor allem auf kleine, flache Bodensenken, Talmulden, auch auf Hohlwege und feuchte, teilweise sumpfige Mulden in Acker und Wiese. - In Bettenhausen hat eine Umdeutung aus *Dinen- stattgefunden. Der BT geht dann vermutlich auf den FrauenN Dina, Dine zurück, einer Kurzform zu Christine u.ä., der im Raum zu dieser Zeit mehrfach historisch belegt ist.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Delle
Zu spätmhd. telle ‚Schlucht‘, fnhd. dälle, delle ‚(leichte) Vertiefung, Bodensenke, Tal‘. In Südhessen gilt daneben auch die Bedeutung ‚Senke, in der sich Wasser sammelt, nasse Stelle im Acker, in der Wiese und im Wald‘. Die FlN verweisen vor allem auf kleine, flache Bodensenken, Talmulden, auch auf Hohlwege und feuchte, teilweise sumpfige Mulden in Acker und Wiese. Als dialektale Standardformen erscheinen Dell(e) und mit Rundung des Stammvokals Döll(e). Tellig ist eine Adjektivableitung zum Substantiv Delle, für die eine Bedeutung ‚mit Dellen versehen, voll von Dellen‘ anzusetzen ist.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Beune f.
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Die Beune oder Beunde, ahd. biunta st.f. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1154), mhd. biunte, biunde, biunt st.sw.f. (Lexer 1, 289), ist als Wort unklarer Herkunft; vermutlich ist es aus *bi-(w)unda ‚um was sich der Zaun herumwindet‘ (Bach 2 § 57; Dittmaier 27; Weigand/Hirt 1, 226; Kluge/Mitzka 72; anders DWB 1 [I], 1747f.) entstanden. Es bezeichnet ursprünglich aus der Allmende herausgenommenes, gehegtes Sonderland, das vornehmlich dem Anbau von Sonderkulturen wie Flachs, Rüben u.ä. vorbehalten war (Bader 3, 97-104), und war insofern bedeutungsgleich mit Bitze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 11) (Ramge 1985a, 681-686).
Während das Wort vor allem in einigen oberdt. Dialekten noch erhalten ist, ist es in Hessen heute nur in FlN bekannt. Sie beziehen sich auf „geschlossenes Ackerland“ (Crecelius 156) und auf Grundstücke, die meist in Ortsnähe auf gutem Boden liegen (KehreinWb 75; vgl. noch v. Pfister 18f.; SHessWb 1, 756). Vilmar 37f. weist vor allem auf die verschiedenen dialektalen Varianten des FlNs hin: Neben den diphthongierten Standardformen Beun(d)e und - entrundet - Bein(e) begegnen Kurzformen mit postvokalischem /-n(e)/-Ausfall (/boi‚ bai/), die manchmal sekundär monophthongiert sind (/ba:/). Der diphthongierten Standardform entspricht im hessischen Monophthonggebiet langvokalisches /bi:ne/ u. ä. Daneben muß früh eine kurzvokalische Nebenform *binde bestanden haben, die teils zu Binde und - gesenkt - Bende führte, meist aber durch Assimilation des /-nd-/ > /n/ die Formen Binn und Benn ergab, bzw. im nordosthessischen Gutturalisierungsgebiet (Wiesinger K. 19), wo /-nd/ > /ŋ/ wurde, Binge, Benge. Nicht selten tritt ein kollektiviertes oder intensiviertes Gebeune u.ä. auf.
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Vor allem verschiedene dialektale Varianten machen die zuverlässige Ein- und Ausgrenzung der Beune-Namen schwierig.
1. Bei den /boin(e)/-Belegen ist eine Vermengung mit mittelhess. Beune ‚Backtisch‘ (Crecelius 156) ziemlich unwahrscheinlich.
2. Die /bain/-Formen sind von den mit Bein gebildeten FlN meist leicht durch Genus und Kombinationstyp (z. B. Hosenbein) zu trennen.
3. Die Formen mit /-n(e)/-Ausfall /boi, bai/ fallen phonologisch oft mit dem Plural von Bau zusammen. Ausgesondert wurden hier die Kombinationstypen, die auf tierische Bauten hinweisen (Fuchsbäu(e)‚ Dachsbau u. ä.).
4. Gleiches gilt für die langvokalischen Monophthongformen /bi:ne/, amtlich auch (Bühne), die mit dialektal Bühne ‚Oberboden, Zimmerdecke‘ u.ä. (Crecelius 220f.) zusammenfallen. Auch hier wurde nach dem Kombinationstyp entschieden.
5. Bei Binde als BT ist kaum sicher zu entscheiden, ob der Name zu Beune oder zu binden (z. B. Bindweiden) gehört. Hier wurden die Namen ausgesondert, deren Kombinationstyp mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Zugehörigkeit zu binden verweist. Der FlN Bende ,gebannte Heuwiese‘ (Dittmaier 23) ist in Hessen nicht nachzuweisen.
6. Am unsichersten ist die in Nordhessen verbreitete Variante Binge, Benge, weil sie im Gutturalisierungsgebiet mit Binge ‚Vertiefung, Graben‘ (Dittmaier 29) zusammenfällt. Eine versuchsweise bearbeitete Binge-Karte zeigt diffuses Streuvorkommen südlich des Gutturalisierungsgebiets und Häufungen im Raum Kassel-Melsungen-Homberg. Da in Nordhessen nur in diesem Raum auch Binde-Belege gehäuft auftreten (vgl. die vorläufige Karte in Ramge 1985, 683), ist es wahrscheinlich, daß auch die nordhessischen Binge-‚ Benge-Belege weit überwiegend zu Beune gehören. Da es kein sprachliches Kriterium gibt, die beiden Bedeutungen in Namen auseinanderzuhalten, wurden alle Binge-‚ Benge- Belege im Gutturalisierungsgebiet in die Karte aufgenommen, obwohl darunter vermutlich auch einige echte Bingen sind.
7. /bi:(n)/ kann im Einzelfall mit Biene oder Biegen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 97) vermengt sein.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15
Biegen m.n.f.
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Im FlN Biegen haben sich zwei historische Sprachvarianten vermengt: Die erst mhd. belegten femininen Formen biege st.f. ‚Beugung, Neigung‘ (Lexer 1, 266; DWB 1 [1], 1814) und biuge st.f. ,Krümme, Biegung‘ (Lexer 1, 288) und die maskuline Form ahd. biogo, sw.m. ‚Biegung, Krümmung‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1080). Alle Substantive sind von biegen abgeleitet.
Als Wort ist Biegen in Hessen unbekannt (Vilmar 35), außer als Biege f. ‚kurze Strebe im Fachwerk‘ und ,Knie-biege‘ (SHessWb 1, 827). Für ,Biegung‘ gilt dialektal Krümme (SHessWb 1, 828; 2, 1875), vereinzelt Beuge f. (SHessWb 1, 755; vgl. SchwäbWb 1, 979).
Als FlN ist Biegen „der sehr häufig vorkommende Eigenname von Flurstücken, namentlich von Wiesen, welche an der Krümmung eines Flußes belegen sind“ (Vilmar 35; so auch Crecelius 159; Knöpp l8). Namengebend kann aber auch die Krümmung eines Weges, eines Rains o. ä. sein (Buck 25; Vollmann 56; Dittmaier 27), so in 5323a4 Üllershausen VBK (Hotz = HFB 1, 41) eine „starke Straßenkrümmung“. Der FlN tritt in den drei Genera auf.
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Die Identifizierung der Biegen-Namen bereitet bei einigen wenigen Grenzfällen der Vermischung mit Bicke ,Bach‘ in Waldeck Schwierigkeiten: gekürzte Formen /bi:/, /be:/ fallen formal mit den gekürzten Formen von Beune (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15) zusammen; Biegen kann vereinzelt in Bück u. ä. verborgen sein (so in 5620b2 Dudenrod WET, vgl. Corvinus = HFB 22, 43).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 97
Delle f.
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Aus germ. *daljô (²DWB 2, 612), mhd. telle sw.f. ,Schlucht‘ (Lexer 2, 1418), frühnhd. dälle, dell(e) mit der allgemeinen Bedeutung ,(leichte) Vertiefung, Bodensenke im Gelände, Tal‘ (²DWB ebd.; Weigand/Hirt 2, 1036; Kluge/Mitzka 126) sind die hessischen Delle-FlN abzuleiten.
Als Wort ist Delle in Hessen sehr geläufig. Die Grundbedeutung variiert dabei zwischen ‚kleine Vertiefung, kleines Tal, talartig tiefliegender Teil einer Gemarkung, flache Senke‘ (Crecelius 245; KehreinWb 109; Vilmar 69; SHessWb 1, 1331; WaldWb 18). In Südhessen ergibt sich noch die spezielle Bedeutung ‚Senke, in der sich Wasser sammelt, nasse Stelle im Acker, in der Wiese und im Wald‘ (SHessWb ebd.).
Auch außerhalb Hessens ist das mitteldeutsche Wort Delle häufig belegt: Im Rheinland z. B. als ‚kleine Mulde in Acker und Wiese, etwas sumpfig‘ (RheinWb 1, 1226).
Im Hessischen ist Delle „sehr häufig Eigenname von Feldplätzen“ (Vilmar ebd.; vgl. KehreinNb 397ff.). Der Name verweist dabei sowohl auf ‚flache, kleine Bodensenken, Talmulden‘ als auch auf ‚Hohlwege‘ und ‚teilweise sumpfige, kleine Mulden in Acker und Wiese‘ (SHessWb ebd.; Dittmaier 49; vgl. Knöpp 20; E. Christmann 1965, 250; Zink 139f.).
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Die wenigen /da:l/-Formen wurden nicht aufgenommen, da sie wahrscheinlich zu Tal gehören. Im Osthessischen, in dem mhd. /ë/ zu offenem /a/ gesenkt wird, tritt keine Dehnung zu /a:/ ein, so daß auch hier die Delle-Formen sicher zu erkennen sind.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 90
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bi-Delle: Bi-Delle (Hattenhof)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/176615_bi-delle> (aufgerufen am 05.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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