Schlicht: SCHLICHT ['ʃlɛçd]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Schlicht
Der Name geht auf das mhd. Adjektiv sliht, sleht in der alten Bedeutung ‚eben, gerade, glatt‘ zurück (vgl. schlecht). Der mündliche und der historische Beleg weisen einen dialektal bedingten /f/ > /ch/-Wechsel auf.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Schlicht
Die meisten Namen gehen auf ahd. slihtî, mhd. slihte, slehte st. F. ‚glatte Fläche, Ebene, gerader Weg‘ u. ä. zurück, einer Substantivbildung zum Adjektiv schlecht, dessen heutige Bedeutungsverschiebung von älterem ‚eben, gerade, glatt‘ ausgegangen ist. Entsprechend beziehen sich die Namen auf meist höher gelegene, ebene Flächen. Die Namen weisen z. T. dialektale Senkung /i/ /e/ auf und sind dann formal nicht mehr von schlecht ‚minderwertig‘ zu trennen. In Reinheim knüpft eine Sage an den FlN an: Der heutige Ort Reinheim sei aus ursprünglichem *Schlechtheim umbenannt worden
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Gleichen n. / Schlicht f.
- 1A
Gleichen gehört als Substantivierung zum Adj. gleich: ahd. gelîhhi st.f. ‚Gleichheit (Schützeichel 113), mhd. glîche st.f. (Lexer 1, 813). Im Niederdt. entfällt das Präfix z.T., und der Binnenkonsonant ist unverschoben: mnd. lîk, lîke (Lasch/Borchling 2, 819f.). Die mhd. Bedeutungskomponente ‚eben, gerade‘ (DWB 7 (IV, I, 4], 7992ff., 8035) herrscht im hessischen Sprachgebrauch noch im 19. Jh. stark vor (Crecelius 424; KehreinWb 166; v. Pfister 79) und ist auch heute noch belegt (SHessWb 1, 1384f.).
Als FlN bezeichnet Gleichen in Hessen eine ebene, meist hochgelegene Fläche (KehreinWb 166, Nb 413; Stroh 6f.; Knöpp 20; vgl. Dittmaier 90), gelegentlich auch eine Bergkuppe. Der Name hat - wie im Rheinland - meist neutr. Genus.
- 1B
Schlicht ist als ahd. slihtî st.f. ‚Fläche, Gegend‘ (Schützeichel 175), mhd. slihte, slëhte st.f. ‚glatte Fläche, Glätte, Ebene, gerader Weg ...‘ (Lexer 2, 978, 968) überliefert und Substantivierung zum Adj. schlecht, dessen ältere Bedeutung ‚in gerader Fläche od. Linie, eben, gerad, glatt‘ (Lexer 2, 967) darin eingegangen ist (DWB 15 [IX], 666f.; Kluge/Mitzka 654). Während das Adj. schlecht eine der Standardsprache vergleichbare Bedeutungsverschiebung mitgemacht hat (vgl. Vilmar 353f.; Crecelius 737; KehreinWb 350), ist im FlN Schlicht die ursprüngliche Bedeutung ,Ebene‘ erhalten (KehreinWb 351; KehreinNb 544), wie bei Gleichen wohl meist auf höher gelegene Ebenen bezogen (vgl. Dittmaier 271; Keinath 59; Zink 74). Bei FlN mit schlicht, schlecht, als BT ist schwer zu unterscheiden, ob das Substantiv oder das Adjektiv (in seiner früheren oder späteren Bedeutung) zugrunde liegt.
Neben Gleichen, Schlicht, auch Ebene ist die Namenentsprechung Platte in Hessen mit über 600 Vorkommen allgemein und gleichmäßig verbreitet.
- 2B
Abgrenzungsschwierigkeiten ergeben sich in den Fällen, in denen als BT oder Adjektiv schlecht(-) auftritt: „auf der schlechte Wiese“ (5814a1 Bärstadt RTK), „bei der schlechten Brücke“ (5919a1 Dudenhofen OFK) u. ä. Da es keine sprachlichen Abgrenzungskriterien gibt, wurden diese (wenigen) Fälle mit aufgenommen. Nicht hierher gehört „in der Urschlicht“ (5718b4 Groß-Karben WET): zu Urschlacht ,Pocken‘ (vgl. DWB 24 [XI, III], 2528f.); ebensowenig die „Schlichter“-Namen (6016b3 Groß-Gerau GRG) (zu Schlucht); „Schlichterweg“ (5716c4 Brombach HTK) und „Schlichterdeich“ (4926a3 Unhausen WMK) deuten vielleicht auf Wüstungsnamen hin.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 96
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Schlicht: SCHLICHT (Abtsroda)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/171154_schlicht> (aufgerufen am 31.10.2026)
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