Stiegel-Hof: Im Stigel houe
Beleg
Standard-Flurname
Stiegel-Hof
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1555
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 131/1.
Weitere Belege
- 1555: Ihm stigelhoff [Wiese]
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 131/1., fol. 113' - 1555: In stigelhoff [Wiese]
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 131/1., fol. 118
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hof
Zu ahd. mhd. hof st. M. ‚Hof, Gehöft, (allein gelegenes) Bauerngut‘ sowie zu ahd. hovestat ‚Wohnstätte‘, mhd. hovestat, hofstat st. F. ‚Hofstatt; Grundstück, auf dem ein Hof steht, stand oder errichtet werden kann‘ und mhd. hovereite sw. F., nhd. Hofreite ‚Hofraum; freier Raum um ein landwirtschaftliches Gebäude; bäuerliches Anwesen mit Haus, Hof und Wirtschaftsgebäuden‘. - Die dialektal allein geltende Form /ho:b/ findet sich in den historischen Belegen erstaunlich selten, hier hauptsächlich unter den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vorkommen.
Stiegel
In den FlN haben sich zwei Wörter vermengt: ahd. stiagil, stiagal M. ‚Stufe, Sprosse‘, mhd. stiegel st. M. ‚Stufe‘ und ahd. stigilla, mhd. stigele, stigel sw. st. F. ‚Vorrichtung zum Übersteigen eines Zauns, einer Hecke‘. In FlN dürfte die aus Stufen bestehende Übersteigvorrichtung Benennungsmotiv gewesen sein, wobei manchmal das Motiv der Stufe, manchmal das des Überstiegs namengebend war. Das erklärt auch das Nebeneinander von mask. und fem. Formen und von kurz- und langvokalischen Formen. Die Kontraktion zu Stiel ist häufig.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hof
Zu ahd. mhd. hof st. M. ‚Hof, Gehöft, (allein gelegenes) Bauerngut‘ sowie zu ahd. hovestat ‚Wohnstätte‘, mhd. hovestat, hofstat st. F. ‚Hofstatt; Grundstück, auf dem ein Hof steht, stand oder errichtet werden kann‘ und mhd. hovereite sw. F., nhd. Hofreite ‚Hofraum; freier Raum um ein landwirtschaftliches Gebäude; bäuerliches Anwesen mit Haus, Hof und Wirtschaftsgebäuden‘. Die in einigen historischen Belegen (z. B. Dornheim, Ginsheim-Gustavsburg) dokumentierte Ersetzung des wurzelschließenden Reibelauts /f/ durch den Verschlusslaut /b/ zeigt sich auch noch in einigen rezenten Diminutivformen (Eulsbach: Hebchen, Schannenbach: Hebche) und mündlich (Hausen). Einer der FlN aus Götzenhain bezieht sich auf die Wiese eines Hofverwalters.
Stiegel
In dem FlN haben sich zwei Wörter vermengt: ahd. stiagil, stiagal M. ‚Stufe, Sprosse‘, mhd. stiegel st. M. ‚Stufe‘ und ahd. stigilla, mhd. stigele, stigel sw. st. F. ‚Vorrichtung zum Übersteigen eines Zauns, einer Hecke‘. Im rezenten Sprachgebrauch Südhessens bezeichnet der Ausdruck darüber hinaus eine ‚enge Gasse zwischen zwei Häusern‘. In FlN dürfte aber immer die aus Stufen bestehende Übersteigvorrichtung Benennungsmotiv gewesen sein, wobei manchmal das Motiv der Stufe, manchmal das des Überstiegs namengebend war. Das erklärt auch das Nebeneinander von mask. und fem. Formen, von kurz- und langvokalischen Formen, von Reibelaut (durch mundartliche Palatalisierung) und Verschlusslaut (durch Verschärfung bei Kurzvokal). Im letzteren Fall fällt Stiegel mit mundartlich Stickel ‚kurzer Holzpfahl‘ und den Steckel-Namen (s. d.) zusammen. Die andernorts nicht seltene Kontraktion zu Stiel ist in Südhessen nur unsicher bezeugt.
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Stiegel-Hof: Im Stigel houe (Wingershausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/169176_im-stigel-houe> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/169176