Spiel-Mai-Acker: gnant der spilmais ack:

Historischer Beleg aus Wingershausen  
Gemeinde
Schotten
Landkreis
Vogelsbergkreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Spiel-Mai-Acker

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1555

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 131/1.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Acker

Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker im Untersuchungsraum über zweitausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (z.B. Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (z.B. Steinacker), nach der Größe und Form des Geländes (z.B. Langacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (z.B. Mühlacker) usw. In den frühen Belegen ist die Grenze zwischen Appellativ und Name manchmal noch fließend. Selten taucht Acker als BT oder Simplex auf.

Mai

Zu den ahd. meio, mhd. meie sw. M. ‚Mai‘ einer Entlehnung aus lat. maius ‚Jupiter Maius‘. Wie bei den FlN mit BT März (s.d.) beziehen sich die Belege auf den jahreszeitlichen Rhythmus der Natur und ihrer landwirtschaftlichen Nutzung. Falsche Silbentrennung beim vorangegangenen Artikel ist im Einzelfall nicht auszuschließen, so dass der Name auch auf mhd. eigen st.N. ‚Eigentum‘ zurückgehen kann.

Spiel

In den Belegen mit dem Lemma Spiel haben sich unterschiedliche Motive vermengt. (1) Die nhd. Spiel ‚Spiel, Zeitvertreib, Scherz, Unterhaltung, Vergnügen‘ entsprechende Namengrundlage findet sich mit Sicherheit nur in der Zusammensetzung mit -haus, mhd. spilhûs st. N. ‚Schauspielhaus, Haus für die Schaustellungen der Gaukler‘. (2) Bei den FlN mit agrarischem GT liegt eher mittelhess. spielen in der Bedeutung ‚losen, durch Los ausgeben‘ zu Grunde (vgl. Los).

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Acker

Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker in Südhessen über sechstausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (Wigantsacker, Schultheisenacker, Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (Steinacker, Rübenacker), nach der Größe und Form des Geländes (Langacker, Krummacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (Ackher beym drey dorn) usw. Die ältesten historischen Belege reichen bis ins 12. Jh. zurück (ad Langenacker, ad Obernacker CodLaur, Nr. 38 14), doch ist die Grenze zwischen Appellativ und Name in manchen frühen Belegen noch fließend (Raunheim 14. Jh. an der Herren Ackir). Relativ selten taucht Acker als BT, noch seltener als Simplex oder Diminutiv auf. Crumstadt weist die Kombination Acker + Furche auf; der GT in Groß-Bieberau/Ueberau (zusammengehörig) geht auf zersprochenes Rain (s. d.) zurück, da Au immer fem. ist.

Mai

Zu ahd. meio, mhd. meie sw. M. ‚Mai‘, einer Entlehnung aus lat. māius ‚Jupiter Maius‘. Wie bei den FlN mit BT März beziehen sich die Belege auf den jahreszeitlichen Rhythmus der Natur und ihrer landwirtschaftlichen Nutzung. Falsche Silbentrennung ist im Einzelfall (Dreieichenhain, Eberstadt) nicht auszuschließen, sodass der Name auch auf mhd. eigen st. N. ‚Eigentum‘ zurückgehen kann.

Spiel

In den Belegen haben sich unterschiedliche Motive vermengt. Die nhd. Spiel entsprechende Namengrundlage findet sich mit Sicherheit nur im Spielbrett in Bad König/Fürstengrund, wo wohl die Grundstücksform namengebendes Motiv war. Orte, an denen Spiele stattfanden, benennen auch die Namen in Jügesheim und Lindenfels. Diesen Namen liegt ahd. mhd. spil st. N. ‚Spiel, Zeitvertreib, Scherz, Unterhaltung, Vergnügen‘ zu Grunde. Ob hierher als ‚Spielwiese‘ auch die Spiegelwiesen (s. o. Spiegel ) zu stellen sind, muss offen bleiben. Die FlN in Hofheim und Klein-Gerau hingegen könnten wegen ihrer historischen -burg-Belege eine Herleitung aus lat. specula ‚Spiegel‘ nahe legen, wie sie für den linksrheinischen Raum vielfach nachgewiesen ist: Dort erinnern die entsprechenden Namen an Warttürme (mit Blinkeinrichtungen) und haften an Flurstücken, die meist an römischen Straßen liegen. In Hofheim handelt es sich um eine schwache Erhebung in einem sonst völlig flachen Gelände, jedoch ohne gesicherte Römerstraße in der Nähe.

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Spiel-Mai-Acker: gnant der spilmais ack: (Wingershausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/169158_gnant-der-spilmais-ack> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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