Linde-Galle: in der Lingen Gall
Beleg
Standard-Flurname
Linde-Galle
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1720
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 247/3.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Galle
Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *ghel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte, geschwulstartige Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen, des Wasserhaltigen käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit zustande.
Linde
Zu ahd. linta, mhd. linde sw. st. F. ‚Linde‘ (Tilia ulmifolia). Die Namen beziehen sich auf einzeln stehende Linden im Dorf und in der Feldflur, bei denen oft seit alters Versammlungs- und Gerichtsstätten lagen, oder auf vorwiegend mit Linden bestandene Waldstücke. - Der Anfang 14. Jahrhunderts für Bettenhausen und Birklar belegte <lindenenberg> scheint im BT das Adj. mhd. lindîn ‚von der Linde, aus Lindenholz‘ zu enthalten.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Galle
Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *g hel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte ‚geschwulstartige‘ Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen (etwa in Gallborn und auch in Gallenbach) käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit hinzu.
Linde
Zu ahd. linta, mhd. linde sw. st. F. ‚Linde‘ (Tilia ulmifolia). Die Namen beziehen sich auf einzeln stehende Linden im Dorf und in der Feldflur, bei denen oft seit alters Versammlungs- und Gerichtsstätten (Dingplätze) lagen, oder auf vorwiegend mit Linden bestandene Waldstücke. In zahlreichen Belegen treten mundartliche (meist assimilierte) Varianten auf: Lin, Linnen (in Hammelbach auch gesenkt zu Lenne), Lill (Hiltersklingen) und Ling (Klein-Gerau). Bei Lindel (Hiltersklingen) und Linnel (Hüttenthal) handelt es sich um Verkleinerungsformen. Bei Namen wie Lingrub (Klein-Gerau), Lindkaute (Urberach), Lingraben (Mosbach) bzw. linds graben (Radheim) könnte ein Zusammenhang mit mhd. lîn st. M. ‚Lein, Flachs‘ bestehen: möglicherweise erinnern sie an Flachsrösten, so wohl in Urberach
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Galle f.
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Der FlN Galle geht zurück auf ahd. galla, calla sw.f. ,Galle‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 4, 29), mhd. galle sw.f. ‚Galle, Bitteres überhaupt‘ (Lexer 1, 729), ,geschwulstartige Stelle‘ (Weigand/Hirt 1, 615; Kluge/Mitzka 229). Als Bezeichnung für ‚fehlerhafte Stelle in Naturdingen‘ meint Galle einen ,unfruchtbaren, schlechten Fleck im Ackergrund und auf Wiesen‘ (DWB 4 [IV, I, 1], 1188), d. h. zu trockene, steinige oder auch zu nasse, quellige Stellen in Äckern und Wiesen.
Galle ist im Hessischen ebenso wie in großen Teilen des oberdeutschen Sprachraumes verbreitet und dient als Benennung für ‚nasse Stellen im Acker, in der Wiese, Quellen in Wiesen‘ (SHessWb 2, 1063; Buck 77; Keinath 42; PfälzWb 3, 16; RheinWb 2, 988; SchwäbWb 3, 31; BadWb 2, 280; Schmeller 1, 890). Auch für das Gebiet Frankenberg, Kirchhain, Marburg und den Kreis Wetzlar haben Leinweber (36 u. K. 38) und Wenzel (1930, 53 u. K. 61) Galle als überwiegende Bezeichnung für ‚nasse Stelle im Acker‘ festgestellt.
Der FlN Galle wird für Äcker und Wiesen mit nassen, quelligen Stellen sowie für ,steinige Stellen im Acker und solche, die nach Regen sehr feucht und bei Trockenheit sehr trocken sind‘ verwendet (Dittmaier 82).
- 2
Die Identifizierung der Galle-Belege bereitete keine großen Schwierigkeiten. Die Formen Goll- und Gell- (,Gold-, Gelb-‘) wurden nicht mit aufgenommen, da diese Namen ein anderes namengebendes Motiv haben (vgl. Debus 1964, 250f.; Knöpp 18).
Die morphologische Struktur der mit Goll- und Gell- gebildeten Namenkomposita unterscheidet sich deutlich von den Galle-FlN, bei denen -born‚ -brunnen‚ -acker‚ -wiese‚ -grund als GT typisch ist.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 118
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Linde-Galle: in der Lingen Gall (Vadenrod)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/166515_in-der-lingen-gall> (aufgerufen am 06.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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