Fron-Stück: unter Rimbach im Frohnstrüchen
Beleg
Standard-Flurname
Fron-Stück
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1703
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 257/2.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Fron
Zu mhd. vrône, vrôn st. F. ‚Herrschaft, Frondienst‘, aus dem Genitiv frôno zu ahd. frô ‚Herr‘. Die Namen deuten teils auf Herrengut, teils aber auch auf von Abhängigen zu leistende Frondienste hin. Das zum örtlichen Herrenhof gehörige Ackerland heißt vielfach Fronacker, der Herrenhof selbst seit ahd. Zeit frônhof.
Stück
Im FlN Stück, ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ schwingt meist die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Im Unterschied zu Südhessen, wo zahlreiche Vermengungen mit Stock (s. d.) und Stecken (s. d.) die Identifizierung erschweren, sind die mittelhessischen Vorkommen eindeutig.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Fron
Zu mhd. vrône, vrôn st. F. ‚Herrschaft, Frondienst‘, aus dem Genitiv frôno zu ahd. frô ‚Herr‘. Die Namen deuten teils auf Herrengut, teils aber auch auf von Abhängigen zu leistende Frondienste hin. Das zum örtlichen Herrenhof gehörige Ackerland heißt vielfach Fronacker, der Herrenhof selbst seit ahd. Zeit frônhof.
Stück
In Stück haben sich offensichtlich drei verschiedene Namen vermengt: Stück N., ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ einerseits und Stock (s. d.) und Steck(en) (s. d.) andererseits. -stück als GT bezieht sich meist auf Grundstücke, die durch den BT spezifiziert werden; es schwingt hier, wie bei anderen Stück-Namen, auch die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Verschiedentlich begegnet in den FlN das Diminutiv Stückel. - Andere Stück-Namen sind hyperkorrekt aus den beiden anderen Namen entstanden, die ihrerseits zahlreiche Übergänge und Vermischungen aufweisen. Hierhin gehören wohl vor allem die Belege mit schwacher Flexion (Stücken) sowie diejenigen, deren Endung als Kollektivierungsanzeiger verstanden werden kann (Bieber, Dieburg, Froschhausen, Klein-Krotzenburg). Umgekehrt können über Senkung und Entrundung auch in diesen Lemmata einzelne Stück-Namen aufgegangen sein.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Fron
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Mit Fron- gebildete Namen gehen in der Regel zurück auf ahd. frô sw.m. ‚Herr‘ und das dazugehörige Adjektiv ahd. frôno ‚dem Herrn zugehörig, ...‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 1278, l285ff.)‚ mhd. vrôn (Lexer 3, 529), bezeichnen also Herrenland. In der Sache zu unterscheiden, sprachlich aber meist nicht zu trennen, sind Fron-(d)-FlN, die sich ursprünglich auf zu leistende Frondienste, mhd. vrône, vrôn, vroende st.f. (Lexer 3, 53l; vgl. Weigand/Hirt 1, 590; Kluge/ Mitzka 221; DWB 4 [IV, I, 1], 230-234) bezogen (DRWb 3, 966-971; HRG l, 1306-1312; Dittmaier 79). Im Einzelfall könnte auch mhd. vrôn, vrône st.sw.m. ‚Gerichtsbote, Büttel‘ (Lexer 3, 530) namengebend geworden sein und sich auf diesem überlassenes Nutzungsland beziehen; zumindest im Waldeckischen galt diese Bezeichnung für den Gerichtsboten bis ins l8. Jh. (WaldWb 14l); KehreinWb 145 führt sie als „veraltet“ an. Die Fron ,Frondienst‘ ist in Südhessen als Wort noch bekannt (SHessWb 2, 967f.), dial. diphthongiert > [frou].
Das ebenfalls ,Herrenland‘ bezeichnende Sal, Sel kann in seiner heutigen Distribution in hessischen FlN nicht dargestellt werden, da die rezenten Formen eine einigermaßen sichere Trennung von Sohl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 116) und als BT vor allem von Sal-, Sel- ‚Salweide, salix‘ nicht gestatten.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 14
Stück n.
- 1
Stück, ahd. stuki, stu(c)che st.n. ‚Stück, Teil‘ (Schützeichel 186) mhd. stücke, stück; stucke, stuck (Lexer 2, 1259) ist „seit dem 13. Jh. im Sinne von Acker, Feld, Grundstück, zuerst besonders in Flurbeschreibungen bezeugt“ (DWB 20 [X,IV], 212). In dieser Bedeutung ist Stück auch für das Hessische (HNassWb 3, 872) belegt. Als FlN bezieht sich Stück darauf oder auf ein „Teilstück eines Ganzen, also auch von Wald und Wiese“ (Dittmaier 307).
Da ca. 3500 rezente FlN mit Stück gebildet sind, mußte eine Auswahl getroffen werden, damit ein aussagefähiges Bild zustandekommt. Ausgewählt wurden solche Namentypen, in denen sich das Merkmal des Feldteils, des größeren Flurstücks besonders deutlich widerspiegelt: Neben dem Simplex Stück die Typen, die auf ein verhältnismäßig großes Stück hindeuten (großes, langes, breites Stück), sowie diejenigen, die im BT auf Besitzstücke geistlicher oder weltlicher Herren hinweisen. Damit wird auch der agrargenetische Gesichtspunkt berücksichtigt, daß viele Stück-Fluren besonders groß sind und anscheinend oft erst verhältnismäßig spät in die Vergewannung einbezogen wurden, also nicht nur „kleinere Teile des Restlandes“ darstellen (Flechsig 1959a, 44). Darauf deuten auch die aufgenommenen Kombinationstypen mit Stück als BT (Stück(s)acker‚ Stück( s)feld) hin.
Diese Namentypen dürften zudem die älteren Schichten der Stück-Namen repräsentieren, denen die zahlreichen, oft wohl jungen Wiesen-‚ Kraut-‚ Erlenstücke usw. gegenüber stehen.
- 2
1. Etwas fraglich ist die Zugehörigkeit der wenigen stuck-Namen, doch scheint es sich um Reste nichtumgelauteter Formen zu handeln.
2. Abweichend vom sonstigen Verfahren wurde bei Stück auf die Kennzeichnung vom Mehrfachvorkommen am Ort verzichtet, weil es auf die speziellen Namentypen ankam.
3. Baumstück (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 12) ist nicht aufgenommen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 48
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Fron-Stück: unter Rimbach im Frohnstrüchen (Queck)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/153541_unter-rimbach-im-frohnstruechen> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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