Farren-Büschel: Fahrnbüschel
Beleg
Standard-Flurname
Farren-Büschel
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
19. Jahrhundert
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1. · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys
Weitere Belege
Deutungen
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Büschel
Büschel ist meist ein Diminutiv zu ahd. busc, mhd. busch st. M. ‚Strauch, Gehölz‘. Der Name ist nur im Odenwald verbreitet.
Farren
Meist zu ahd. far, farro, mhd. var, varre st. M. ‚Zuchtstier‘. Die Leitform in Südhessen ist Farren, in Langen-Brombach, Messel, Rimbach, Seligenstadt, Ueberau, Unter-Flockenbach, Wald-Michelbach hat sich das ältere starke Maskulinum far erhalten. Die Namen beziehen sich entweder auf den Ort bzw. die Weide, wo der Stier gehalten wurde, oder auf Grundstücke, deren Ertrag dem Stierhalter zugute kam. Vereinzelt kann allerdings auch nhd. Farn, so vielleicht in Eberstadt, häufiger auch Fahr, mhd. var st. N. ‚Platz, wo man überfährt; Fähre‘ zu Grunde liegen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Bühl m.
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Bühl geht zurück auf ahd. buhil st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1480), mhd. bühel st.m. ,Hügel‘ (Lexer 1, 379), mnd. bûl m. (Schiller/Lübben 1, 447).
Als Wort ist Bühl den hessischen Mundartwörterbüchern nicht mehr bekannt, wohl aber als FlN (KehreinWb 100; SHessWb 2, 1211; Vilmar 59; WaldWb 17).
Allgemein bezeichnet Bühl eher kleinere Bodenerhebungen (Arnold 339; Genzel 24; Schrickel 18). Bühl weist eine Fülle von Namenvarianten in hessischen FlN auf, wobei neben der Vokalvarianz (/i(:)/‚ /e(:)/, /ü(:)/, /oi/) vor allem auch verschiedene intervokalische Konsonanten (/g/‚ /ç/‚ /ʃ/‚ /d/) in Varianten auftreten.
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Die Identifizierung der Namen bereitet Schwierigkeiten. Eine Reihe von Bühl-Namen ist wohl unter den meist als Simplex erscheinenden, assimilierten FlN auf -el verborgen. Eindeutig zum Namenbestand Bühl zuordnen kann man nur Steimel u. ä.‚ die auf Steinbühl zurückgehen. Hier kann allerdings in seltenen Fällen eine Überschneidung mit Steinmal vorliegen (Arnold 340; E. Christmann 1952, 116f.; Hänse 156; G. Müller 1985, 157). Außer Namen mit BT Stein- wurden keine anderen -el-Kombinationstypen berücksichtigt, da in den meisten Fällen der BT aus dem rezenten Namenbestand heraus nicht hinreichend gesichert erscheint.
In Waldeck kann es bei den Mundartformen mit intervokalischem /d/ (beudel, büdel) zu Überschneidungen mit ,Beutel‘ kommen (B. Martin 1984, 255f.; G. Müller 1985, 157); besonders im Kinzigraum, aber auch im übrigen Hessen können die Varianten mit intervokalischem /g/ (biegel, bügel) auf ,Bügel‘ zurückgehen (G. Müller 1985, 157; vgl. zum Zwischenkonsonanten /g/ auch HSS K. 203 und Textband 293f.).
Die spirantisierten Mundartvarianten /büʃel, biʃel/ können zu Büschel gehören oder umgelauteter Diminutiv von Busch sein. Sie wurden nur berücksichtigt, wo die amtliche Form eine Zuordnung nahelegte.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 71
Farren m. / Brüll-; Brummel-; Fasel-; Reitochse m. / Bulle m. / Stier m.
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Die zahlreichen Bezeichnungen für den Zuchtstier beziehen sich entweder auf den Ort oder die Weide, wo der Stier gehalten wurde, oder auf Grundstücke, deren Ertrag dem Stierhalter zugute kam.
Am häufigsten ist der Farr(en) belegt, ahd. far, st.m. farro sw.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 567,630), mhd. var st.m., varre sw.m. (Lexer 3, 20, 24). Während das Wort im Ahd. nur selten schwach flektiert wird, ist dies im Nhd. die Regel (Weigand/Hirt 1, 501; Kluge/Mitzka 185; DWB 3 [III], 1333). Im Hessischen ist Farr(en) südlich des Mains noch als Wort gebräuchlich, wird auch von E. Alberus (ein farr / steigfarr) genannt (SHessWb 1, 356f.). KehreinWb 133 verzeichnet als rhein. Faremschwanz ,Ochsenziemer‘, stellt aber keine FlN zu Farren (Nb 383).
Mehrfach wird die allgemeine Bezeichnung Ochse spezifiziert, um das Faseltier zu bezeichnen:
Brüllochse (zu brüllen) ist oder war anscheinend als Wort in ganz Hessen verbreitet (SHessWb 1, 1169; WaldWb 16; KehreinWb 98; Crecelius 214). Vilmar 289 nennt es „die üblichste Bezeichnung des Zuchtochsen“; v. Pfister 37 ergänzt, daß es „zumal auch kindlichem Munde“ angehöre. Jedoch nur Crecelius 214 erwähnt auch die Substantivierung der Brüller, die in hessischen FlN häufiger vorkommt.
Brummelochse (zu brummen) war wohl ein weniger gebräuchliches Synonym, besonders in Süd- und Mittelhessen (SHessWb 1, 1172; KehreinWb 98; Crecelius 214; Vilmar 289), wird aber von v. Pfister 37 als „eine weit im Lande verbreitete Benennung“ angeführt.
„Hier und da“ (KehreinWb 327), „nicht viel gebräuchlich“ (Crecelius 690), hauptsächlich anscheinend im Westhessischen (HNassWb 2, 838), ist die Bezeichnung Reitochse (mhd. rît-ohse sw.m.; Lexer 2, 467) verbreitet (DWB l4 [VIII], 789).
Vereinzelt schließlich kommt in hessischen FlN der Faselochse vor, zu ahd. fasal st.m.n. ‚Same, Frucht; Nachkomme‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 640f.), mhd. vasel st.m. ‚der Fortpflanzung dienendes männliches Vieh, Zuchtstier ...‘ (Lexer 3, 28), bei Alberus Fasel ‚semen‘ (Crecelius 365). Fasel bezieht sich auch auf weibliche Zuchttiere und Jungtiere (Faselschwein, Fasellamm; WaldWb 28; vgl. Weigand/Hirt l, 502; Kluge/ Mitzka 185; DWB 3 [III], 1337). Im Hessischen war Fasel, zumindest in bezug auf den Zuchtstier, anscheinend nicht sonderlich verbreitet (vgl. v. Pfister 311) und überlagert in Südhessen erst in jüngerer Zeit die alten Synonyme (SHessWb 2, 360). In FlN tritt die Bezeichnung selten auf; deshalb wurden neben Faselochse die wenigen weiteren mit Fasel- gebildeten Namen aufgenommen.
Die Bezeichnung der Bulle stammt aus dem Niederdt.‚ mnd. bulle (Schiller/Lübben 1, 449). Sie wird von J. Grimm (DWB 2 [II], 514) mit bellen in der Bedeutung ,brüllen‘ in Verbindung gebracht, während Weigand/Hirt 1, 306 und Kluge/Mitzka 110 etymologische Urverwandtschaft mit griech. phallos ,Glied‘ annehmen (mit Verweis auf hess. bille, biller ‚Penis‘; Vilmar 37). Im Mitteldt. ist Bulle erst in der Neuzeit belegt, im Hessischen zuerst 1613 (SHessWb 1, 1213). Als Wort wird Bulle außerdem bei KehreinWb 100 als Bullochs und im WaldWb 17 aufgeführt.
Der Stier, ahd. stior m. (Graff 6, 702), mhd. stier st.m. (Lexer 2, 1190) ist ein gemeingerm. Wort (Kluge/Mitzka 749; Weigand/Hirt 2, 971) für das männliche Rind, in der speziellen Bedeutung ,Zuchtstier‘ dialektal aber wohl nur im Alemannischen üblich, sonst „durch andere Wörter, z. B. bulle und farre, stark beschränkt“ (DWB 18 [X,II,2]‚ 2845, 2847). Als Wort ist Stier in Hessen ‚nur spärlich bezeugt‘ (HNassWb 3, 786) und wird von den älteren Wörterbüchern nicht erwähnt.
Wieweit einzelne Ochsen-FIN sich auf den Zuchtstier beziehen, läßt sich nicht feststellen. Ochsen-FlN sind gleichmäßig und dicht über ganz Hessen verbreitet. Eine kartographische Darstellung erübrigt sich, da auch die Verteilung der Hauptvarianten /ogse/ und /o(:)se/ nicht erkennbar von der dialektalen Verbreitung abweicht.
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1. Bei den Farren-Namen ist Vermengung mit nhd. Farn nicht auszuschließen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 44
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Farren-Büschel: Fahrnbüschel (Ellenbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/153239_fahrnbueschel> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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