Alte-Strut-Galle: ALTENSTRUTHSGALLE ['aːn'ʃdrɔʊds,gɑn]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Galle
Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *ghel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte, geschwulstartige Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen, des Wasserhaltigen käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit zustande.
Strut
Die angeführten Belege gehören zu ahd. struot , mhd. struot, strût st. F. ‚Sumpf; Gebüsch, Buschwald, Dickicht‘. Der in Hessen außerordentlich verbreitete FlN benennt entsprechend meist, aber durchaus nicht immer, mit Busch oder Wald bewachsene Feuchtgebiete.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Galle
Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *g hel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte ‚geschwulstartige‘ Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen (etwa in Gallborn und auch in Gallenbach) käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit hinzu.
Strut
Alle angeführten Belege gehören mit Sicherheit oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ahd. struot F. ‚Sumpf‘, mhd. struot, strût st. F. ‚Sumpf; Gebüsch, Buschwald, Dickicht‘. Der in Hessen außerordentlich verbreitete FlN benennt entsprechend meist, aber durchaus nicht immer mit Busch oder Wald bewachsene Feuchtgebiete. In Südhessen herrscht eine umgelautete Variante mhd. *strüet vor, die - oft früh zu */ʃdriːd/ entrundet - noch in den Diphthongierungsprozess gerät. In diesen Fällen fällt der Name lautlich mit Streit (s. d.) zusammen. Die historischen Belegreihen und die Kompositionstypen erlauben aber meist eine klare Trennung. In anderen Fällen wird zu Stritt gekürzt. Die Strut-Variante erscheint gelegentlich nach dem gleichen Vorgang zu straut diphthongiert und vereinzelt zu /ʃdrɑːd/ weiter monophthongiert (Momart). - Der FlN in Birkert ist wohl Diminutiv.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Galle f.
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Der FlN Galle geht zurück auf ahd. galla, calla sw.f. ,Galle‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 4, 29), mhd. galle sw.f. ‚Galle, Bitteres überhaupt‘ (Lexer 1, 729), ,geschwulstartige Stelle‘ (Weigand/Hirt 1, 615; Kluge/Mitzka 229). Als Bezeichnung für ‚fehlerhafte Stelle in Naturdingen‘ meint Galle einen ,unfruchtbaren, schlechten Fleck im Ackergrund und auf Wiesen‘ (DWB 4 [IV, I, 1], 1188), d. h. zu trockene, steinige oder auch zu nasse, quellige Stellen in Äckern und Wiesen.
Galle ist im Hessischen ebenso wie in großen Teilen des oberdeutschen Sprachraumes verbreitet und dient als Benennung für ‚nasse Stellen im Acker, in der Wiese, Quellen in Wiesen‘ (SHessWb 2, 1063; Buck 77; Keinath 42; PfälzWb 3, 16; RheinWb 2, 988; SchwäbWb 3, 31; BadWb 2, 280; Schmeller 1, 890). Auch für das Gebiet Frankenberg, Kirchhain, Marburg und den Kreis Wetzlar haben Leinweber (36 u. K. 38) und Wenzel (1930, 53 u. K. 61) Galle als überwiegende Bezeichnung für ‚nasse Stelle im Acker‘ festgestellt.
Der FlN Galle wird für Äcker und Wiesen mit nassen, quelligen Stellen sowie für ,steinige Stellen im Acker und solche, die nach Regen sehr feucht und bei Trockenheit sehr trocken sind‘ verwendet (Dittmaier 82).
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Die Identifizierung der Galle-Belege bereitete keine großen Schwierigkeiten. Die Formen Goll- und Gell- (,Gold-, Gelb-‘) wurden nicht mit aufgenommen, da diese Namen ein anderes namengebendes Motiv haben (vgl. Debus 1964, 250f.; Knöpp 18).
Die morphologische Struktur der mit Goll- und Gell- gebildeten Namenkomposita unterscheidet sich deutlich von den Galle-FlN, bei denen -born‚ -brunnen‚ -acker‚ -wiese‚ -grund als GT typisch ist.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 118
Strut f.
- 1
Strut geht auf ahd. struot st.f. ,Sumpf‘ (Schützeichel 186), mhd. struot, strût st.f. ‚Sumpf; Gebüsch, Buschwald, Dickicht‘ (Lexer 2, 1254) zurück, wobei unklar ist, ob und ggf. in welchem etymologischen Verhältnis die beiden Grundbedeutungen ‚Sumpf‘ und ‚Wald‘ zueinander stehen (DWB 20 [X, IV], 147). Udolph 298 spricht Strut „bildungsmäßig als urgermanischen Rest“ an. Für Hessen jedenfalls, wo das Wort mindestens noch im 16. Jh. lebendig war (vgl. Crecelius 821), während es heute unbekannt ist (HNassWb 3, 869), steht aufgrund der überaus zahlreichen FlN außer Frage, daß Strut sich in den weitaus meisten Fällen auf ,sumpfigen Buschwald‘ bezieht (vgl. Dittmaier 307 ; KehreinWb 398, Nb 148) und damit in der Sache Klauer (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 125) entspricht. Allerdings benennt der Name, wenn auch seltener, höhergelegene Waldstücke oder Bergrücken, denen das Merkmal des feuchten Bodens fehlt. (Genauere Beschreibungen mit Belegen bei Arnold 498-502.
Der FlN Strut weist im Hessischen eine Fülle dialektal bedingter Varianten auf. Auszugehen ist jedoch vom Nebeneinander von *struot und einem umgelauteten *strüet. *strüet ist aus der Genitiv- und Dativform auf -i bei manchen fem. -i-Stämmen, zu denen ahd. struot gehört, entstanden (Bach 2 § 122). Die aus *strüet entstandene Variante /ʃdri:d/ u. ä. herrscht in Südhessen vor. Im übrigen Hessen gelten als hauptsächliche Varianten die aus *struot über mitteldt. monophthongiertes *stru:t entstandenen Varianten Strut (meist mit Kurzvokal: /ʃdrud/) und /ʃdraud/ (mit zentralhess. steigendem Diphthong) sowie gesenkte und gerundete Varianten wie Strot, Strüt. Bei Stroit ist der Umlaut oft durch Diminutiv oder Plural bedingt.
- 2
Schwierigkeiten bereitet die in Südhessen vorkommende diphthongierte und mit nhd. Streit zusammenfallende Variante Streit (< *stri:t). Aufgenommen wurden die durch fem. Genus und Strukturtyp (GT, Simplex) eindeutig zuzuordnenden Belege, ausgeschlossen blieb Streit- als BT.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 124
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Alte-Strut-Galle: ALTENSTRUTHSGALLE (Ober-Ohmen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/151923_altenstruthsgalle> (aufgerufen am 06.11.2026)
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