Stein-Galle: Auf der Steingalln
Beleg
Standard-Flurname
Stein-Galle
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1768
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 258/4.
Weitere Belege
- 1768: Auf der Steingalle [Acker]
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 258/4., fol. 28 - 1768: Auf der Steingall [Wiese]
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 258/4., fol. 30'
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Galle
Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *ghel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte, geschwulstartige Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen, des Wasserhaltigen käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit zustande.
Stein
Die Namen verweisen - in sehr unterschiedlicher Weise - allgemein auf das Material Stein, ahd. mhd. stein st. M. In historischen Belegen zeigt sich öfter Monophthongierung zu /e:/. (1) Die Namen beziehen sich großenteils auf natürliche Steinvorkommen, sei es die steinige Bodenbeschaffenheit, seien es auffällige Steinvorkommen. Genutzt und abgebaut werden Steine für Bauzwecke in Steinbrüchen, die meist Steingrube oder Steinkaute genannt werden. Größere natürliche Steinansammlungen, besonders an Hängen, heißen Steinrück(en), Steinritz, Steinrutsche. Steinige Hügel heißen Steinbühl, ein FlN, der oft sehr verschliffen als Steimel u. ä. erscheint. Auf die Probleme, die mit der agrarkulturellen Nutzung steinigen Bodens verbunden sind, weisen z. B. Namen wie Steinacker und Steinfeld hin. (2) Die zweite große Gruppe der Stein-FlN bezieht sich auf meist einzelne Steine, die als natürliche Erscheinung markant hervortretend oder durch menschliche Tätigkeit aufgestellt und bearbeitet bestimmte Aspekte der bäuerlichen Kultur repräsentieren. Das sind vor allem solche der kommunikativen Orientierung und der Begrenzungen (z. B. die Marksteine), soweit sie nicht als historische Relikte zu verstehen sind wie das Steinmal, die Steinkammer, der heilige Stein oder die langen Steine. (3) Schließlich gibt es die Gruppe der kulturellen Objekte aus Stein wie die Steinstraßen und Steinbrücken u. ä. An Steinfurten wurde das Durchqueren des Gewässers durch Steine ermöglicht.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Galle
Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *g hel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte ‚geschwulstartige‘ Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen (etwa in Gallborn und auch in Gallenbach) käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit hinzu.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Galle f.
- 1
Der FlN Galle geht zurück auf ahd. galla, calla sw.f. ,Galle‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 4, 29), mhd. galle sw.f. ‚Galle, Bitteres überhaupt‘ (Lexer 1, 729), ,geschwulstartige Stelle‘ (Weigand/Hirt 1, 615; Kluge/Mitzka 229). Als Bezeichnung für ‚fehlerhafte Stelle in Naturdingen‘ meint Galle einen ,unfruchtbaren, schlechten Fleck im Ackergrund und auf Wiesen‘ (DWB 4 [IV, I, 1], 1188), d. h. zu trockene, steinige oder auch zu nasse, quellige Stellen in Äckern und Wiesen.
Galle ist im Hessischen ebenso wie in großen Teilen des oberdeutschen Sprachraumes verbreitet und dient als Benennung für ‚nasse Stellen im Acker, in der Wiese, Quellen in Wiesen‘ (SHessWb 2, 1063; Buck 77; Keinath 42; PfälzWb 3, 16; RheinWb 2, 988; SchwäbWb 3, 31; BadWb 2, 280; Schmeller 1, 890). Auch für das Gebiet Frankenberg, Kirchhain, Marburg und den Kreis Wetzlar haben Leinweber (36 u. K. 38) und Wenzel (1930, 53 u. K. 61) Galle als überwiegende Bezeichnung für ‚nasse Stelle im Acker‘ festgestellt.
Der FlN Galle wird für Äcker und Wiesen mit nassen, quelligen Stellen sowie für ,steinige Stellen im Acker und solche, die nach Regen sehr feucht und bei Trockenheit sehr trocken sind‘ verwendet (Dittmaier 82).
- 2
Die Identifizierung der Galle-Belege bereitete keine großen Schwierigkeiten. Die Formen Goll- und Gell- (,Gold-, Gelb-‘) wurden nicht mit aufgenommen, da diese Namen ein anderes namengebendes Motiv haben (vgl. Debus 1964, 250f.; Knöpp 18).
Die morphologische Struktur der mit Goll- und Gell- gebildeten Namenkomposita unterscheidet sich deutlich von den Galle-FlN, bei denen -born‚ -brunnen‚ -acker‚ -wiese‚ -grund als GT typisch ist.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 118
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Stein-Galle: Auf der Steingalln (Michelbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/144221_auf-der-steingalln> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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