Leite: an der leiden

Historischer Beleg aus Gontershausen  
Gemeinde
Homberg (Ohm)
Landkreis
Vogelsbergkreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Leite

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1576

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 178/6.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Leite

Kaum zu ahd. lîta, mhd. lîte sw. F., frühnhd. leite ‚Berghang, Abhang‘, sondern, wie mit Bestimmtheit in Oppenrod, zu ahd. leitî st. F. ‚Führung‘, mhd. leite st. sw. F. ‚Leitung, Führung; Weg, auf dem gefahren wird; Fuhre‘. Die Namen verweisen dann auf Fahrwege.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Leite

Wohl nur selten (wenn überhaupt) zu ahd. lîta, mhd. lîte sw. F., fnhd. leite ‚Berghang, Abhang‘, da in Südhessen zur Benennung von Flurstücken in Hanglage der Name Halde vorherrscht1. Ein Teil der Namen dürfte stattdessen auf ahd. leitî st. F. ‚Führung‘, mhd. leite st. sw. F. ‚Leitung, Führung; Weg, auf dem gefahren wird; Fuhre‘ zurückgehen und auf Fahrwege verweisen; der historische GewN Leitbach (Biblis, Wattenheim) wiederum ist zu rhein. Leite ‚Bach, künstlicher Entwässerungsgraben, bes. als Grenze‘ zu stellen und bezieht sich vermutlich auf einen (künstlichen?) Wasserlauf, der der Zu- oder Ableitung von Wasser diente.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Leite, Liete f.

1

Leite, ahd. lîta sw.f. (Schützeichel 115), mhd. lîte sw.f. (Lexer 1, 1939), mnd. lît f. (Lasch/Borchling 2, 833), bezeichnet als Wort und als Name einen Bergabhang, eine Halde und ist etymologisch mit lehnen verwandt (Weigand/Hirt 2, 52; Kluge/Mitzka 435). „Das Wort hat sich heute noch im bairischen und fränkischen Sprachgebiete erhalten“ (DWB 12 [VI], 728; vgl. Valtavuo 122f.). In Hessen ist das Wort verschwunden (HNassWb 2, 117), war aber bis in den Beginn des 19. Jh.s. „wenigstens noch hier und da“ lebendig (Vilmar 251; vgl. Arnold 34l; Crecelius 555).

Im hessischen Monophthonggebiet lautet die Standardform /li:de/- Liede, manchmal zu /le:de/ gesenkt und beides oft gekürzt: /lid(e), led(e)/. Mitunter weisen die mündlichen Formen von Leite und Liete Rundung zu /loid(e)/ und /lü(:)d(e)/ auf. Sehr verbreitet in allen Varianten ist der Rhotazismus /d/ > /r/.

2

Die Identifizierung der Hauptmasse der Namen ist unproblematisch. Vermengungen können im Einzelfall bei einigen Varianten vorliegen:

l. Bei Leit- als BT kann Herleitung von leiten vorliegen. Ausgeschieden wurden Leitgraben u.ä.; unsicher sind Typen wie Leithecke, Leitacker u.ä., die jedoch in der Regel aufgenommen sind. Das betrifft vor allem auch den Wetterauer Einzelbeleg „Leitweide“ in 5818c4 Niederdorfelden MKK.

2. Bei monophthongischen Belegen kann vereinzelt Vermengung mit Lager (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 42) und Lett(en) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105) vorliegen, bei der /e:/-Variante wohl höchstens am Nordrand mit ostfäl. Legde, Lede, < mnd. lêgede ,liegengelassenes Land‘ (Flechsig 1959 b, 49; Lasch/Borchling 2, 769; DWB 12 [VI], 537).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 86

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Leite: an der leiden (Gontershausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/127026_an-der-leiden> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/127026