Zwer-Au: in der Zwirnau

Historischer Beleg aus Götzen  
Gemeinde
Schotten
Landkreis
Vogelsbergkreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Zwer-Au

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1768

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 258/4.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Au

Zu ahd. ouwa, mhd. ouwe st. F. ‚Land am oder im Wasser, feuchter Wiesengrund, Flussinsel‘. Gelegentlich auftretende Graphien <h> und (vereinzelt) <g> sind in der Stellung zwischen zwei Vokalen als Schreibungen für einen Gleitlaut aufzufassen, der zur Ausspracheerleichterung dient. - Die Auzahl in Münster legt schon wegen des GTs Zahl ‚Schwanz‘ (s.d.) die Vermutung nahe, dass der BT Au Ergebnis einer Umdeutung ist. Der Beleg von 1489 lässt offen, ob mit <Auwer> der Auerhahn (s.d.) oder der Auerochse gemeint ist, deren Schwanz das namengebende Motiv bildete. Bei beiden Varianten ist dann allerdings erstaunlich, dass die Diphthongierung /u:/ > /au/ hier schon vollzogen ist.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Au

Zu ahd. ouwa, mhd. ouwe st. F. ‚Land am oder im Wasser, feuchter Wiesengrund, Flussinsel‘. Gelegentlich auftretende Graphien lgg, ,hh und bb sind in der Stellung zwischen zwei Vokalen als Schreibungen für einen Gleitlaut aufzufassen, der zur Ausspracheerleichterung dient. Au- und Aab-Belege stehen öfter nebeneinander; so auch in Bensheim, wo der Au-Name in der Raab-Straße aufgegangen ist1.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Quer, Zwerch

1

Bei den mit den Adjektiven Quer und Zwerch gebildeten hessischen FlN ist vor allem die Verteilung der mündlichen Varianten von Interesse; denn die Sachbedeutung ist allemal die gleiche wie nhd. quer ‚quer(-liegend), schräg‘: Sie bezieht sich auf querliegende, Anwendern (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 8) vergleichbare Grundstücke oder Gewanne.

Ausgangsformen sind ahd. twer (Schützeichel 36), dwerh, dwerah, twerah (Braune-Eggers § 167 A.8; DWB 32 [XVI], 1084), mhd. twer, twerch, dwerch (Lexer 2, 1598f.) mit der Substantivierung twerhe st.f. ‚Quere‘ (Lexer 2, 1600). Ab dem 14. Jh. entwickelt sich der /dw‚ tw/-Anlaut teils zu /tsv/, im Mitteldt. und Elsässischen zu /kv/ (DWB 13 [VII], 2355; DWB 32 [XVI], 1085; Paul-Moser-Schröbler § 106, § 116.2.b2; HSS K.172 und Textband 259). quer hat sich „vom Md. aus in der Schriftsprache seit dem 18. Jh. durchgesetzt ...; zwerch lebt nur noch in den Maa., und zwar in allen obd. Dialekten, im Westmitteldeutschen und vereinzelt im Schlesischen“ (DWB 32 [XVI], ebd.). Im Niederdt. wurde die Verschiebung des /dv, tv/-Anlauts nicht durchgeführt (Schiller/ Lübben 1, 614).

In den einschlägigen hessischen FlN spiegelt sich die Vielfalt der dialektalen Varianten. Neben „reich“ belegtem Adj. quer hat sich bis heute querch in der Bedeutung ‚verkehrt‘ erhalten (HNassWb 1, 730; Vilmar 309); aber noch im 19. Jh. ist „quer wenig gebraucht, dafür sagt man lieber querch, zwerch, zwerscht, wersch, werscht, die drei letzten mit lang und tief gesprochenem e; querch gehört hauptsächlich dem Vogelsberg an“ (Crecelius 669). Die Sonderform Wärsch f. ,Quere‘ mit plosivlosem /v/-Anlaut erscheint oft mit einem unorganisch angehängten /t/ : Wärscht, Werst, so schon bei Estor 1406: „der werst, zwerch über“ (Vilmar 442; vgl. v. Pfister 216f.). Für das Nassauische belegt KehreinWb 457 nur “Zwers, Zwersch, Dialektform von zwerch“.

Eine Sonderform zu zwerch stellt schließlich überzwerch, das ebenfalls mhd. belegt ist (Lexer 2, 1599), dar.

In der FlNgebung ist zu unterscheiden, ob das Adj. als BT des Namens auftritt oder ob eine Substantivierung, meist als Quere oder Querche(n)‚ vorliegt.

2

Eine Verwechslung der /dsverç/-Formen mit Zwerg ist trotz dialektaler Gleichlautung unwahrscheinlich, weil für diesen in Hessen Wichtel gebräuchlich war (v. Pfister 216). Bei den /gv/- Formen mit /gve:ren/ als BT kann im Einzelfall Vermengung mit mhd. kürne, kürn, kurn st.f. ,Mühle‘ vorliegen (Lexer 1, 1794; vgl. Vilmar 309)

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 10

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Zwer-Au: in der Zwirnau (Götzen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/126867_in-der-zwirnau> (aufgerufen am 05.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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