Rod-Stoß: vorm Rodenstoß
Beleg
Standard-Flurname
Rod-Stoß
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1574
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 113/1.
Weitere Belege
- 1720: im Rodenstoß [Garten]
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 113/3., fol. 578
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st.N.F.‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Die zahlreichen Belege weisen eine Fülle von sprachlichen Varianten auf. Neben den häufigen /ro:t, rot/-Formen sind es vor allem /rö:de/-Formen. Soweit sie als Sg. fem. identifizierbar sind, gehen sie auf eine Nebenform von mhd. riute zurück, in der der Stammvokal gekürzt uns zu /ö/ gesenkt ist, um dann durch die Dehnung in offener Silbe zu /rö:de/ zu werden. /rö:de/ kann aber auch Plural zu Rod sein und konkurrieiert dann mit der Pluralform auf /-er/: Röder, mundartlich oft zu /re:rer/ entrundet und weiter zu /ri:rer/ gehoben. Rod-Formen erscheinen häufiger mit Senkung zu /a/ (Rad). Bei mündlichen /u:/-Formen wurde in der Regel angenommen, dass sie zu rot gehören, womit Vermengung ohnehin leicht möglich ist. Für den /d/-Laut kommt neben regelmäßigem Rhotazismus zu /r/ gelegentlich Lamdbazismus zu /l/ vor (Röder Loch in Odenhausen (Rabenau)). - In diesem wie in einigen andern Fällen ist nicht auszuschließen, dass die Namen an SiedlungsN Rod erinnern, über die aber nichts weiter bekannt ist.
Stoß
Name eines Waldstücks mit Steilhang. Der Name gehört deshalb zu ahd. mhd. stôz st. M. ‚Stich, Stoß‘ in der Bedeutung ‚jäher Abhang, Hügel‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st. N. ‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Der FlN Rod ist in vielen Varianten im ganzen Untersuchungsgebiet dicht und früh (13./ 14. Jh.) belegt. Formen mit Langvokal (in historischen Belegen oft durch Dehnungs-tii gekennzeichnet: roidtr) stehen neben solchen mit Vokalkürze; das /o/ erscheint vereinzelt zu /u/ gehoben, daneben häufig zu /ɑ/ gesenkt (Rad ), besonders im Nordosten des Untersuchungsgebiets. Neben der vorherrschenden Diminutivform Rödchen gibt es im südlichen Untersuchungsgebiet die mit dem Suffix -el gebildete Form Rödel, bei den Pluralformen überwiegt die Form Röder. Auch hier zeigt sich starke Varianz im Bereich des Vokalismus, die in einzelnen Fällen zu Umdeutungen und Verballhornungen geführt hat: Rädchen, Rädel, Rodel, Riedel, Rüdel, Rudel; Räder, Roder, Rieder, Rüder. Die Abgrenzung von Rod gegen rot (und den FamN Rot, Roth) ist - vor allem in den historischen Belegen - nicht immer zweifelsfrei möglich.
Stoß
Von den beiden Hauptbezügen der Stoß-FlN als ‚jäher Abhang, Hügel‘ und ‚Stelle, wo Äcker aufeinanderstoßen‘ trifft hier der erste Sachverhalt zu, da der FlN an einem ziemlich steilen Hang haftet. Der Name geht damit auf ahd. mhd. stôʒ st. M. ‚Stich, Stoß‘ zurück.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Stoß m. / Stutz m.
- 1A
Der Stoß, ahd. stôz st.m. (Schützeichel 185), mhd. stôz, st.m. (Lexer 2, 1217) ist Substantivierung zu stoßen (Weigand/Hirt 2, 980). In FlN haben sich - von der allgemeinen Bedeutung des ,(An-)Stoßens‘ ausgehend - zwei verschiedene Sonderbedeutungen niedergeschlagen: l. ‚jäher Abhang, Hügel‘ (Dittmaier 304; nach RheinWb 8, 762 auch ‚kurzer, steiler Weg, Anstieg‘), das sich auch im Wortgebrauch in Hessen restweise nachweisen läßt (HNassWb 3, 813). 2. ‚Stelle, wo Äcker aufeinanderstoßen‘ (Dittmaier ebd. nach KehreinNb 567), also sachentsprechend Anwender, Anthaupt (K. 8, 9) (DWB 19 [X, III], 475). Die Namenformen und Kombinationstypen sowie die Verbreitung der Namen machen es wahrscheinlich, daß die Hauptmasse der Namen auf die erste Bedeutung zurückgeht. Stoß, durchweg kurzvokalisch, weist neben der dialektal üblichen Hebung > /u/ (/ʃdus/‚ manchmal /ʃdu:s/) mitunter eine umgelautete Variante /ʃdös, ʃdes, ʃdis/ auf. Vereinzelt sind unverschobene Formen < mnd. stôt m. (Schiller/Lübben 4, 417) belegt.
- 1B
Der Stutz, mhd. stuz, stutz st.m. ‚Stoß, Anprall‘ (Lexer 2, 1283), ist eine Substantivierung zu stutzen ‚stoßen, hemmen, zögern, prangen, aufrecht stehen‘, einem Intensivum zu stoßen (Kluge/Mitzka 762). Das Wort ist in der Bedeutung ‚Stoß‘ und in der Redensart auf den Stutz ‚plötzlich, unerwartet‘ im Hessischen gebräuchlich (Crecelius 825; Vilmar 407; HNassWb 3, 892; vgl. DWB 20 [X, IV], 738). Aus der Bedeutungskomponente von stutzen ‚steil aufrecht stehen oder stellen‘ (DWB 20 [X, IV], 767) hat sich vor allem im Alemannischen Stutz ‚steiler Hang‘ herausgebildet (DWB 20 [X, IV]‚ 739), das auch im Odenwald und in Mainfranken verbreitet ist (Valtavuo 75-77). Mit diesem Sachbezug tritt auch der hessische FlN auf. Neben Stutz ist die gesenkte Form /ʃdods/ üblich.
- 2B
Bei Stutz ist in Einzelfällen Vermengung mit Stutzen m. ‚Stumpf, Stummel‘ (DWB 20 [X, IV], 755) nicht auszuschließen. Wahrscheinlich gehören die Belege in 5718d2 Rodheim v.d.H. WET, 6117b1 Pfungstadt DAD, 6217d1 Allmendfeld GRG eher zu Stutzen. Manchmal scheint Vermischung mit Sturz eingetreten zu sein, was von der Sache her mit ‚Bergabfall‘ erklärt werden kann.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 88
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Rod-Stoß: vorm Rodenstoß (Elbenrod)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/123242_vorm-rodenstoss> (aufgerufen am 04.11.2026)
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