Hofstätten-Acker: der hoiffstedter Acker

Historischer Beleg aus Deckenbach  
Gemeinde
Homberg (Ohm)
Landkreis
Vogelsbergkreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Hofstätten-Acker

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1587

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 178/2.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Acker

Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker im Untersuchungsraum über zweitausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (z.B. Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (z.B. Steinacker), nach der Größe und Form des Geländes (z.B. Langacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (z.B. Mühlacker) usw. In den frühen Belegen ist die Grenze zwischen Appellativ und Name manchmal noch fließend. Selten taucht Acker als BT oder Simplex auf.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Acker

Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker in Südhessen über sechstausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (Wigantsacker, Schultheisenacker, Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (Steinacker, Rübenacker), nach der Größe und Form des Geländes (Langacker, Krummacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (Ackher beym drey dorn) usw. Die ältesten historischen Belege reichen bis ins 12. Jh. zurück (ad Langenacker, ad Obernacker CodLaur, Nr. 38 14), doch ist die Grenze zwischen Appellativ und Name in manchen frühen Belegen noch fließend (Raunheim 14. Jh. an der Herren Ackir). Relativ selten taucht Acker als BT, noch seltener als Simplex oder Diminutiv auf. Crumstadt weist die Kombination Acker + Furche auf; der GT in Groß-Bieberau/Ueberau (zusammengehörig) geht auf zersprochenes Rain (s. d.) zurück, da Au immer fem. ist.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Hofstatt; Hostert f. / Hausstatt f.

1

Die Hofstatt, ahd. hovestat st.f. ,Wohnstätte, Sitz‘ (Schützeichel 85), mhd. hove-‚ hof-stat st.f. (Lexer 1, 1369), ist ‚die Stätte, worauf ein Bauern-‚ adliger oder fürstlicher Hof errichtet werden soll oder auch errichtet ist, sowie die darauf stehenden Gebäude selbst‘ (DWB 10 [IV‚ II], 1700). In den älteren Quellen schwankt die Bedeutung: Hofstatt kann sich auf die eigentliche Hofanlage beziehen, auf den Grund eines Hofes, aber auch auf das weitere Zubehör an Grund und Boden; Hofstatt ist manchmal identisch mit mansus, manchmal nicht (DRWb 5, 1354-1360; Schwind 1977, bes. 471ff.; Bader 1, 21ff. u. ä.; vgl. Hube → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 18). Als FlN beziehen sich Hofstatt und Hofstätte (vgl. Weigand/Hirt 1, 879; Dittmaier 112) auf ausgegangene Höfe, über deren Funktion als Bauern- oder Herrenhof die Namen selbst jedoch keine Rückschlüsse ermöglichen.

Hofstatt u.ä. scheint als geläufiges Wort in Hessen seit langem ausgestorben zu sein (vgl. SHessWb 3, 651): Vilmar 173 verweist ausdrücklich darauf, daß „die Hofstätte nicht leicht mit dem einfachen Wort Hof bezeichnet (wird)“, sondern „stets Hofreide“ heiße. Rezente Hofreite-FlN sind in Hessen jedoch nur etwa zwanzigmal und in diffuser Streuung belegt (zum Wortgebrauch vgl. SHessWb 3, 650f.; KehreinWb 206). Hofstatt-Namen scheinen deshalb in Hessen verhältnismäßig (wenn auch unbestimmbar) alt zu sein. Als dialektale Hauptvarianten begegnen /ho(:)ve-/ und /ho:b-/ ‚Hof-‘‚ wobei zentralhess. /ho:b/ regelrechten Wandel /f/> /b.p/ im Auslaut aufweist (vgl. Kluge/Mitzka 313; Paul/Moser/Schröbler § 90).

Eine in der Deutung umstrittene Nebenform zu Hofstätte stellt die besonders im Nassauischen verbreitete Form die Hostert u. ä. dar (KehreinNb 462). In den meisten Fällen ist dort Hostert wohl tatsächlich - mit Dittmaier 116 - als ‚Hofstatt‘ zu verstehen, zumal die Orte oft, wenn auch nicht immer (Köster 55 für 5813c5 Langschied RTK), am Rande von Siedlungen liegen (Ziemer). In der Zugehörigkeit unsicher, weil noch weitergehend zersprochen, findet sich Hoset u.ä.‚ das manchmal amtlich als „Hofstatt“ wiedergegeben wird (so 5325a4 Hofaschenbach FUL, 5717b2 Homburg v. d. Höhe HTK).

Zur Kontrolle wurden auch die z. T. unsicheren Belege für Hausstatt, Hausstätte aufgenommen, obwohl Haus in seiner Rechtsqualität nur eingeschränkt mit Hof zu vergleichen ist.

2

Unsicherheiten in der Zuordnung treten vor allem bei Hostert und Hausstätte auf:

1. Bei Hostert können Vermengungen mit Heister(t) ‚jüngere Buchen- und Eichenstämme‘ (vgl. Dittmaier 107) durch dessen mask./ neutr. Genus aufgelöst werden. Manchmal scheint aber Herleitung von < *hoch-statt ,hochgelegene Stätte‘ vorzuliegen (z.B. in 6116c1 Wolfskehlen GRG).

2. Hausstätte ist wegen der Fugenkombination nicht immer sicher von Hau-stätte ‚Ort, wo gehauen wird‘ zu trennen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 132

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Hofstätten-Acker: der hoiffstedter Acker (Deckenbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/120477_der-hoiffstedter-acker> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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