Ziege-Seig: im Zigenseig

Historischer Beleg aus Breungeshain  
Gemeinde
Schotten
Landkreis
Vogelsbergkreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Ziege-Seig

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1579

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 258/2.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Ziege

Zu ahd. ziga, mhd. zige sw. F. ‚Ziege‘. Es konkurrieren Formen mit Senkung von /i/ > /e/ und Formen mit Dehnung von mhd. /i/. Die Verteilung zwischen Geiß und Ziege hält sich in Mittelhessen in etwa die Waage. Die Namen beziehen sich meist auf Aufenthaltsorte für Ziegen, manchmal werden Tierteile metaphorisch als FormN verwendet (Horn, Schwanz, Kopf). - In Krofdorf/Rodheim a.d. Bieber erfolgte Umdeutung zu See.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Ziege

Zu ahd. ziga, mhd. zige sw. F. ‚Ziege‘. Es konkurrieren Formen mit Senkung von /i/ > /e/ und Formen mit Dehnung von mhd. /i/. Die geringe Zahl der historischen Belege zeigt, dass sich das Wort gegenüber dem in Südhessen vorherrschenden Geiß nicht hat durchsetzen können.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Seien m. f.; Siegen m.

1

Die Namen der oder die Seie(n) (meist der Seien, die Seie) und der Siegen gehören etymologisch und in der Sachbedeutung zusammen. Beide gehen auf germ. *sîhwan zurück, wobei durch grammatischen Wechsel Kluge/Mitzka 699) einerseits ahd. sîhan ,(heraus) seihen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîhen ‚trans. seihen, intrans. tröpfelnd durch etwas sickern, fließen‘ (Lexer 2, 919), andererseits ahd. sîgan, sîgen ‚sinken, wanken, sich neigen, sich niedersenken; herabfließen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîgen (Lexer 2, 916) entstehen. Die daraus gebildeten Substantivierungen mhd. sîhe st.sw.f. und sîgen st. n. ‚das Sinken, das Tröpfeln, Fließen‘ (Lexer 2, 919, 917) beziehen sich in FlN auf eine ‚Vertiefung auf dem Felde, wohin das Regenwasser seinen allmählichen Ablauf nimmt, Vertiefung, tiefere Stelle der Flur überhaupt‘ (Vilmar 383; ähnlich Kehrein Wb 374) und entsprechen deshalb in der Sache nicht immer Seife(n) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 120), wie Dittmaier 287, 29l angibt.

Aus den Angaben bei Kehrein ebd. geht nicht klar hervor, ob Seich f., Seihen m. in Nassau im 19. Jh. noch als Wort bekannt war; Vilmar ebd. hingegen berichtet, daß Siegen im „nördlichen Niederhessen“ noch verstanden, aber als Wort nicht mehr verwendet werde (vgl. Arnold 516). Heute ist hier nur noch vereinzelt ein Siegplatz ‚nasse Stelle im Acker‘ belegt (HNassWb 3, 597; vgl. ebd. 558). Gleicher etymologischer Herkunft und in FlN von Siegen kaum zu trennen ist der, das Siech, Sich, Sech u. ä. bzw. unverschoben nd. Siek, Sik, Sege ‚feuchte Niederung, feuchte sumpfige Stelle‘ (Bach 2 § 309), mnd. sîk (sieck, zyk) m.n. ‚wasserhaltiger Grund, sumpfige Niederung, Tümpel‘ (Lasch/Borchling 3, 230). Schließlich scheint es in hessischen FlN noch eine /(e)l/-Ableitung zu den Hauptvarianten zu geben, so daß auch Namen wie Seiel, Seigel, Segel, Sichel u.ä. hierher gestellt werden.

Durch Monophthongierung und Diphthongierung, durch Spirantisierung des /g/ und verschiedenartige Kontrahierungen entsteht dialektal eine Fülle von Nebenvarianten zu den beiden Hauptvarianten des Namentyps.

2

Während die Identifizierung der Hauptvarianten Seie(n) und Siegen ziemlich unproblematisch ist, ist die Ein- und Ausgrenzung der seltener vorkommenden Varianten mit großen Unsicherheiten behaftet, so daß nur eine erste Annäherung an die tatsächliche Verbreitung der Seie(n)-Siegen-Namen in Hessen erfolgen kann, die durch Realproben und historische Belege im einzelnen gesichert werden müßte. Das gilt besonders

l. für die gesamte Gruppe der Namen mit der vermuteten /(e)l/-Ableitung, für die bisher außer durch Kombinationstypen nur gelegentlich eine Sachbestätigung gefunden werden konnte (Henn 1977, 75 für 4925c1 Sontra WMK);

2. für das Vorkommen der Nebenvarianten als BT von FlN, wo zahlreiche Vermengungen mit anderen Namen vorliegen. So sind die Secken-‚ Sicken-Belege aufgenommen, obwohl sie sicher z. T. auf PN (Förstemann 1, 1317ff.), im Einzelfall vielleicht auch auf mnd. segge ,Riedgras‘ (Bach 2 § 323) zurückgehen. Ausgesondert wurden nur die Belege für den „Siegbach“ (links zur Dill) und für die Wüstung „Seckbach“ (in 5219d2 Wittelsberg MBK: 831/850 „Sigibach“; Reuling 1979, 282).

3. Der mehrfach belegte FlN Sechling gehört nicht hierher: ,Gebund, Garbe‘ (Crecelius 785; HNassWb 3, 589).

Unberücksichtigt blieben auch Belege mit genitivischem /-s/ im BT wie Sichels-‚ Siegels-‚ weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen PN oder FamN zurückgehen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 119

Ziege f., Zicke f.

1

Die Ziege, ahd. ziga sw.f. (Schützeichel 246), mhd. zige sw.f. ,Ziege‘ (Lexer 3, 1109) wurde als Wort „durch die Franken in die vorher einheitliche rechtsrheinische Geit-Fläche gebracht und setzte sich … in der Mitte und im Norden durch, nicht ohne im Süden wieder Boden an Geiß zu verlieren.“ (Kluge/Mitzka 882; für die Wortgeschichte vgl. DWB 31 [XV], 898ff.). Zur historischen und gegenwärtigen Verbreitung in Hessen → Geiß (K. 45).

In hessischen FlN stehen Formen mit Langvokal (/dsi:ge/) und Kurzvokal (/dsige/) nebeneinander, ohne daß entscheidbar wäre, ob die Kürze auf örtlich unterbliebene Dehnung des mhd. zige oder das besonders im Ostmitteldt. verbreitete Synonym Zicke (DWB 31 [XV], 880) zurückgeht.

2

Bei der Identifizierung bereiten nur die gekürzten Formen wie zi(:)- und ze(:)- Schwierigkeiten, weil hier Vermengung mit anderen Namen (z. B. /dsi:l/ ,Zeil(e)‘) nicht ausgeschlossen werden kann. Entschieden wurde nach dem Kombinationstyp.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 46

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ziege-Seig: im Zigenseig (Breungeshain)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/118554_im-zigenseig> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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