Biege-Grund: yn dem beygen grunde
Beleg
Standard-Flurname
Biege-Grund
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1445
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, A 1 (Die Urkunden werden nach Ortsnamen bzw. Provenienz und Jahr zitiert).
Weitere Belege
- IM BIEGENGRUND
- 19. Jahrhundert, kopial 20. Jahrhundert: Im Biegengrund
Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Biege
Im FlN sind zwei historische Sprachvarianten zusammengeflossen mhd. biege st. F. ‚Beugung, Neigung‘ und das nur als sw. M. bezeugte ahd. biogo ‚Biegung, Krümmung, Bogen‘. Die Substantive sind vom Verb ahd. biogan, mhd. biegen st.V. ‚biegen, beugen, krümmen‘ abgeleitet. Die Namen benennen meist Flurstücke an Gewässerkrümmungen; gelegentlich aber auch an Weg- oder Geländekrümmungen. Der Name erscheint oft stark kontrahiert als /bi:(n)/, so dass Vermengungen mit Bien (s.d.) u.a. nicht ausgeschlossen ist: Die Bienhecke in Ettingshausen beispielsweise liegt über der Krümmung des Äschersbachs an der Kolbenmühle.
Grund
Zu ahd. grunt ‚Grund, Wurzel‘, mhd. grunt st. M. ‚unterste Fläche, Abgrund, Tal, Grundstück, Grundeigentum‘ bzw. der Pluralform mhd. gründe. In den FlN sind meist Bodenvertiefungen bzw. Talsohlen namengebend.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Grund
Zu ahd. grunt ‚Grund, Wurzel‘, mhd. grunt st. M. ‚unterste Fläche, Abgrund, Tal, Grundstück, Grundeigentum‘ bzw. der Pluralform mhd. gründe. Dazu treten ziemlich häufig Diminutive mit den Suffixen -chen und -lein. In den FlN sind meist Bodenvertiefungen bzw. Talsohlen namengebend. Auch bei Gewässern liegt die Bedeutung ‚tief‘ zu Grunde.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Biegen m.n.f.
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Im FlN Biegen haben sich zwei historische Sprachvarianten vermengt: Die erst mhd. belegten femininen Formen biege st.f. ‚Beugung, Neigung‘ (Lexer 1, 266; DWB 1 [1], 1814) und biuge st.f. ,Krümme, Biegung‘ (Lexer 1, 288) und die maskuline Form ahd. biogo, sw.m. ‚Biegung, Krümmung‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1080). Alle Substantive sind von biegen abgeleitet.
Als Wort ist Biegen in Hessen unbekannt (Vilmar 35), außer als Biege f. ‚kurze Strebe im Fachwerk‘ und ,Knie-biege‘ (SHessWb 1, 827). Für ,Biegung‘ gilt dialektal Krümme (SHessWb 1, 828; 2, 1875), vereinzelt Beuge f. (SHessWb 1, 755; vgl. SchwäbWb 1, 979).
Als FlN ist Biegen „der sehr häufig vorkommende Eigenname von Flurstücken, namentlich von Wiesen, welche an der Krümmung eines Flußes belegen sind“ (Vilmar 35; so auch Crecelius 159; Knöpp l8). Namengebend kann aber auch die Krümmung eines Weges, eines Rains o. ä. sein (Buck 25; Vollmann 56; Dittmaier 27), so in 5323a4 Üllershausen VBK (Hotz = HFB 1, 41) eine „starke Straßenkrümmung“. Der FlN tritt in den drei Genera auf.
- 2
Die Identifizierung der Biegen-Namen bereitet bei einigen wenigen Grenzfällen der Vermischung mit Bicke ,Bach‘ in Waldeck Schwierigkeiten: gekürzte Formen /bi:/, /be:/ fallen formal mit den gekürzten Formen von Beune (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15) zusammen; Biegen kann vereinzelt in Bück u. ä. verborgen sein (so in 5620b2 Dudenrod WET, vgl. Corvinus = HFB 22, 43).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 97
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Biege-Grund: yn dem beygen grunde (Rumpenheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/109051_yn-dem-beygen-grunde> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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