Stede-Hecke: untig der Stehte Hecke
Beleg
Standard-Flurname
Stede-Hecke
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1773
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 360, Weidelbach Nr. 3.
Weitere Belege
- 1785: unter der Stetenhecke [Wiese]
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 180, Weidelbach Nr. 1., fol. 26
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hecke
Zu ahd. hegga ‚Wall, Schanze‘, mhd. hecke, hegge, heck st. sw. F. ‚Hecke‘; bedeutet in den westmitteldt. Dialekten nicht nur ‚lebender Zaun‘, sondern auch ‚Gebüsch, Gestrüpp; Buschwald‘. Die FlN beziehen sich in erster Linie auf künstlich gezogene, lebende Umzäunungen, die zur Eingrenzung von Flurstücken oder, in älterer Zeit, zur klein - wie großräumigen Befestigung dienten: Dörfer und Gehöfte waren oft von Hainbuchenzäunen umgeben, Landwehren aus undurchdringlichen Heckenstreifen, sog. Gebücken (s.d.), gebildet. Daneben verweisen viele Namen aber auch auf einzeln stehendes Strauchwerk und Dorngestrüpp in der Feldflur, vor allem aber auch forstlich genutzte Waldstücke mit Busch- oder Niederwald. Bei den älteren Namen ist eine sichere Unterscheidung zwischen Hecke und dem verwandten Hege nicht immer möglich.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hecke
Zu ahd. hegga ‚Wall, Schanze‘, mhd. hecke, hegge, heck st. sw. F. ‚Hecke‘, bedeutet in den westmitteldt. Dialekten nicht nur ‚lebender Zaun‘, sondern auch ‚Gebüsch, Gestrüpp; niederer Buschwald‘. Die FlN beziehen sich in erster Linie auf künstlich gezogene, lebende Umzäunungen, die zur Eingrenzung von Flurstücken oder, in älterer Zeit, zur klein- wie großräumigen Befestigung dienten: Dörfer und Gehöfte waren oft von Hainbuchenzäunen umgeben, Landwehren aus undurchdringlichen Heckenstreifen, sog. Gebücken (s. d.) gebildet (vgl. z. B. Eberstadt). Daneben verweisen viele Namen aber auch auf einzeln stehendes Strauchwerk und Dorngestrüpp in der Feldflur, vor allem aber auf forstlich genutzte Waldstücke mit Busch- oder Niederwald. Bei den älteren Namen ist eine sichere Unterscheidung zwischen Hecke und dem verwandten Hege nicht immer möglich (s. Leeheim, Trebur). An Verkleinerungsformen erscheinen sowohl Heckel als auch die Weiterbildung Heckelchen.
Stede
Die Vorkommensstreuung weist eine auffällige Konzentration auf das nördliche Ried auf. Die Namen stellen sich mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit zu ahd. stad, stado, mhd. stade sw. M. ‚Gestade, Ufer‘, stete st. sw. F. ‚Stätte, Platz, Gestade, Ufer‘, wobei letztere Form die umgelautete Variante ist. In Hessen war das Wort früher bekannt, ist jetzt aber untergegangen. Die umgelautete Stede-Variante herrscht in den FlN eindeutig vor. Stade/Stede bezeichnet neben ‚Ufer‘ auch rainartige Hänge. - Wenn der Beleg Trebur 1277 iuxta Stadelangen zum rezenten FlN in Astheim gehört, ist dieser im Sinne von ‚Grundstück entlang eines Stadens‘ zu deuten (vgl. Weglang).
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Staden m. (n.), Stede f.
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Stad, Staden, ahd. stad st.m. ‚Ufer, Gestade‘ (Schützeichel 181) mit einer Nebenform stado (Graff 6, 643), aus der mhd. stade sw.m. neben regulärem stat st.m.n. (Lexer 2, 1127, 1143) entstand, ist als Wort heute nur im Oberdt. gebräuchlich, war früher auch im Mitteldt. und Niederdt. (mnd. stâde n., Lasch/Borchling 406) verbreitet und ist durch den Einfluß Luthers heute standardsprachlich durch das ursprünglich aus dem Niederdt. stammende Wort Ufer (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 84) ersetzt (DWB 17 [X, II, 1], 415; Kluge/Mitzka 254). Im Hessischen scheint - nach dem Zeugnis der FlN und der vereinzelten Wörterbuchnachweise - das schwach flektierende Staden als Mask. vorgeherrscht zu haben. E. Alberus hat sowohl stad wie staden (DWB ebd.). Vilmar 394 verzeichnet Staden m. als „jetzt schwerlich mehr üblich“; KehreinWb 386 kennzeichnet den Staden als „veraltet“, und das HNassWb 3, 721 nennt Staden m. „vereinzelt für ,Ufer‘“ und ‚Wasser, Bach, Flüßchen‘. Das WaldWb 173 schließlich führt als ausgestorben ein stade von 1741 an. Immerhin zeigen diese spärlichen Belege, daß Staden in Hessen bis weit in die Neuzeit bekannt gewesen sein muß.
Keinerlei Hinweis findet sich auf eine umgelautete Nebenform Stede, die es nach Ausweis zahlreicher FlN aber hier gegeben haben muß. Eine umgelautete fem. Nebenform stedi f. gab es bereits im Ahd. (Braune/Eggers § 216 A.4), wenn auch „in seltenen Belegen“. Diese erscheint anscheinend auch häufiger - jedoch bis zur Unkenntlichkeit mit ahd. stad st.f. ‚Ort, Stätte‘ vermengt - in Siedlungsnamen (Bach 2 § 110 u. ö.; vgl. Arnold 346-351). Das in FlN nördlich der mittelhessischen Namenscheide häufig auftretende Simplex die Stede (/ʃde:de, ʃde:re, ʃdi:de, ʃdi:re/; häufiger auch mit Kurzvokal) und der davon abgeleitete häufige Kombinationstyp Stedenrain u. ä. erlauben keine Zweifel, daß die umgelautete Variante hier verbreitet war, sogar gegen Staden vorherrschte. Einen entsprechenden Sachzusammenhang stellt Henn 1977, 79f. dar. Danz 344 stellt für die Vorkommen im Kreis Eisenach fest, daß die Namen an ‚steil ansteigenden Flurteilen‘ oder einem ‚kleinen Abhang‘ haften. An eine Verbindung mit thüring. Stete f. ‚schmaler Weg zwischen Gärten‘ (Hertel 235) ist wohl nicht zu denken, obwohl ähnliche Bedeutungen für Staden im Rheinischen bekannt sind (RheinWb 8, 491; vgl. Dittmaier 297).
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Die Eingrenzung der Stad(en)-Namen ist unproblematisch. Hingegen ist eine einigermaßen vollständige Erfassung der Stede-Namen unmöglich, weil Stede im Genus und oft auch phonologisch mit Stätte ‚Ort, Stätte‘ zusammenfällt. Das sicherste Unterscheidungskriterium ist die Vokalquantität: Stede hat vorwiegend Langvokal, Stätte, von einigen Gebieten abgesehen, meist Kurzvokal. Um die Minimalmenge der sicheren Stede-Belege herauszufinden, wurden deshalb nur gesicherte fem. Belege mit Langvokal aufgenommen, sofern der Kombinationstyp nicht die Zugehörigkeit zu Stätte nahelegte. Umgekehrt kann aber die Zugehörigkeit zu Stede bei den Kombinationstypen Stederain und Stedebach unbeschadet der Vokallänge als sicher angenommen werden. Annähernd die Hälfte der Stede-verdächtigen Namen fielen so aus. Weitere Nachweise wären über die Realprobe und historische Belege zu erbringen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 85
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Stede-Hecke: untig der Stehte Hecke (Weidelbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/106617_untig-der-stehte-hecke> (aufgerufen am 03.11.2026)
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