Lache: IN DER LACHE [lache]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lache
Lache kann sich in FlN auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: Lache 1: Zu ahd. lah st. M., lahha sw. F. ‚Lache, Sumpf, Wassergraben‘, mhd. lâ st. F., lache sw. st. F. ‚Lache, Pfütze, Sumpf, Sumpfwiese‘, nhd. Lache, ‚stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl; sumpfige Wiese; niedrig gelegener, oft überschwemmter Landstrich; flache Geländevertiefung; stehendes Wasser in einem alten Flussbett‘. Lache 2: Zu mhd. lâche, lâchene sw. F., nhd. Lache ‚Einschnitt, Kerbe in den Grenzbaum oder -stein; Grenzzeichen‘. Zur Grenzmarkierung dienten im Mittelalter Einkerbungen in bestimmten, meist auffälligen und hochwüchsigen Bäumen (mhd. lâchboum st. M. ‚Grenzbaum‘) oder Steinen (mhd. lâchstein st. M. ‚Grenzstein‘). Im Untersuchungsgebiet scheint durchweg die Bedeutung Lache 1 namengebend zu sein. Dabei bezieht sich der Name in Einzelfällen sogar auf ein fließendes Gewässer wie im Falle der Oberlache in Gießen-Wieseck. Nur in einigen Namen mit Lache als BT könnte auch eine Grenzmarkierung Anlass zum Namen gegeben haben.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lache f.
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Das Wort Lache, ahd lacha f. (Graff 2, 100f.), mhd lache st.sw.f. (Lexer 1, 1808), mnd. lâke (lacke) f. (Lasch/Borchling 2, 723), ist umstrittener Herkunft: Teils wird Entlehnung aus dem Romanischen (< lat. lacus ,See‘) angenommen, teils germ. oder gall. Ursprung vermutet (Müller/Frings 295-298; DWB 12 [VI], 13; Kluge/Mitzka 417; Weigand/Hirt 2, 3; Dittmaier 175f.). Lache/Lake ist im größten Teil des dt. Sprachgebiets verbreitet und bezeichnet „ein stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl, mundartlich mit mancherlei Nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heißt Lache gern eine sumpfige Wiese oder ein niedrig gelegener, der Überschwemmung häufig ausgesetzter Landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende Feldvertiefung, in der einmal Wasser stand (KehreinWb 253), oder auch das stehende Wasser in einem alten oder durch Austreten erbreiterten Flußbette“ (DWB ebd.).
Das Wort ist in Hessen, erweitert um die Bedeutungskomponente ‚flache Einsenkung im Gelände‘ (HNassWb 2, 2; SHessWb 4, 74; Crecelius 530), bis heute gebräuchlich, wenngleich, soweit es sich um Wasserstellen handelt, Pfütze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110) und Pfuhl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111) üblicher sind.
In hessischen FlN haftet der Name heute natürlich vielfach an trockengelegten Geländevertiefungen. Gerade die heutige Verteilung des Namens belegt darüber hinaus, daß es sich meist um ehemalige Nebenarme von Flüssen und Bächen handelt, eine Tatsache, auf die übrigens schon Arnold 523 hingewiesen hat. „Lache“ tritt als GewN im nördlichen Südhessen auf als Bach links zur Gersprenz, „Schifflache“ als Altmainarm südl. Hanau und zweimal als Altrheinarme „Großlache“ westl. Groß-Gerau auf.
Die unverschobene Form Lake erscheint resthaft auch im Oberdt., Lache ist gelegentlich auch mask. belegt (DWB ebd.).
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Nicht zugehörige Namen wie Li-lach und Bett-Laken können leicht ausgesondert werden.
l. Problematisch ist die Abgrenzung gegen mhd. lâche sw.f. ‚Einschnitt- Kerbe in den Grenzbaum od. -stein‚ überh. Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807), wenn der Name als Simplex oder BT auftritt. Fälle wie „Lachelinde“ (5320b2 Ober-Ohmen VBK), „Lachgang“ (5118b3 Wehrda MBK, 6018c1 Urberach OFK), „Lachstein“ (5614b5 Nauheim LIW) sind einfach zugunsten von ,Grenz(zeichen)‘ zu entscheiden, aber bei den nicht ganz seltenen Lach(en)graben könnte z. B. bestenfalls die Sachprobe eine Klärung herbeiführen; dennoch wurde der letztere Kombinationstyp hier aufgenommen.
2. Vermengungen bestehen u. U. mit Loh (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123) ,Gehölz‘, die mithilfe des Genus (z.B. /a:m dsi:lox/ ,Ziegen-loh‘ in 5517a4 Cleeberg GIE) oder der phonologischen Abweichung (z.B. A: hinter der Lachwiese – D:/luxvis/ ,Lohwiese‘ in 5517d1 Oberwetz LDK) bis auf einige unklare Fälle entschieden werden konnten.
3. Salzla(:)k(e) ,Salzlecke‘ wurde nicht aufgenommen, wohl aber Salzlache.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 108
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Lache: IN DER LACHE (Wettges)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/10310_in-der-lache> (aufgerufen am 30.10.2026)
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