Esch-Kaute: hinter der Eßkauth

Historischer Beleg aus Steindorf  
Gemeinde
Wetzlar
Landkreis
Lahn-Dill-Kreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Esch-Kaute

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1790

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 248/2, Nr. 5.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Esch

Hier sind die Belege zusammengestellt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ahd. ezzisc, ‚Saat‘, mhd. ezzisch st. M. ‚Saat, Saatfeld‘, mittelniederdeutsch esch ‚Feldflur‘ in der Bedeutung ‚das gesamte Ackerfeld einer Gemarkung‘ oder ‚Abteilung des Saatfeldes im System der Dreifelderwirtschaft‘ gehören. Vermengung mit Esche ist möglich.

Kaute

Zu spätmhd. kûte F. (mitteldt.) ‚Grube, Loch‘. Am Ende des 15. Jahrhunderts beginnt Kaute älteres Grube zu ersetzen. Namengebend waren stets natürliche oder künstliche Bodenvertiefungen, dann meist mit Kaute im GT. In Eisenkauten wurde Eisen im Tagebau abgebaut; die zahlreichen Leimenkauten dienten der Lehmgewinnung.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Esch

Die Deutung ist vielfach unsicher, weil mehrere gleich lautende Appellative zu Grunde liegen können. In Hessen selten, aber in älteren Namenformen denkbar ist ahd. ezzisc, ‚Saat‘, mhd. eʒʒisch st. M. ‚Saat, Saatfeld‘, mittelniederdt. esch ‚Feldflur‘ in der Bedeutung ‚das gesamte Ackerfeld einer Gemarkung‘ oder ‚Abteilung des Saatfeldes im System der Dreifelderwirtschaft‘. Am wahrscheinlichsten ist die Zugehörigkeit des Belegs aus Groß-Gerau. Die übrigen Namen können auch spätere Umdeutungen sein, oder sie gehen schon ursprünglich auf ahd. asca, mhd. asche, esche sw. F. M. ‚Asche‘ oder auf ahd. asca, mhd. asch st. M. ‚Esche‘ zurück. Wo von ‚Asche‘ auszugehen ist, dürfte eine Form der Brandrodung Benennungsmotiv gewesen sein.

Kaute

Zu spätmhd. kûte F. (mitteldt.) ‚Grube, Loch‘. Am Ende des 15. Jh.s beginnt Kaute älteres Grube zu ersetzen. Namengebend waren stets natürliche oder künstliche Bodenvertiefungen, dann meist mit Kaute im GT. Ob auch der Beleg aus Wattenheim (als Diminutiv) hierher gehört, ist ungewiss.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Kaule f.

1

Die nordhessischen Kaule/Kuhle-FlN gehen auf mhd. kûle sw.st.f. ‚Grube, Loch‘ (Lexer 1, 1766) zurück. Das Wort ist im Mitteldt. als Kaule und im Niederdt. als Kuhle verbreitet (DWB 11 (V), 348; Weigand/Hirt 1, 1012).

Kaule bezeichnet als Wort zunächst allgemein eine ‚Vertiefung im Boden‘. Es kann eine natürliche Vertiefung sein, z.B. eine Erdmulde oder flache Grube, gelegentlich auch mit Wasser gefüllt. Zumeist sind jedoch von Menschen gegrabene Löcher und Gruben gemeint, die dazu dienen, landwirtschaftliche Vorräte aufzubewahren und zu überwintern, Abfälle zu lagern und natürliche Materialien (Stein, Sand, Schiefer, Lehm usw.) zu gewinnen. Daneben können mit Kaule auch Tierlager und -suhlen, Fanggruben, Schindgruben sowie ‚kleine Pflanzlöcher‘ gemeint sein (DWB ebd.; PfälzWb 4, 140; RheinWb 4, 330).

Kaule/Kuhle ist vorwiegend in Nordhessen bekannt, sonst überwiegt das weitverbreitete Kaute (SHessWb 3, 1218; WaldWb 60; Vilmar 231; B. Martin 1933, 10ff.; Reichmann 78 und K. 4).

Der FlN Kaule/Kuhle bezieht sich, wie auch Kaute, meist auf die oben beschriebenen Lager-, Nutz- und Vorratsstätten. Gelegentlich benennt der Name auch Fanglöcher, Schindgruben, Suhlen u.ä. (SHessWb ebd.; Dittmaier 135; KehreinNb 470ff.; KehreinWb 218).

2

Die Identifizierung der Kaule/Kuhle-Namen machte eine besondere Betrachtung der morphologischen Namenstruktur notwendig. Gerade im Mittelhessischen sind gleichlautende Kaule/Kuhle-Namen belegt, die von mhd. kugele, kugel sw. f. ,Kugel‘, md. kûle (Lexer 1, 1765) abzuleiten sind und daher nicht zu dem hier bearbeiteten Namen gehören.

Kaulenköpfchen u.ä. bezeichnen kleinere Berge, kugelige Erhöhungen (DWB 11 (V), 349; RheinWb 4, 326), Kaulbahn, Kuhlbreite u.ä. entspricht dem Namen Kegelbahn (DWB ebd.), der meist die länglichschmale Form des Flurstücks beschreibt oder den Platz des Spieles selber meint (Dittmaier 135, Genzel 149). Kauleich/Kuhleich ist entstanden aus kontrahiertem Kugel > Kuhl + leich, thür. ,Spiel‘, abgeleitet von mhd. leich ‚Spiel, Tanz‘ (Lexer 1, 1863; Kluge/Mitzka 432), mit der Bedeutung ‚Platz für Spiel und Feste‘. Im östlichen Hessen ist Leich als ‚Spiel mit Tonkugeln‘ bekannt (Vilmar 243f.; vgl. Kugelleich DWB 11 [V], 2542f.).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 94

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Esch-Kaute: hinter der Eßkauth (Steindorf)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/100904_hinter-der-esskauth> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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