Burg Stedebach

Basisdaten
Die Burg befand sich am östlichen Ortsrand von Stedebach, im Bereich des Quellgebietes eines kleinen Zuflusses des Stedebachs. Vermutlich an der Stelle einer kleinen hochmittelalterlichen Turmhügelburg, von der sich keine Reste erhalten haben, wurde spätestens in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Auftrag der Landkommende Marburg des Deutschen Ordens eine Wasserburg zur Sicherung und Verwaltung des Stedebacher Ordensbesitzes errichtet. Bei der Burg handelte es sich um ein zweiflügeliges festes Haus auf quadratischem Grundriss mit schmalem Burghof, umgeben von einem breiten Wassergraben bzw. Teich. Die letzten Reste der Anlage wurden im Jahr 1857 abgetragen, nachdem die Burg bereit seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts allmählich verfallen war. Mit Ausnahme des noch gut im Gelände erkennbaren Außenwalls sind keine Relikte der Burganlage erhalten.
Ortstyp
Burg
Bezeichnung der Siedlung
- Burck (1476) [HStAM Bestand Urk. 37 Nr. 2544]
- Hof (1577)
- freye Burg (1679)
- Freyhof (1780) [HStAM Bestand 261 Ältere Akten Nr. M 383]
Lagebezug
11 km südsüdwestlich von Marburg gelegen
Lage
Die Wasserburg lag 6 km südwestlich von Niederweimar, unmittelbar am Ostrand von Stedebach.
Geschichte
Burggeschichte
Im Jahr 1302 ist der Hof zu Stedebach Dienstsitz eines Komturs des Deutschen Ordens.
Besitzgeschichte
Seit dem 12. Jahrhundert besitzt der Deutsche Orden drei Höfe in Stedebach. Im Jahr 1263 erwirbt das Deutschordenshaus Marburg Güter in Bracht von dem Seelheimer Vogt Gumprecht Hobeherr. In Zusammenhang mit diesem Güterankauf erfolgt möglicherweise auch die Anlage des Ordenshofes in Stedebach. Möglicherweise existierte schon vorher eine Burg. Darauf deutet ein Güterverzeichnis der Herren von Eppstein von 1250/60 hin. Ob ein Zusammenhang dieser Anlage mit der wohl im 10. Jahrhundert abgegangenen Burg auf dem Rickelskopf bestand, ist unklar. 1358 verfügt der Ordenshof über 330 Morgen Ackerland, im Jahr 1455 über 160 Morgen Ackerland. 1549 umfasst der auf vier Höfe aufgeteilte Deutschordensbesitz 206 Morgen Ackerland. 1476 befreien die Landgrafen von Hessen die Burg und die Höfe zu Stedebach von allen Diensten, Abgaben und der Heerfahrt. 1771 ist das Deutschordenshaus Marburg u. a. im Besitz der Burganlage samt den zugehörigen Nebengebäuden. 1781 wurde der durch den Abbruch der Burggebäude freigewordene Platz und der zur Burg gehörige Wassergraben an den Landwirt Johann George Kraft auf 9 Jahre verliehen.
Abgang
Nachdem die Burg seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgrund der Nutzung als Beschaffungsort von Baumaterial für die umliegenden Höfe allmählich verfiel und bereits 1771 größtenteils Ruine war, wurden deren letzte Reste im Jahr 1857 abgetragen.
Bau und Baugeschichte
Baugeschichte
Die Anlage ist gegen Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar. Im 16. Jahrhundert scheinen Umbauarbeiten an der Burg durchgeführt worden zu sein. Allerdings setzt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts schon der Verfall Anlage ein.
Baubeschreibung
Bei der Burg handelte es sich um ein zweiflügeliges festes Haus auf quadratischem Grundriss (25 x 28 m) mit schmalem Burghof und breitem Wassergraben bzw. Teich. Die Burggebäude bestanden einer Aquarellzeichnung von 1700 zufolge aus massiven Erdgeschossen und Fachwerkobergeschossen. Am westlichen Abschnitt des Wassergrabens (des Teichs) gelangte man über einen hölzernen Steg und durch eine steinerne Pforte auf den Burghof. Zudem befanden sich westlich des Wassergrabens der zur Burganlage gehörige Pferdestall (Herrenstall) und das Backhaus.
Erhaltungszustand
Von der Burg sind bis auf den noch gut im Gelände erkennbaren Außenwall, die äußere Futtermauer des Grabens, keine Reste erhalten geblieben.
Burgtyp
Bautyp
Niederungsburg; Wasserburg
Nachweise
Literatur
- Knappe, Burgen, S. 269-270
- Historisches Ortslexikon Marburg, S. 296-297
- Kosog, Die Burg zu Stedebach, in: Heimatwelt 5 (1978), S. 1-6
- Gutbier, Die Burg Stedebach, in: Hessenland 44 (1933), S. 45-47 (Abb.)
- Visualisierung von Burgen im topographischen Kontext : die Möglichkeiten moderner Geoinformationsdaten / Dorn, Carsten. - In: Denkmalpflege & Kulturgeschichte (2009), 1, S. 36-40
- Heldmann, Deutschordensballei Hessen, in: ZHG 30 (1895), S. 1-192
EBIDAT
Siehe auch
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Orte
Personen
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Burg Stedebach“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://lagis.hessen.de/de/orte/burgen-schloesser-herrenhaeuser/alle-eintraege/15483_burg-stedebach> (aufgerufen am 13.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/bg/15483
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