Rotes Schloss Tann

Basisdaten
Im Westen von Tann liegt auf einem Sporn hoch über der Ulster eine große Schlossanlage, bestehend aus dem Roten, Gelbes Schloss und Blaues Schloss. Von der ursprünglichen Burg aus dem Mittelalter zeugen nur noch einige Mauerteile. Die Herren von Tann lebten seit dem 13. Jahrhundert hier mit ihrer weit verzweigten Familie. Sie erkämpften sich in Konflikten mit den Äbten von Fulda und den Bischöfen von Würzburg die Reichsunmittelbarkeit. Die drei Hauptlinien der Ganerbenschaft wurden nach den Farben ihrer Schlösser benannt, von denen das Rote im 15. Jahrhundert, das Gelbe 1699-1714 und das Blaue Schloss im 18. Jahrhundert entstanden. Die Herren von Tann gehörten zur Reichsritterschaft, kamen 1814 unter die Oberhoheit von Bayern und 1866 an das Königreich Preußen.
Vorbemerkung Namensformen
Vgl. Gelbes Schloss und Blaues Schloss
Historische Namensformen
- Symon de Tanne (1235) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, Nr. 51, S. 49], vgl. Ascher, Ortsnamen des Landkreises Fulda, S. 537]
- castri Tanne (1323) [HStAM Best. Urk. 75 Nr. 253, vgl. Ascher, Ortsnamen des Landkreises Fulda, S. 537]
- vorwerg zu der Tanne (1345) [ HStAM Best. Urk. 75 nr. 358, vgl.Ascher, Ortsnamen des Landkreises Fulda, S. 537]
- Schloß Tann (1557-1833) [Zitat nach Archivregest HStAM Best. 17 c Nr. 4271]
- Schloß zur Tann (1560) [Zitat nach Archivregest HStAM Best. Urk. 139 Nr. 63]
Ortstyp
Burg; Schloss
Lagebezug
17,5 km südöstlich von Hünfeld
Lage
Die mittelalterliche Burg stand auf einem Sporn über der Ulster im Bereich des heutigen Roten Schlosses (Schlossstraße).
Geschichte
Burggeschichte
Das Gründungsdatum der Burg Tann und ihr Aussehen sind unbekannt. Vermutlich entstand die im 12. Jahrhundert als Sitz der Familie von Tann, die als Ministerialen den Äbten von Fulda dienten. Erstmals wird Simon von Tann urkundlich 1235-1268 genannt, der Sohn des Simon III. von Fischbach und Tann von der thüringischen Burg Fischbach (Fischberg) war. Der gekrümmte Fisch im Wappen der von Tann verweist bis heute auf diese Verbindung. Zweige der großen Familie dienten sowohl den Äbten von Fulda als auch den Bischöfen von Würzburg als Ministerialen. 1323 erzwang der Fuldaer Abt Heinrich VI. von Hohenberg die Burg Tann als sein Lehen anzuerkennen und für Fulda offen zu halten. 1345 wird das Lehen zwischen dem Abt und Heinrich von Tann bestätigt und das Vorwerk von den Tanns gekauft.
Die große Familie lebte als Ganerbenschaft in Tann und ließ seit dem 16. Jahrhundert die Burg ausbauen. Drei neue Gebäude entstanden, das „Rote“, das „Blaue“ und das „Gelbe Schloss“, die den fast quadratischen Schlosshof umschließen. Vom gelben Schloss gelangt man in den Schlosspark, der bis an die Ufer der Ulster reicht. Die Herren von Tann hatten sich seit dem 16. Jahrhundert die Reichsunmittelbarkeit erworben und gehörten zur Buchischen Ritterschaft. Sie traten zur protestantischen Konfession über, unterstrichen so ihre Selbständigkeit.
Seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts gehörte die Hälfte der Herrschaft Tann der Linie vom Gelben Schloss, die andere Hälfte den Linien vom Blauen und Roten Schloss. 1814 fiel die Herrschaft an das Königreich Bayern, 1866 an Preußen. Noch heute sind die drei Schlösser im Privatbesitz der Familie von Tann.
Bau und Baugeschichte
Baubeschreibung
Das Schloss wurde bis 1558 im Stil der Renaissance erbaut, um 1591 erweitert und 1680 größtenteils im Stil des Barock umgebaut. An der südöstlichen Ecke steht ein achtseitiger Turm mit zwei obere Stockwerken als Fachwerkstil. Das Tor in der Mitte des Schlossflügels wurde erst in der Zeit des Barock eingebaut, das Tor zum Innenhof der Schlossanlage befindet sich am nördlichen Ende vom Roten Schloss, wo das Gebäude des Blauen Schlosses anschließt. Über dem Tor befindet sich ein Wappenstein mit der Inschrift „HEINRICH VON VND ZV DER TANN“ über dem Wappen mit der Jahreszahl 1689.
Burgtyp
Bautyp
Burg; Schloss
Rechtstyp
Ganerbenburg; Ministerialensitz
Funktionstyp
Adelssitz; Schloss
Nachweise
Literatur
- Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I, S., S. 864
- Handbuch der Historischen Stätten Hessen, S. 428-429
- Jäger, Das Geistliche Fürstentum Fulda in der Neuzeit, S. 403
- Knappe, Burgen in Hessen, S. 219-220
- Schlösser, Burgen, alte Mauern, S. 341 u. 343
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 465
- Sturm, Bau- und Kunstdenkmäler des Fuldaer Landes, Bd.1, S. 861-865
EBIDAT
Siehe auch
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Orte
- Hessische Flurnamen
- Jüdische Friedhöfe
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Historisches Ortslexikon
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Personen
Quellen und Materialien
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Rotes Schloss Tann“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://lagis.hessen.de/de/orte/burgen-schloesser-herrenhaeuser/alle-eintraege/15364_rotes-schloss-tann> (aufgerufen am 30.10.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/bg/15364
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