Burg Somborn
Basisdaten
Südwestlich von Somborn, an der Grenze zu Bayern liegt Hof Trages, eine große Anlage aus einem Schloss, einer Schlosskapelle, einem Park und einem barockem Gutshof mit zwei Herrenhäusern und Nebengebäuden. Seit 1815 gehört er zum Kurfürstentum Hessen-Kassel und wurde in dieser Zeit im historistischen Stil erneuert und umgebaut. Die Namen zahlreicher berühmter Persönlichkeiten der deutschen Romantik sind mit diesem Ort verbunden, wie der Jurist und spätere preußische Minister Friedrich Carl von Savigny (1779–1861), der den Hof von seinem Vater geerbt hatte. Der Freundeskreis um Clemens von Brentano, Karoline von Günderrode, die Brüder Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, wie Kunigunde von Brentano, Achim von Arnim und Bettina von Brentano hielten sich häufig im Hofgut Trages auf. Das Schloss dient noch heute als Wohnsitz der Familie von Savigny. Die Gegend findet sich in Beschreibungen der Kunstmärchen von Bretanos wieder.
Weitere Namen
Hofgut Trages
Historische Namensformen
- curia dicta Tragez (1317 [Urkundenbuch der Herren von Hanau 2, Nr. 177, S. 174, Digitalisat Hessisches Urkundenbuch. 2,2]
- Traguz, Arnold von (1374) [HStAM Best. Urk. 64 Nr. 105]
- Hof Trages (1592) [Angabe nach Hanna, Burgen und Schlösser im Kinzigtal, S. 22-23 in Mercators Karte HStAM Bestand Karten Nr. R II 28 zu finden]
Ortstyp
Burg; Herrenhaus
Lagebezug
12,6 km östlich von Hanau
Lage
Der Hof liegt westlich der Straße Niederrodenbach-Albstadt unmittelbar an der Grenze zu Bayern.
Geschichte
Burggeschichte
An einer mittelalterlichen Heer- und Handelsstraße zwischen Rhein- und Ostfranken entstanden im Mittelalter zwei Siedlungen um zwei Höfe, von denen der eine um 1358 den Herren von Hanau, der andere der ortsansässigen Familie von Trages gehörte. Beide gehörten zum Gericht Somborn, das Teil des reichsunmittelbaren Freigerichts Alzenau war und im 14. Jahrhundert an die Herren von Hanau gelangte. Neben einem Hof, den 1374 als Lehen Arnulf von Drages von den Herren von Hanau erhielt, soll eine Burg in der Siedlung bestanden haben. Über deren Lage ist nichts bekannt. Im 15. Jahrhundert bestanden zwei Lehnshöfe, einer von Kurmainz, der zweite von Hanau. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Siedlungen zerstört. Von 1639-1710 waren sie im Lehensbesitz der Herren von Erckenbrecht. Nach weiteren Besitzerwechseln erwarb 1728 der Hanauische Regierungsrat und spätere Kanzler Johann Hieronymus Felix von Cranz das Anwesen. Sein Sohn ließ das barocke Herrenhaus und das danebenstehende Pächterhaus errichten. 1712 heiratet Ludwig von Savigny die Schwester des Besitzers. Seit 1751 wohnt die Familie der Freiherrn von Savigny bis heute hier und ließ die Anlage als Schloss mit Park und neuen Gebäuden umgestalten. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Schloss zu einem Treffpunkt der Literatur- und Geistesgrößen der Romantik. Die Familienmitglieder der Grimms, von Brentano und von Arnim hielten sich oft auf dem Hof Trages auf. 1865-1866 wurden im neogotischen Stil eine repräsentatives Schloss und eine Grabkapelle für die Familie auf dem Gelände errichtet.
Bau und Baugeschichte
Baugeschichte
Zwei alte Hofanlagen stammen aus dem 14. Jahrhundert und finden sich in der Mercatorkarte von 1592. 1730 ließ Johann Carl, Sohn des Johann Hieronymus Felix von Cranz, ein Herrenhaus und ein Pächterhaus errichten. 1748 erfolgte der Bau des barocken Gartenpavillon im terrassenförmig - nach Versailler Muster - angelegten Park und Bau des Schlosses. 1866 wurde eine Grabkapelle im Stile der Neogotik nach den Plänen des Kölner Diözesanbaumeisters Vinzenz Statz errichtet, in der sich die Familiengruft der von Savignys befindet.
Baubeschreibung
Das zwischen 1861 und 1928 entstandene Schloss ist ein breit gelagerter, zweigeschossiger Putzbau in neobarocken Formen mit zwei turmartigen dreigeschossigen Seitenvorsprüngen und einem dreigeschossigen Mittelrisalit. Das ursprünglich barocke Gartenhaus von 1748 wurde 1865 um ein 2. Obergeschoss erhöht. Der westliche Flügel wurde 1884 angebaut und im Eingangsbereich 1926 erweitert.
Denkmaltopographie
Burgtyp
Bautyp
Herrenhaus
Funktionstyp
Adelssitz
Nachweise
Quellen
- Urkundenabschriften und Notizen den Hof Trages bei Oberrodenbach betreffend (1374-1748) [HStAM Best. 81 Nr. 4121]
Literatur
GND-Nummer
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS (Lageort)
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Historisches Ortslexikon
- Synagogen in Hessen
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Burg Somborn“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://lagis.hessen.de/de/orte/burgen-schloesser-herrenhaeuser/alle-eintraege/15199_burg-somborn> (aufgerufen am 29.10.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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