Niederburg Großenlüder
Basisdaten
Schon in Quellen des 8. und 9. Jahrhunderts, der Grenzbeschreibung in der Stiftung des Karolinger Karlmann an Fulda und der "Vita Sturmii", wird der Lüderfluss genannt, an dessen Ufer eine Kirche (820) und ein Hof standen (1015). Erstmals taucht 1197 eine nach dem Ort sich bezeichnende Adelsfamilie von Lüder auf. In dem Ort bestanden drei Burgen, die Vorder- oder Fröschburg (später Dechantsburg), die Niederburg und die Hinter- oder Döringsburg. Von allen drei Burgen ist wenig erhalten.
Weitere Namen
Altenburg
Froschburg
Vorbemerkung Namensformen
Die Zuordnung der frühen Quellenbelege ohne präzisierenden Zusatz bereitet Schwierigkeiten, da auf alle Burgen in Großenlüder zutreffen können. Vgl. daher auch Vorderburg Großenlüder und Hinterburg Großenlüder
Historische Namensformen
- de Ludere (1269) [HStAM Best. Urk. 77 Nr. 3]
- Burgsess an der Kemennaten und dem Hoff davor zu Lutter gelegen (1375) [HStAM Best. Urk. 135 Nr. 4]
- kemenaten (1395) [HStAM, Urk. 75, 652, auch: [Ascher, Ortsnamen des Landkreises Fulda, S. 338]
- teil an der Niddern Borgk genant die Forschborgk in Luder (1422) [HStAM Best. Urk. 75 Nr. 971]
Ortstyp
Burg
Lagebezug
10 km nordwestlich von Fulda
Lage
Die Burg stand im Unterdorf unterhalb des Lindenberges, Haus Märecke 6
Geschichte
Burggeschichte
Zur Sicherung einer alten Straße am Westrand des Fuldaer Landes bauten die Herren von Lüder drei Burgen im Ort. Sie dienten den Äbten von Fulda, die den Ort vermutlich seit dem 8. Jahrhundert besaßen. Die Familie wurde erstmals 1116 namentlich erwähnt und starb 1752 aus. 1390 wurde das Lehen der von Lüder durch die Äbte von Fulda erneut bestätigt mit der Auflage, die Burg immer für die Lehnsherren offen zu halten. Die Herren von Döring wurden 1285 ebenfalls als Lehnsträger Fuldas für Lüder genannt. Wie die Wohnverhältnisse und die Nutzung der drei Ganerbenburgen war, ist unbekannt, ebenso ob sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden. Nach dem Aussterben der von Döring und von Lüder wurden die Lehen durch Fulda neu vergeben.
Bau und Baugeschichte
Baugeschichte
Die genaue Entstehungszeit und das Aussehen der Burgen bleibt unklar. Alle drei Burgen waren vermutlich aus Stein erbaute Häuser, Kemenaten, die von Wällen und Gräben gesichert wurden. Vermutlich bildeten sie eine Art Dreieck, wenige hundert Meter voneinander entfernt. Die Niederburg war vermutlich von einem Wassergraben umgeben und lag am Fuße des Lindenberges, auf dem sich früher ein Gerichtsplatz befand.
Burgtyp
Bautyp
Niederungsburg; Wasserburg
Rechtstyp
Ministerialensitz; Ganerbenburg
Funktionstyp
Adelssitz
Nachweise
Literatur
- Ascher, Ortsnamen des Landkreises Fulda, S. 338
- 1200 Jahre Großenlüder, S.49-78
- Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I, S. 346-348
- Handbuch der Historischen Stätten Hessen, S. 184-185
- Jäger, Das Geistliche Fürstentum Fulda in der Neuzeit, S. 383-385
- Sturm, Bau- und Kunstdenkmäler des Fuldaer Landes, Bd.1, S. 319-350
- Schlitzer, Die Herren von Lüder. In: Fuldaer Geschichtsblätter36, 1960, S. 178-190
- Schlitzer, Die Herren von Lüder. In: Fuldaer Geschichtsblätter37, 1960/61, S. 65-83
- Tillmann, Lexikon der deutschen Burgen und Schlösser, Bd. 1, S. 318
- Schneider, Die Ritterburgen der vormaligen Abtei Fulda. In: ZHG27, NF 17, 1892, S. 155-157
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 312
EBIDAT
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS (Lageort)
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Historisches Ortslexikon
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Niederburg Großenlüder“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://lagis.hessen.de/de/orte/burgen-schloesser-herrenhaeuser/alle-eintraege/14773_niederburg-grossenlueder> (aufgerufen am 29.10.2026)
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