Ehemals Helmarshausen, Benediktiner-Klosterkirche

Scherbe mit Teilen eines gefiederten Blattes. Grabungsfund, Helmarshausen, Klosterkirche
Enthaltene Fenster
Katalogdaten
Beschreibung
Die ehemalige Reichsabtei St. Maria und Petrus wurde 997 gegründet und Kaiser Otto III. als Reichskloster übertragen9. Bischof Meinwerk von Paderborn nahm 1011/12 die Weihe der dreischiffigen und doppelchörigen Anlage vor. Um 1100 sind unter Abt Thietmar II. Umbaumaßnahmen an Chor und Schiffsarkaden fassbar, die von der wachsenden Bedeutung des Klosters künden; auch die in den Klosterwerkstätten (Roger von Helmarshausen) entstandenen Kunstwerke erlangten damals überregionale Bedeutung. Das letzte Drittel des 12. Jh. war geprägt durch die Errichtung zweier quadratischer Turmchöre und – nach einem starken Brand im 3. Viertel des 12. Jh. – den Einwölbungsmaßnahmen der Schiffe. Noch in romanischer Zeit erfuhr der Ostchor eine letzte Erweiterung (um 1200), damals wurde an den gerade geschlossenen Chorturm eine halbrunde Apsis angefügt.
Bei Grabungen auf dem ehemaligen Klosterhof östlich der Klosterkirche wurde im Jahr 1965 ein Glasfragment geborgen10. Das Glas ist stark korrodiert, sodass seine ursprüngliche Farbigkeit nicht mehr zu ermitteln ist. Im Auflicht zeichnet sich die Schwarzlotbemalung ab, die eine Blattpalmette erkennen lässt (Fig. 639). Die gefingerte Blattform mit doppelter Rippenlinie und kleinen Querstrichen kehrt auch in der Chorverglasung von St. Patrokli in Soest wieder, die in die sechziger Jahre des 12. Jh. zu setzen ist11. Schließlich fand man bei einem Schnitt außen entlang der nördlichen Seitenschiffmauer der Kirche Brandreste, die mit verbranntem Glas und geschmolzenem Fensterblei durchsetzt waren. Die aufgefundenen Stücke stammen demnach höchstwahrscheinlich aus der Zeit der Errichtung der Turmchöre im letzten Drittel des 12. Jh. bzw. aus der letzten Phase der Erweiterung des Ostchors um 1200.
Bibliographie
Günther Binding, Die Benediktiner-Klosterkirche Helmarshausen. Grabungsbericht 1964, in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 23, 1965, S. 108–117, hier S. 114 (Scherbenfund).
Nachweise
Fußnoten
- Friedrich Oswald, Die Baugeschichte der Klosterkirche nach den Ausgrabungen von 1964 bis 1968, in: Baumgärtner 2003, S. 45–76. Zusammenfassend ders., Die Bauentwicklung der Klosterkirche von Helmarshausen nach den Ausgrabungen 1964–1968, in: Hessen Archäologie 2004, S. 128–131 ↑
- Eine Veröffentlichung der Befunde ist in Vorbereitung. Vgl. vorläufig den Grabungsbericht von Günther Binding 1965 (s. Bibl.) ↑
- Vgl. Korn 1967, Abb. 41f., 59. – Ulf-Dietrich Korn, Münster, sei an dieser Stelle für den Hinweis auf Helmarshausen herzlich gedankt. ↑
Drucknachweis
Die mittelalterlichen Glasmalereien in Marburg und Nordhessen / Daniel Parello unter Verwendung von Vorarbeiten von Daniel Hess (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 3), Berlin 2008
Nachnutzung
Rechtehinweise
Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Ehemals Helmarshausen, Benediktiner-Klosterkirche“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/353-1_ehemals-helmarshausen-benediktiner-klosterkirche> (aufgerufen am 12.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/353-1
