Ehemals Fritzlar, Minoritenkirche und -kloster

 
Standort
Fritzlar
Anzahl Fenster
1
Anzahl Scheiben
1
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Katalogdaten

Beschreibung

Mit der Errichtung der Klosterkirche wurde nach 1300 begonnen. Sie ersetzte einen älteren Vorgängerbau der Franziskaner, die sich bereits 1237 in der Stadt niedergelassen hatten. An ein zweischiffiges Hallenlanghaus schließt in Mittelschiffbreite ein ebenso langer dreijochiger Chor mit 5/8-Schluss an. Das Mittelschiff öffnet sich zur südlichen Abseite mit einer Arkatur aus Rund- und Achteckpfeilern. Chor und Langhaus werden auf der Südseite von großen dreibahnigen Maßwerkfenstern erleuchtet. Die Langhausfenster zeigen einheitliche Maßwerkformationen mit erhöhten Mittellanzetten, die ein Bogenviereck mit eingeschriebenem Vierpass jonglieren, und seitlich schräg liegende geschweifte Bogendreiecke mit gespitzten Dreipässen (Fig. 636). Ohne im Text explizit darauf einzugehen, liefert der Inventarband von Karl A. von Drach einen Hinweis auf damals noch vorhandene Glasmalereien. Außenseitige Detailaufnahmen zeigen mittelalterliche Verglasungsreste im Maßwerk (Fig. 637). Dagegen sind die Lanzetten bereits mit einer barocken Wabenverglasung versehen, die zur Zeit der Wiederbesiedelung des Klosters im Jahr 1619, spätestens jedoch im 18. Jh. eingebracht worden sein dürfte; damals war es zu größeren Umbaumaßnahmen am Klostergebäude gekommen. Die Verglasung der Mittelbahn lässt ein Pflanzenschlingenmotiv um ein zentrales fünfteiliges Blatt oder eine Rosette erkennen, in den Außenbahnen liegen geometrisierte Blattmotive. Die Dreipässe tragen Fruchtdolden, wie man sie erst im frühen 15. Jh., so etwa in den Maßwerkfüllungen zu Dagobertshausen, antrifft. Der Vierpass schließlich trägt ein Rosettenmotiv mit fünffingrigen Blattformen, die zu den Passlappen hin ausstrahlen. In den Fenstern des alten Kreuzgangs sollen Wappen Fritzlarer Familien zu sehen gewesen sein, die zum Bau des Klosters beigetragen hatten1. Im Jahr 1728 ließ man den erneuerten Kreuzgang mit barocken Wappenscheiben schmücken und bat hierzu die Stiftsherrn um Spenden. Die Reste mittelalterlicher Glasmalerei sind wahrscheinlich im Zuge der Modernisierung der Kirche zu Beginn der 1930er-Jahre beiseite geschafft worden2.

Bibliographie

Bibliographie: Drach 1909, S. 116, 119, Taf. 87, 146 (bildet ein Kirchenfenster mit Resten mittelalterlicher Glasmalerei im Maßwerk ab und überliefert Wappenstiftungen im Kreuzgang des Klosters).

Nachweise

Fußnoten

  1. Drach 1909, S. 119.
  2. Conrad Dammeier, Die Umgestaltung der ehemaligen Minoritenkirche in Fritzlar, in: Die Denkmalpflege. Zs. für Denkmalpflege und Heimatschutz 34, 1932, S. 106–108.

Drucknachweis

Die mittelalterlichen Glasmalereien in Marburg und Nordhessen / Daniel Parello unter Verwendung von Vorarbeiten von Daniel Hess (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 3), Berlin 2008

Nachnutzung

Rechtehinweise

Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ehemals Fritzlar, Minoritenkirche und -kloster“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/308-3_ehemals-fritzlar-minoritenkirche-und-kloster> (aufgerufen am 11.06.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/308-3

Reste mittelalterlicher Maßwerkverglasung (Repro aus Drach 1909)