Ehemals Frankfurt, Liebfrauenkirche

 
Standort
Frankfurt
Anzahl Fenster
1
Anzahl Scheiben
1
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Katalogdaten

Beschreibung

Der auf eine Kapellenstiftung des in der Liebfrauenkirche begrabenen Bürgermeisters und Schöffen Wigel von Wanebach zurückgehende Bau wurde 1325 zur Kollegiatskirche erhoben und 1344 geweiht. Ab 1425 erfolgte die grundlegende Umgestaltung der Südfassade (Fig. 228) mit dem Madern Gerthener zugeschriebenen Dreikönigs-Tympanon (Textabb. 36) sowie der Anbau einer zweiten Sakristei 1430, die Errichtung des Turmes 1453, der Einzug eines Netzgewölbes im Langhaus 1495 und 1506/09 die Erneuerung des Chors. Noch vor der Entscheidung zur Erneuerung des Chors stifteten die Testamentsverwalter Jakobs von Schwanau am 14. März 1477 sieben Glasgemälde des zuvor auch in der Bernhardskapelle tätigen Speyerer Glasmalers Martin in den alten Chor (s. Reg. Nr. 25). Ob diese Scheiben ein ganzes Fenster ausfüllten, muß offenbleiben; bei der Erneuerung des Chores wurden sie wahrscheinlich Anfang des 16. Jh. entfernt. Im Holzhausenepitaphium (StA Frankfurt, Holzhausenarchiv K. 74) ist auf fol. 60 ferner ein butzenverglastes kleines Fenster abgebildet, das eine Holzhausen-Wappenscheibe zeigt. Philipp Ludwig Authäus überliefert in seinem Epitaphienbuch um 1675 ferner eine Reihe von Allianzwappen in nicht genauer bezeichneten Fenstern23.
Die gesamte mittelalterliche Verglasung wurde bei der Barockisierung der Kirche 1763-71 zerstört. Hüsgen empörte sich, daß die alten Fenster mit den Wappen der Stifter trotz des ausreichenden Lichtes in der Kirche entfernt worden seien: »So wurden doch diese schöne Produkte einer nun gäntzlich verlohrnen Kunst dermaßen bey letzter Veränderung darinnen ausgerottet, daß leyder jetzo keine Spuhr mehr davon zu finden ist«24. Doch auch diese von verschiedenen Wohltätern gestiftete Verglasung war nur von kurzem Bestand: Sie wurde hundert Jahre später durch Nicolas von Roermond ersetzt, der 1875 die Chorfenster und 1885 die Fenster der Südseite sowie 1889/90 diejenigen der Nordseite ausführte25. Nach ihrer Zerstörung 1943/44 wurde die Verglasung 1954 nach dem Entwurf von Wilhelm Geyer, Ulm, erneuert (Ausführung Wilhelm Derix, Rottweil).

Bibliographie

Lersner, 1706, Teil 2, S. 114 (überliefert in den Chorfenstern zehnmal das Wappen Jakobs von Schwanau und nennt die Wappen anderer Frankfurter Patrizierfamilien in den Gewölben und Fenstern der Kirche); Hüsgen, 1780, S. 272 (beklagt den Verlust der alten Verglasung); Anton Kirchner, Ansichten von Frankfurt am Main, der umliegenden Gegenden und den benachbarten Heilquellen, Frankfurt/Main 1818, S. 94 (vermißt ebenfalls die Glasgemälde aus dem »kunstreichen Mittelalter«); Wolff/Jung, I, 1896, S. 125, 128, 130, 145f. (Erwähnung von Stiftungen Jakobs von Schwanau für die Chorfenster, die dessen Wappen zehnmal gezeigt haben sollen; Allgemeines zu den Verglasungen von 1763 und 1885-89); Jung, 1908, S. 94 (Stiftung von sieben Glasgemälden aus dem Nachlaß Jacobs von Schwanau in den Chor 1477); Zülch, 1935, S. 209f. (nach Jung); Rott, 1936, S. 9 (nach Jung); Josef Edler, Die Liebfrauenkirche zu Frankfurt a.M. und ihre Kunstwerke, Phil. Diss. Frankfurt/Main, Düren 1938, S. 10, 13, 59-61 (historische Nachrichten zur mittelalterlichen Verglasung sowie zu den Verglasungen von 1763 und 1875-1890).

Nachweise

Fußnoten

  1. Frankfurt StA, Epitaphienbücher Nr. 9, fol. 82r.
  2. Hüsgen, 1780, S. 272. In dem bis auf einen Passus im Wortlaut identischen Eintrag im Artistischen Magazin von 1790, S. 568, spricht er gar von Würgengeln der Kunst, die er für die Vernichtung der alten Kunst verantwortlich macht.
  3. Zu den Stiftern der Verglasungen von 1763 und 1886-90 vgl. Edler (s. Bibl.), 1938, S. 59f

Drucknachweis

Die mittelalterlichen Glasmalereien in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet / Daniel Hess (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 2), Berlin 1999

Nachnutzung

Rechtehinweise

Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ehemals Frankfurt, Liebfrauenkirche“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/207-14_ehemals-frankfurt-liebfrauenkirche> (aufgerufen am 17.06.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/207-14