Eberbach, Klosterkirche

 
Standort
Eberbach
Anzahl Fenster
1
Anzahl Scheiben
1
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Katalogdaten

Gegenwärtiger Bestand

Als einziger Rest der mittelalterlichen Verglasung der Klosterkirche ist ein nahezu komplettes Flechtwerkfenster (Fig. 4f., Abb. 14, Farbtaf. II) erhalten geblieben, das sich seit 1995 in dem neueröffneten Abteimuseum befindet. Zusammen mit der heute ebenfalls dort befindlichen, nicht genau lokalisierbaren Dreipaßscheibe eines Wilden Mannes (Abb. 15, 19) gehörte das Fenster zuvor zur Sammlung Nassauischer Altertümer im Museum Wiesbaden. Historisch kann für Eberbach überdies ein 1945 aus der Moosburg in Biebrich in das Wiesbadener Museum überführter Fragmentbestand (Abb. 16-18, 20) gesichert werden, der bis gegen 1803 an seinem ursprünglichen Standort im Eberbacher Kreuzgang verblieben war. Diese Fragmente werden im Anhang abgehandelt. Zu dem vereinzelt nach Eberbach lokalisierten Glasgemälde in Fischbach vgl. dagegen S. 90f.
[Geschichte des Baues und seiner Verglasung] Bei ihrer Ansiedelung in Eberbach im Jahre 1136 bezogen die Zisterzienser eine seit etwa 1116 bestehende Klosteranlage, die von Augustiner-Chorherren und Benediktinern bewohnt gewesen war. Ab 1145 bis gegen 1220 wurde diese Anlage – neben Himmerod das einzige Tochterkloster von Clairvaux in Deutschland – sukzessiv erweitert (Fig. 3). Zunächst erfolgte der Neubau der Kirche (Fig. 4), die in einem ersten Bauabschnitt bis auf die Höhe des an den Ostteilen sichtbaren Quadermauerwerks hochgeführt wurde. Nach einer Unterbrechung der Bauarbeiten zwischen 1160/70 wurde der begonnene Bau mit geringfügigen Planänderungen, die Höhenverhältnisse und Wandgliederung betreffend, weitergeführt, wobei die Ostteile nach der Altarweihe von 1178 bereits benutzbar waren; die Schlußweihe erfolgte 1186.
Weitere Baumaßnahmen erlebte die Kirche im 14. Jahrhundert, als man 1315 das Südseitenschiff nach der Errichtung einer ersten Grabkapelle bis 1357 durch acht weitere Grabkapellen erweiterte und die romanische Lichtführung dadurch schrittweise grundlegend veränderte. Im Zuge dieser Baumaßnahmen erhielt auch der Chor um 1330 große, helle und reiche Maßwerkfenster: im Osten ein monumentales achtbahniges Maßwerkfenster, das 1747 ganz vermauert, 1781 zur oberen Hälfte wieder geöffnet und 1935/37 schließlich romanisierend zurückgebaut wurde, im Norden und Süden je ein vierbahniges Fenster, von denen das nördliche später vermauert wurde. Von der damaligen Chorverglasung fehlt jede Nachricht, doch vermitteln die Glasmalereireste des etwa gleichzeitig entstandenen, ebenfalls nachträglich eingebrochenen achtbahnigen Ostfensters des Zisterzienserklosters von Bebenhausen eine ungefähre Vorstellung der ehemaligen Pracht ihrer vermutlich in massivem Widerspruch zu den traditionellen Verglasungsgewohnheiten der Zisterzienser stehenden Gestaltung1.
Welchen Zerstörungen und Umbauten die bis auf wenige Reste zufällig erhaltene Verglasung der Kirche und des Kreuzgangs zum Opfer fielen, kann nur vermutet werden. 1631 diente die Kirche den schwedischen Truppen als Pferdestall, und 1679 zerstörte ein Wirbelsturm einzelne Fenster. 1702 setzte eine umfassende Wiederherstellung ein, die 1714 bei der Errichtung des Hochaltars zu einer Veränderung der gotischen Chorfenster führte; über den Umfang dieser Arbeiten geben die Baurechnungen jedoch keine Auskunft. 1747 und anläßlich einer Umgestaltung des Hochaltars 1781 wurden Ost- und Nordfenster des Chorschlusses teilweise vermauert. Anläßlich der umfangreichen Restaurierungsarbeiten von 1935/39 wurde der Chor in romanischer Form rekonstruiert; von den gotischen Maßwerkfenstern blieb dabei nur das südliche Chorfenster erhalten2.
Die Baugeschichte der Klostergebäude kann hier nur insofern Berücksichtigung finden, als sie den Kreuzgang und seine ehemalige Verglasung betrifft. Wie bei der Kirche stammen die ältesten Bauteile aus der Zeit um 1186; diese mußten jedoch größtenteils den gotischen Umbauten des 13. und 14. Jahrhunderts weichen. In einer ersten Phase erfolgte von 1240/50 bis gegen 1270 eine umfangreiche, jedoch nicht vollständige Erneuerung und Erweiterung der einzelnen Flügel; erst in einer zweiten Bauphase um 1345 wurde der Kreuzgang schließlich vollendet. Der jeweilige Umfang dieser Bauabschnitte wird kontrovers beurteilt, entscheidend für die Entstehung der überlieferten Glasgemälde dürfte jedoch die Aufstockung des Westflügels für die in Fachwerkbau um 1500 darüber errichtete Bibliothek sein3. Auf Grund der abweichenden Profile, der Schlußsteine mit Blattmasken und Fruchtmotiven und der im übrigen Kreuzgang nicht nachweisbaren reicheren, genasten Maßwerkformen, die nurmehr in ihren Ansätzen erkennbar sind, dürfte zumindest der südliche Teil des Westkreuzganges zum Zeitpunkt der Errichtung des 1500 datierten Portals des Treppenturmes erneuert worden sein4. Diese Maßnahmen hatten eine Erneuerung der Verglasung zumindest der vier südlichen Joche des Westkreuzgangs zur Folge, die in unmittelbarem Anschluß an die Umbauten erfolgte. Die Kenntnis der um 1500/01 partiell erneuerten Kreuzgangsverglasung beschränkt sich indes auf fünf schriftlich überlieferte Stiftungen, eine summarische Beschreibung von 1800 und die vier im Depot der Sammlung Nassauischer Altertümer im Museum Wiesbaden aufgefundenen Fragmente. Letztere waren nach der Aufhebung des Klosters im Zuge des Abbruchs von Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs 1805 zusammen mit den Steinen und den im Westflügel herausgeschlagenen Maßwerken in die Moosburg nach Biebrich verbracht worden. Der Glaser Georg Haust aus Östrich baute damals die gesamte Kreuzgangsverglasung aus: in Creutzgänge alle Fenster ausgenom(m)en5.
Waren die letzten Reste der Kreuzgangsverglasung bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts entfremdet worden, verblieb das einzige romanische Flechtbandfenster offenbar bis 1850 an seinem ursprünglichen Standort, bevor es anläßlich einer öffentlichen Versteigerung vom Nassauischen Altertumsverein erworben werden konnte (s. Reg. Nr. 6). 1995 wurde das Fenster aus der Sammlung Nassauischer Altertümer im Museum Wiesbaden in das neu eingerichtete Abteimuseum im Kloster Eberbach zurückgeführt.
[Rekonstruktion, ikonographisches Programm] Angesichts der großen Verluste, denen in der Kirche unter anderem die Verglasungen von Chor und Südkapellen zum Opfer gefallen sind, bleiben alle Überlegungen zur Rekonstruktion des ursprünglichen Bestands hypothetisch. Man kann jedoch davon ausgehen, daß alle in ihrer ursprünglichen Form erhaltenen romanischen Fenster wie in den etwa gleichzeitigen Zisterzienserbauten von Obazine und La Bénisson-Dieu mit Grisaillescheiben geschlossen waren. Da dort jeweils vier verschiedene Ornamentmuster belegt sind, war auch die Eberbacher Verglasung nicht auf ein einziges Muster beschränkt. Über die Verglasung der 1315 bis 1357 angebauten Südkapellen kann nurmehr an Hand der Altartituli spekuliert werden6.
Bezüglich der Kreuzgangsverglasung lassen sich nurmehr vage Vermutungen anstellen: Der nassauische Hofrat und Leibarzt Ritter erwähnt in seiner emphatischen, von romantischer Begeisterung für das lebendige Spiel der prachtvollen Farben geprägten, jedoch unpräzisen Beschreibung der Kreuzgangsverglasung von Eberbach im Jahr 1800 bezüglich der Inhalte lediglich, daß so mancher deutsche Ritter dorthin sein Andenken gestiftet habe. Ferner berichtet er, daß die meisten Glasgemälde laut Inschrift in Köln verfertigt worden seien7. Es bleibt demnach offen, ob der Kreuzgang wie in vielen rheinischen Zisterzienserklöstern mit Darstellungen aus dem Leben des Ordensgründers Bernhard von Clairvaux, oder aber mit Einzelstiftungen und Wappen ausgeschmückt war. Die erhaltenen Fragmente von 1501 und die fünf überlieferten Stifterinschriften sprechen für letzteres, wobei als Stifter einzelne Adelsfamilien und herausragende Persönlichkeiten der Region überliefert sind. Ritters Hinweis auf die Herkunft der Glasgemälde aus Köln kann dabei nicht erhärtet werden; wahrscheinlich bezog er sich auf nachmittelalterliche Scheiben, die wie in der Kreuzgangsverglasung des frühen 18. Jahrhunderts im Frankfurter Karmeliterkloster (s. Anhang S. 331f.) Köln als Herstellungsort nannten. Neben den Stiftungen von 1501 sind die Wappen des 1329 verstorbenen, in Eberbach begrabenen Johannes von Scharfenstein und des Ritters Wilhelm von Rüdesheim († 1324) überliefert, die sich nach Franz Joseph Bodmann noch 1819 in den Fenstern des Kreuzgangs befunden haben sollen8.
[Vorbemerkung zum Katalog] Im Rahmen einer ersten Untersuchung im Herbst 1991 wurden die Fragmente der ehemaligen Kreuzgangsverglasung photographiert. Im Oktober 1995 erfolgte schließlich die Aufnahme und Untersuchung des Flechtbandfensters und der Dreipaßscheibe mit Wildem Mann.

Nachweise

Fußnoten

  1. Zum Ostfenster von Bebenhausen und seiner Farbverglasung vgl. zuletzt Rüdiger Becksmann, in: Kat. Ausst. Die Zisterzienser in Bebenhausen, Stuttgart 1998, S. 105-121.
  2. Zur Baugeschichte vgl. Hanno Hahn, Die frühe Kirchenbaukunst der Zisterzienser, Berlin 1957, S. 12ff., Wolfgang Einsingbach, Bemerkungen zur Baugeschichte der Klostergebäude in der ehemaligen Zisterzienserabtei Eberbach im Rheingau, in: KHM 11, 1971, S. 51-79, zusammenfassend Ders., Kloster Eberbach, München/Berlin, 21991, sowie Siegbert Sattler, Die Sanierung der Kirche des Klosters Eberbach/Rheingau, in: NA 105, 1994, S. 257-289.
  3. Zur kontroversen Beurteilung der einzelnen Bauabschnitte vgl. Herchenröder, 1965, S. 90, und Einsingbach (s. Anm. 2), 1971, S. 68-70.
  4. Auf die Möglichkeit einer Erneuerung des Westkreuzgangs im Zuge des Aufbaus der Bibliothek um 1500 hat bereits Einsingbach (s. Anm. 2), 1971, S. 68f., Anm. 47, mit Hinweis auf die später in die Wand eingesetzten Gewölbekonsolen und die Rippenprofile aufmerksam gemacht.
  5. Zu den Abbrucharbeiten vgl. Sattler (s. Anm. 2), 1994, S. 295, mit Nachweisen aus den Baurechnungen.
  6. Zu den dortigen Altären vgl. Sattler (s. Anm. 2), 1994, S. 272-274.
  7. G. H. Ritter, Denkwürdigkeiten der Stadt Wiesbaden und der benachbarten Gegend in vorzüglicher Hinsicht ihrer sämtlichen Mineralquellen, Erster Theil, Mainz 1800, S. 164.
  8. Vgl. Franz Joseph Bodmann, Rheingauische Alterthümer oder Landes- und Regimentsverfassung des westlichen oder Niederrheingaues im mittleren Zeitalter I, Mainz 1819, S. 350, Anm. c), 356, Anm. e); ersteres wird auch von Christian von Stramberg, Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius II, Band 10, Koblenz 1861, S. 479, erwähnt. Vgl. neuerdings auch Monsees, 1997, Nr. 19, 39.

Drucknachweis

Die mittelalterlichen Glasmalereien in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet / Daniel Hess (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 2), Berlin 1999

Nachnutzung

Rechtehinweise

Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Eberbach, Klosterkirche“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/204-1_eberbach-klosterkirche> (aufgerufen am 06.06.2026)

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